Leseprobe: Vergiss nie das Morgenland

Das 2. Buch aus der Morgenland-Reihe von Autorin S. M. Jansen

Graue Wölfe

Sagen-Buch

Tierbuch

Lesen: Vergiss nie das Morgenland

Das Buch:

Kaum ihrem Ehemann Majid entkommen, dem sie in sein Heimatland Jordanien gefolgt war, wo er ihr eine Ehehölle ohne sondergleichen bescherte, lernt Bea auf der Flucht nach Deutschland Robert im Flugzeug kennen und verliebt sich auf Anhieb in ihn. Doch die Vergangenheit holt sie schnell wieder ein, denn Majid sieht Bea immer noch als sein Eigentum an, kommt heimlich nach Deutschland und versucht, sie wieder zurückzuholen.

Bei einem dramatischen Autounfall verliert Bea ihr Gedächtnis - und hat plötzlich ihre Vergangenheit vergessen und somit ihr komplettes bisheriges Leben verloren. Die Liebe zu Robert wird auf eine harte Probe gestellt und am Ende muss Bea sich mehrere Fragen stellen: Wer bin ich wirklich? Warum bin ich so geworden, wie ich bin? Und vor allem: Bin ich überhaupt fähig jemandem so zu vertrauen, dass ich ihn noch bedingungslos lieben kann?

Der Frauenroman Vergiss nie das Morgenland von S. M. Jansen ist in verschiedenen Formaten über den Internet-Buchhandel erhältlich.

Leseprobe aus "Vergiss nie das Morgenland":

Das Erste, was ich erkennen kann, ist ein greller Lichtstrahl, der meine Augen zum Blinzeln bringt, es ist so hell, dass ich sie sofort wieder schließe. Ich spüre etwas, das sich auf meiner Haut wie eine sanfte Berührung anfühlt, beinahe federleicht. Meine Sinne sind irgendwie noch völlig ausgeschaltet, ich habe dafür keine Erklärung. Habe ich geschlafen? Wo bin ich überhaupt? Ich wage erneut meine Augen zu öffnen, das grelle Licht ist immer noch da, aber meine Neugierde ist stärker, ich halte durch und gewöhne mich langsam an die schmerzende Helligkeit. Vorsichtig drehe ich meinen Kopf nach links und sehe in ein freundlich dreinblickendes Augenpaar, das zu einer Frau in mittlerem Alter gehört. Sie hat feuerrote, raspelkurze Haare und eine Krankenschwester-Kluft. Sie lächelt sanft und fasst meine Hand, die sie zu streicheln beginnt.

»Sie sind wach! Das ist schön, ich dachte schon ...«, unterbricht sie, scheinbar unsicher, ob sie den Satz beenden sollte. »Sie haben aber lange geschlafen, egal, jetzt sind Sie wach, nur das zählt. Ich freue mich. Ich bin Schwester Kaya. Ich bin die Oberschwester hier auf der Station und werde Sie die nächsten Tage betreuen. Keine Angst, alles wird wieder gut. Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen, wir werden alles tun, damit Sie schnell wieder gesund werden«, sagt sie und schenkt mir ein Lächeln, bevor sie meine Hand wieder loslässt und mir ein Glas Wasser reicht. »Trinken Sie einen Schluck, das wird Ihnen guttun, Bea.«

Bea, ja, jetzt erinnere ich mich, es ist mein Name. Aber was ist passiert, warum bin ich hier? Bin ich verletzt? Jetzt erst schaue ich an mir herunter, sehe, erfasse, dass meine Arme und Hände in einem dicken Verband stecken und auch der Rest meines Körpers wird von etwas bedeckt, das sich wie ein Verband anfühlt. Ich kann nicht alles sehen, auf meinem Rumpf liegt eine leichte, weiße Decke, nur meine Zehen lugen unter dem Deckenrand hervor.

