Ein Ausflug in die Botanik: Der Flieder

Fliederstrauß in weiß und lila

Wenn er wieder blüht, der weiße Flieder, ist Frühling angesagt. Das haben wir im Ohr und wohl auch im Gemüt. Fliedersträuße in den Wohnzimmern und Fliederbüsche in den Vorgärten, überall duftet es danach und hübscht sich erfolgreich auf. Und wenn jemand "fliederfarben" sagt, dann weiß auch jeder, was gemeint ist. Dieses hübsche Lila in verschiedenen zarten Tönen ist eigentlich immer in Mode.

Aber der Flieder ist kein Einheimischer, sondern vor langer Zeit aus dem Orient eingewandert, beziehungsweise mitgebracht und heimisch gemacht worden. Im Gepäck hatte ihn im Jahre 1560 ein österreichischer Gesandter, der einige Ableger dieser pflegeleichten Pflanze aus der Türkei mitführte. Es dauerte nicht lange und der Flieder wurde auch bei uns heimisch. In der Türkei heißt die schöne Pflanze übrigens "Leylak", was man im englischen "Lilac" für Flieder noch wiederfindet.

Im Deutschen wie im Englischen steht der Name auch für die Farbe. Dieser besondere Ton war neu im Farbenspektrum der Mode, wurde also direkt verwendet und hält sich bis heute. Der wissenschaftliche Name des "Gemeinen Flieders", den man auch "Gewöhnlichen Flieder" nennt, lautet "Syringa vulgaris". Und der gute alte Holunder wurde früher einmal "Deutscher Flieder" genannt. Aber das am Rande.

In der Medizin spielt der Flieder keine wirklich große Rolle, obwohl ein Tee aus Fliederblüten gerne bei Fieber und Erkältungskrankheiten getrunken wurde. Eine recht bittere Angelegenheit, die etwas mit dem hohen Gehalt an Bitterstoffen zu tun hat. Die Pflanze enthält auch ätherische Öle, die bei bestimmten Beschwerden sehr wohltuend wirken können.

Weiter soll der Flieder bei Verdauungsbeschwerden hilfreich sein. Meist wird ein Tee bereitet, aber wenn man die Blüten in Öl einige Zeit ziehen lässt, kann man es für Einreibungen bei rheumatischen Beschwerden oder Gelenkproblemen verwenden.

Der Flieder scheint eine recht "weiße Weste" zu haben, was Gönner oder Bewohner aus der Anderswelt betrifft. Wahrscheinlich ist er noch nicht lange genug eingebürgert gewesen, um zu den "magischen Gehölzen und Pflanzen" zu gehören. Außer natürlich, man sieht ihn als Vertreter des Frühlings, und somit als Symbol für die Liebe. Denn zu besonderen Erwähnungen in Liedtexten hat es der schöne botanische Neubürger ja sehr schnell gebracht.

© "Ein Ausflug in die Botanik: Der Flieder" - ein Textbeitrag von , 2017. Bildnachweis: Fliederstrauß in weiß und lila, CC0 (Public Domain Lizenz)

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