Malcolm: Das Leben auf den Kopf gestellt

Erzählung - Teil XII

Malcolm und seine Mutter

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Teil XI:
Ein paar Augen mehr

Diana Strattner war am Telefon. Mal hörte sie sprechen, als er nach Hause kam. Das Interessante daran war, dass seine Mam scheinbar gute Laune hatte, denn sie lachte beim Reden. Das war gut, sehr gut sogar.

Zwar hatte es gerade zwei Uhr geschlagen (erstaunlicherweise konnte man das Glockengeläut der nächstliegenden Kirche hier tatsächlich hören), aber Malcolm war schließlich heute zum ersten Mal nach seinem "Unfall" draußen gewesen. Und seine Mam war da sehr pingelig.

Er hatte den Gedanken gerade zu Ende gedacht, als er schon an den Schultern gefasst und herumgedreht wurde. "Da bist du ja, mein Großer. Fühlst du dich gut?"

Mam sah Malcolm forschend, aber nicht streng an. "Hm, möglicherweise hat dir der Spaziergang gutgetan. Du hast sogar ein ganz klein wenig Farbe gekriegt." Mal bog den Kopf nach hinten, verengte seine Augen zu Schlitzen und stieß zwischen den Zähnen hervor: "Yeah, Lady, die Sonne brannte verdammt heiß herunter." Dann gab es viel Gekichere und eine der absolut tollen "Mam-Umarmungen". Kurz, aber so richtig von Herzen.

"Mit wem hast du denn telefoniert?", fragte Mal, als er und seine Mutter beim Essen saßen. Diana hatte eine ganze Platte mit Schnittchen gemacht, dazu einen Salat. Das passte Mal gut, denn es war sehr warm gewesen draußen, und für ein richtiges Mittagessen war er einfach nicht hungrig genug. Das war er sowieso nie, wenn ihm etwas im Kopf herumging. Er wusste nicht, ob er Mam von den "Trabanten" erzählen sollte. Sie machte sich auch so schon Sorgen genug.

Während er noch darüber nachdachte, erschien plötzlich dieser Waldweg wieder vor seinen Augen. Irgendetwas war da geschehen. Irgendetwas, das er nicht erklären, aber immer noch spüren konnte.

"Mal? Hallo, Großer. Bist du müde oder langweilst du dich?" Mal fuhr zusammen. Er hatte völlig vergessen, dass er seine Mam etwas gefragt hatte. Und von dem, was sie geantwortet hatte, absolut nichts mitbekommen.

"Äh ... nein, entschuldige. Mir ist da etwas durch den Kopf gegangen. Ist aber schon wieder okay." Das brachte den zweiten, forschenden Blick an diesem Tag für Mal. Aber Diana beließ es dabei und erzählte dann alles noch einmal.

Die Idee, das Hauptgewicht des Geschäftes auf das Internet zu legen, hatte sich als sehr gut erwiesen. Diana verhandelte mit Großhändlern und mit Stammkunden, und war gerade dabei, eine richtig gute Internetpräsenz aufzubauen.

"Zu Gesprächen werden wohl nicht mehr sehr viele Leute kommen", sagte Mal's Mam dann. So nannte sie diese Sitzungen mit den Karten immer. Mit Wahrsagerei wollte Diana Strattner eigentlich nichts zu tun haben, so wie Mal das verstand. Es hatte eher etwas mit Erforschung zu tun, hatte Diana immer gesagt.

Gedanken machte sich der Junge darüber nicht, er hatte keinen Sinn für solche Sachen. Das sagte jedenfalls seine Mutter. Aber auch ihm war klar, dass die Stammkunden zu weit weg wohnten und es hier wohl kaum jemanden gab, der zu der "Hexe" gehen würde, um sich die Karten legen zu lassen. War wahrscheinlich auch besser so.

"Die Waschküche nehmen wir als Packraum, würde ich sagen. Und zum Teil auch als Lager." Diana war mit ihren Gedanken voll und ganz bei ihrem Geschäft. Mal sah seine Mam an, während sie begeistert von Bestellungen und diesen ganzen Dingen sprach.

Ihre rotbraunen Haare hatte sie zu einem Pferdeschwanz gebunden, dazu trug sie Jeans und Shirt. Sie sah aus wie immer, aber weit weniger traurig als die ganze Zeit vorher. So fröhlich hatte Mal sie selten gesehen, seit sie von Berlin weggezogen waren. Ihm dämmerte, dass es für Diana sehr schwer gewesen sein musste, den Umzug zu organisieren und ihr ganzes Leben praktisch auf den Kopf zu stellen. Und seine Biestigkeit war ihr da bestimmt keine Hilfe gewesen, das war sicher. Er schämte sich für so einige Sachen, die er gesagt und getan hatte. Aber Mam trug es ihm nicht nach, das wusste er. Trotzdem wollte er seinen Teil tun, damit ihre Lachfältchen, die sie um die Augen hatte, nicht wieder verschwanden, weil sie zu viel geweint hatte und alles verquollen war.

Der 13. Teil folgt hier in Kürze ...

© "Malcolm: Das Leben auf den Kopf gestellt" - eine Erzählung von , 2017. Bildnachweis: Mutter und Sohn, CC0 (Public Domain Lizenz)

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