Ich versuche mich leicht aufzurichten, die Krankenschwester führt das Glas an meine Lippen und ich nehme vorsichtig ein paar Schlucke. Das Wasser ist kalt, die Feuchtigkeit benetzt meine spröden Lippen, ich trinke und das Wasser schmeckt für mich wie bester Champagner.

»Danke«, stammle ich leise. Mehr kann ich im Moment nicht sagen, meine Kehle fühlt sich trotz des wohltuenden Wassers noch wie zugeschnürt an. Langsam aber sicher fühle ich, wie die Lebensgeister meinen Körper beflügeln, dennoch, ich verspüre Schmerzen und zermartere mir den Kopf, was mir zugestoßen sein könnte. Die Krankenschwester schüttelt das zerwühlte Kopfkissen wieder in Form und schaut mich dabei nachdenklich an. Ihr Blick verrät mir, dass sie sich Sorgen um mich macht. Bin ich schwer verletzt? Was habe ich? Ich versuche mich zu erinnern, strenge mein Gehirn richtig an, aber außer meinen Namen kann ich nichts aus der alles verschleiernden Dunkelheit hervorkramen. Es ist, als ob meine innere Festplatte von jemandem resettet worden wäre. Bea, und weiter? Wer bin ich? Warum bin ich hier?

»Darf ich einen Spiegel haben?«, frage ich stotternd. Meine Stimme ist noch nicht ganz da, ich bin sehr schwach, aber ich möchte sehen, ich möchte mich erinnern, ich will wissen, wer ich bin.

Sie lächelt schwach, macht ein paar Schritte zum angrenzenden Bad, öffnet die Tür und geht hinein. Dann kommt sie auf mich zu, in der ausgestreckten Hand hält sie einen silberfarbenen Handspiegel mit goldenen Verzierungen und übergibt ihn mir zögernd.

»Sind Sie sicher? Es ist vielleicht nicht der richtige Zeitpunkt«, erwidert sie.

Ich nicke. Entschlossen nehme ich den Spiegel und werfe ungeduldig einen Blick hinein, ich möchte endlich wissen, wie ich aussehe.

Es sind die großen blauen Augen, die ich als Erstes wahrnehme, sie sind von dunklen Augenringen umrahmt. Das Gesicht ist blass, wirkt zerbrechlich und fremd. Bin ich das? Die blonden, schulterlangen Haare sind glanzlos und strähnig. Beim näheren Betrachten entdecke ich auf meinem Hinterkopf ein großes Pflaster und an den Schläfen Hautabschürfungen, die aber schon fast verheilt sind. Ich schaue in mein Gesicht, ich lasse mir Zeit, ich denke nach, aber ich kann mich, verdammt noch mal, an nichts erinnern. Ich erschrecke.

»Sie müssen sich jetzt ausruhen, Bea. Ich weiß, Sie möchten verstehen, aber ihre Gesundheit ist jetzt wichtiger. Für das andere haben Sie noch Zeit, viel Zeit. Schlafen Sie. Gönnen Sie ihrem Körper die nötige Ruhe. Sie werden sehen, nach und nach kommen die Erinnerungen zurück und Sie werden wieder gesund. Ich werde jetzt dem Stationsarzt Bescheid geben, dass Sie wieder aufgewacht sind und Sie versprechen mir, sich auszuruhen. Ich werde auch Ihre Eltern anrufen, sie werden überglücklich sein zu erfahren, dass Sie bei Bewusstsein sind. Heute Abend oder morgen früh werden sie Sie besuchen kommen, da bin ich sicher. Aber jetzt müssen Sie schlafen, Schlaf ist die beste Medizin«, sagt sie zum Abschied, nachdem sie sich vergewissert hat, dass ich meine Augen wieder geschlossen habe und geht hinaus.

Die Morgenland-Reihe

© Bei der Autorin S. M. Jansen bedanken wir uns für die Texte und die Abbildungen zu "Vergiss nie das Morgenland". Erfahren Sie mehr über die Autorin auf ihrer Webseite

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