Ja, so warn's - die alten Rittersleut

Kurzgeschichte von Ulla Schmid

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Mythologie

Rittersleut

In unserem Land gibt es viele Sagen und Legenden über die Rittersleut und über eine Zeit, die schon sehr lange her ist. Diese Zeit wird uns heutzutage romantisch verklärt - besonders in bestimmter Literatur oder diversen Filmen - nahe gebracht. Nicht jeder konnte Ritter werden, zumeist waren das Söhne aus dem Adel.

Mit der Zeit waren die meisten Ritter nicht mehr besonders ritterlich, aber dafür rauflustig und trinkfest geworden. Die jetzt folgende Sage, die ich etwas ausgeschmückt habe, hat sich in Norddeutschland "abgespielt".

Meine Kurzgeschichte handelt von einem Grafen, nennen wir ihn Kunibert, der mit seinen Freunden, auch alles Grafen, zwar nicht rauflustig, aber dafür sehr trinkfest war. Auch sonst war Kunibert den Freuden des Lebens nicht abgeneigt. Von angenehmem Äußeren, war es für ihn ein Leichtes, bei den Frauen und Mädchen, die sich nicht so sehr zierten, anzukommen.

Eines Tages hatte Kunibert mit seinen Freunden eine Wette abgeschlossen: Wer konnte am meisten Alkohol vertragen? Wer am Ende eines Saufgelages noch aufrecht stehen konnte, hatte gewonnen. Als Gewinn sollte die schöne Tochter Adele eines Adeligen winken. Adele wusste zwar noch nichts von ihrem Glück, aber das würde sich schon noch geben.

Das Gelage begann. Mit zunehmendem Weinkonsum wurden die Witze und die Lieder immer derber. Vor Frauen und Kindern konnte man so etwas nicht wiederholen. Dieses Gelage ging über einen längeren Zeitraum, und mit der Zeit lagen Kuniberts Freunde alle unter dem Tisch. Sie boten keinen besonders schönen Anblick. Nur noch Kunibert hielt sich auf den Beinen, zwar nicht aufrecht stehend, aber doch noch so, dass man ihn als Sieger dieser Wette bezeichnen konnte. Geringschätzig starrte er auf seine im Vollrausch liegenden Freunde. Obwohl im Vollrausch wusste er noch so viel, dass die schöne Adele ihm gehören würde.

Aber erst musste er noch seinen Rausch loswerden. Er wankte nach draußen. Dass er jede Menge Pferde sah, die fast alle dem seinen glichen, war nicht seinem Rausch geschuldet. Es waren die Pferde seiner Freunde. Es dauerte schon eine Weile bis er endlich sein eigenes Pferd gefunden hatte. Mühsam schwang er sich auf dieses und ritt ins nächste Dorf.

Es war Sonntagmorgen und die Kirchenglocken riefen zur Messe. Kunibert mochte zwar trinkfest sein, aber er war ein guter Katholik, und es trieb ihn dazu, die heilige Messe zu besuchen. Der Pfarrer und die Kirchgänger waren schon versammelt. Das erste Lied wurde angestimmt, als die in den hinteren Reihen der Kirche sitzenden Gemeindemitglieder des Kunibert ansichtig wurden und dadurch reichlich Unruhe verbreiteten.

Der Pfarrer und der Rest der Gemeinde drehten sich um und erstarrten: Ritter Kunibert kam in die Kirche. Nun war das wohl nichts, worüber man sich aufregen sollte, aber Kunibert hatte vergessen, vor seinem Kirchenbesuch von seinem Pferd abzusteigen und war mit diesem in die Kirche geritten. Der Pfarrer und die Gemeindemitglieder zogen ihn vom Pferd, schleiften ihn nach draußen und schlugen ihn so derart, dass Kunibert mit einem Schlag wieder nüchtern war. Kunibert soll diese Schläge nicht überlebt haben und seine letzten Gedanken galten wohl der schönen Adele.

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© Text "Ja, so warn's - die alten Rittersleut": Autorin Ulla Schmid; Bildnachweis: pixabay.com, CC0 (Public Domain Lizenz)

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