Die Toten am Fort Point

Leseprobe aus dem Kriminalroman des Autors Thomas Schmidt

Lesetipp: Die Toten am Fort Point

Zum Buch

Eine Serie von Todesfällen hält San Francisco in Atem. Ein Toter nach dem anderen wird bei Fort Point an Land gespült. Augenscheinlich soll es sich um Selbstmörder handeln, die von der Golden Gate Bridge gesprungen sind.

Detektiv David Connor stellt sich die Frage, ob es sich wirklich um Suizide handelt. Als sein Bruder plötzlich verschwindet und er auf einen gefälschten Abschiedsbrief stößt, verdichtet sich sein Verdacht. Voller Unruhe begibt er sich zur Brücke und sucht nach seinem Bruder. Dabei trifft er Kenneth Dreyfuss, den drogenabhängigen Sohn des Hoteliers und Antiquitätenfreaks Brian. Auch Kenneth will sich von der Brücke stürzen - für ihn gibt es keine Perspektiven.

Connor verhindert den Suizid und erfährt, dass sein Bruder ein Geschäftspartner von Brian Dreyfuss war und dass dieser zum Suizid getrieben wurde. Die Frage ist: Von wem?

Der Thriller Die Toten am Fort Point ist in zwei Versionen erschienen: als Taschenbuch in Normaldruck (ISBN 978-3845910260), sowie auch in Großdruck (ISBN 978-3845910277).

Leseprobe aus dem II. Abschnitt: "Brückenwache"

Mittwoch, 10. September 2008, fünf Uhr abends.

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Ich befinde mich auf der Golden Gate Bridge, in Nähe eines der dreizehn Notrufknöpfe und schaue auf den Wasserspiegel. Man schätzt, dass sich seit der Einweihung der Brücke 1937 etwa zweitausend Lebensmüde in die Fluten des "Goldenen Tores" stürzten. Wer aus 70 Meter Höhe ins Wasser springt, ist in der Regel tot. Hat mich jetzt die Telepathie hergetrieben, um den Suizid weiterer lebensmüder Gesellen zu verhindern? In meinem Wahn stelle ich mir vor, mein Bruder könnte wieder auftauchen. Ich bewege mich im Sturmschritt über den schwankenden Stahlkollos, und zwar in Richtung Marin-County. Der Geruch der Eukalyptusbäume ist trotz Wind deutlich zu spüren. Ich bin nicht mehr der Jüngste, doch diese Strecke auch im Joggingtempo zu überwinden, traue ich mir noch zu. Plötzlich kommt dichter Nebel auf. Der Fahrverkehr verlangsamt sich, Scheinwerfer blitzen auf, ich öffne meinen Regenschirm.

Das Brückengeländer ist gerade mal vier Fuß hoch, kein Kunststück, es zu überwinden. Ich will einfach nicht wahrhaben, dass sich Blair und Dreyfuss, zwei der wohlhabendsten Bürger der Stadt, umgebracht haben. Es hieß, sie seien früher in gesundheitlich guter Verfassung gewesen, von Depressionen keine Spur. Dreyfuss als sogenannter Selfmade-Millionär war passionierter Kunstsammler. Er galt als großzügig, offenherzig, mitunter auch redselig. Die Ehefrau starb vor einem halben Jahr an einem Krebsleiden. Was Angehörige betrifft, weiß ich nur von einer Tochter und einem Sohn.

Dreyfuss' Vorfahren schürften in der Sierra nach Gold, gleich ab 1848 oder besser gesagt noch vor der einsetzenden Zuwanderung auch europäischer Goldsucher. Dreyfuss hatte angeblich über die größten Nuggets des amerikanischen Kontinents verfügt, ganz abgesehen von einer Münzsammlung zum kalifornischen Goldrausch. Irgendwann ist die Tochter nach Los Angeles gezogen. Um aber das Erbe anzutreten, würde sie sicherlich nach San Francisco zurückkehren. Ich bin in Gedanken versunken. Dann macht mich das Schwanken der Brücke nervös. Der Wind hat sich gelegt - Hagelkörner klopfen auf meinen Schirm. Ich bin drauf und dran, umzukehren.

Das Wetter ist für einen Suizid bestens geeignet. Wer springen will, hat nicht gern die Silhouette der Stadt oder das Fort Point im Auge. Die Wenigen, die den Sprung von der Brücke überlebten, haben es mir gesagt. Am Ende waren sie froh, nicht in die ewigen Jagdgründe eingegangen zu sein. Anders dachten zwei Rollstuhlfahrer. Sie wären lieber tot. Einer von ihnen gehörte dem früheren Stamm der Sioux an. Wie alle Ureinwohner bezeichnen sie das Jenseits als Jagdgrund des Glücks, eben als "Happy Hunting Ground". Ich bin davon überzeugt, dass eine Brückenwache angebracht wäre.

Der Nebel löst sich langsam auf. Ich setze meinen Weg fort. Dann taucht eine männliche Gestalt auf. Sie klammert sich von außen an das Brückengeländer. Ich schätze den Mann auf etwa dreißig Jahre. Er schaut abwechselnd zu mir und in den Abgrund, seine Augen sind weit aufgerissen ...

Der Autor:

Thomas Walter Schmidt wurde in Torgau geboren. Nach Lehrzeit und Grundwehrdienst studierte er Bauwesen. Schon in seiner Kindheit gehörten Schriftsteller wie Probst, Twain, Nossow, Fallada und Defoe zu seinen Lieblingsautoren. In seiner Lehrzeit schrieb er Geschichten und Gedichte, u.a. für die ehemalige Zeitschrift "Junge Welt" in Berlin.

Das Schreiben für Kabaretts und Jugendsender betrieb er fortlaufend. Besondere Vorliebe galt der Comedy. Ab 2005 veröffentlichte er Satiren und Regionalromane, sowie Texte für die Satirezeitschrift "Eulenspiegel" in Berlin. Sonstige Veröffentlichungen: "Im Auftrag des Großen Bruders", 2011, "Antiquitätenmarder ... noch lebe ich!", "Das Gold der Sierra Nevada", 2012, "Vernarrt in eine Diebin", 2013, "Leidgenossen zwischen Krummer Lanke, Reichstag und Gedächtniskirche", 2013, "Die Toten am Fort Point", 2013 und "Das Bildnis des Todes", 2014.

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© "Die Toten am Fort Point" - Leseprobe sowie Abbildung des Buchcovers mit freundlicher Genehmigung des Autors Thomas Schmidt. Über ihn erfahren Sie mehr in den Buchtipps und Leseproben seiner Werke Das Gold der Sierra Nevada, Im Auftrag des Großen Bruders sowie Als wir den II. Weltkrieg ausgruben

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