Ich habe mit dem Wind die Liebe gesucht

Ein Essay um Windkleinigkeiten - von Monika Linn

Kriegerin Wüste Gewitter

Wind, ich suche die Liebe.
Zeigst du mir, wo die Liebe zu finden ist?

Zischend kommt er auf mich zu, zeigt mir sein Gesicht, aus dessen Mund Blut rinnt. Reißt mich hinein in die dunklen Gewölbe eines King Filmes, in dem Es ein unentdecktes Leben fristet. Stinkende Abwasserdämpfe nehmen mir die Atemluft, verwandeln Leben in das kalte Lächeln eines Zombies, der versucht, eine rechte Heimat zu finden.

Wind, das ist keine Liebe - du weißt sicher, wo sie zu finden ist.

Kichernd zwingen mich seine Hände, nach den verschleierten Mädchen der Boko Haram zu schauen. Während Isis Kämpfer kleine Kinderköpfe an Mauern aus Religion und Hass annageln und irgendwo eine alte Frau mit einer rostigen Rasierklinge ihr blutiges Werk vollendet.

Wind, lass mich ziehen, meine Tränen ätzen blutige Streifen in mein Herz.

Sieh, dies ist ein anderer Kontinent, dort ist die Liebe fremd für mich.

Wind, lass mich gehen, ich suche in meiner Heimat nach der wahren Liebe.

Wieder zerrt, reißt er an mir. Sein pausbäckiges Gesicht verspricht mir die Gemütlichkeit eines Fernsehabends in warme Decken gehüllt. Während Kinder an Ungarns Grenze zitternd auf dem Boden liegen und versuchen, die Kälte der Nacht in ihren Träumen zu vergessen.

Sein kalter Atem trocknet meine Tränen. Seine stürmischen Arme halten mich fest, zwingen meinen Kopf an das Fenster eines Zimmers. Dort in der Dunkelheit halten kalte Vaterhände einem Mädchen die Beine fest, um ihm den Weg zu seiner Liebe zu zeigen.

Wind bitte, irgendwo wird die wahre Liebe zu finden sein.

Er wirft mich zu Boden.

Sein Kichern hallt laut durch die Stille meines Herzens, während meine blinden Augen dem Tasten meiner Hände folgen, dorthin, wo die wahre Liebe zu finden ist.

© "Ich habe mit dem Wind die Liebe gesucht" - ein Essay von Autorin Monika Linn. Bildnachweis: pixabay.com, CC0 (Public Domain Lizenz)

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