Im Sog des blinden Zufalls

Buchbesprechung zu "Unmenschen" - ein Thriller von Jan Holmes

Buchbesprechung zum Thriller von Jan Holmes

Ob es Zufälle tatsächlich gibt, oder ob eine Art Plan existiert, der Menschen einander begegnen oder aufeinander Einfluss nehmen lässt, ist eine alte Frage der Menschheit. Falls es aber so etwas wie ein Muster im großen Webstück der Schicksale gibt, dann ist es nicht zwingend ein sehr gefälliges. Jedenfalls könnte man es so sehen, betrachtet man die Schicksale der drei Menschen, die der Autor Jan Holmes zu den Antihelden seines furchteinflößenden Stückes gemacht hat.

Drei völlig verschiedene Menschen existieren in der gleichen Stadt, ohne voneinander zu wissen oder sich zu kennen. Ihre Fäden laufen nebeneinander her, bis sie sich dann doch kreuzen - und was dann geschieht, hat Ähnlichkeit mit dem Brand, den unisolierte Leitungen auslösen könnten, wenn sie sich berühren.

Die Charaktere

Der Leser wird mit Meier bekannt gemacht. Ein etwas einfältig scheinender Hausmeister, der in seinem eigenen Kosmos lebt, der aus festen Zeiten und Gewohnheiten besteht, die dem fast autistische Züge tragenden Meier das Leben einigermaßen möglich machen. Er ist intelligenter, als man glauben könnte, wenn man ihn bei der Arbeit in der Schule sieht. Ständig verschreckt, ständig besorgt und doch gutartig, genügt Meier knapp den Anforderungen, die an ihn gestellt werden. Einer, der leicht übersehen wird und der sein Leben annimmt, wie es eben ist.

Ganze Welten entfernt lebt Sven, der ein findiger Erpresser ist. Er ist keiner, der seinen Opfern hinterherschleicht: nein, der smarte Haargel-Benutzer hat seine Fallen sehr effizient aufgestellt. Er kann warten, bis die Schafe, die er scheren will, zu ihm kommen. Und das tun sie - denn seine Fangreuse befindet sich da, wo das Laster die sogenannten Anständigen anzieht.

Brigitte ist die Dritte in diesem ungewollten Bund. Eine Hure, die seit Jahren ihre Kunden im Wohnwagen empfängt. Brigitte ist nicht mehr die Allerjüngste, aber doch noch sehr konkurrenzfähig. Desillusioniert, aber durchaus nicht völlig erkaltet, hinterfragt sie ihr Leben zuweilen, wenn sie auch ihre Entscheidungen weder wirklich bereut noch vor sich verteidigt.

Diese drei scheinbar zufällig ausgewählten Menschen treiben wie Eisenspäne, die von einem Magneten angezogen werden, aufeinander zu - oder besser gesagt, auf einen Punkt zu, der für jeden Einzelnen der Drei gefährlich ist.

Ein dreidimensionales Leseerlebnis

Jan Holmes versteht es hervorragend, seine Figuren vor dem Auge des Lesers erstehen zu lassen. Er beschreibt die Alltäglichkeiten, mit denen sie sich auseinandersetzen, in einer Weise, dass man glaubt, zuzusehen. Er holt drei Menschen aus der Masse heraus und lässt sie lebendig werden, nur zu dem Zweck, sie auf ein böses Schicksal zuzutreiben.

Man ist sehr schnell ein Befangener. Und vielleicht deshalb letztendlich nicht in der Lage, die Schuldfrage eindeutig zu klären. Falls es Schuld in Schicksalsfragen geben kann. Oder bei bösen Zufällen.

Die gezeichneten Charaktere dieses Buches sind niemals flach oder klischeehaft, sondern fast dreidimensional eindringlich. Das macht den Sog des blinden oder bösen Zufalls, oder eben auch des Schicksals so beängstigend.

Den Roman von Jan Holmes empfehlen wir als besonders lesenswert. Der 278 Seiten starke Thriller "Unmenschen" ist als Taschenbuch und E-Book im Handel erhältlich.

© "Im Sog des blinden Zufalls" - eine Rezension von , 2017. Abbildung des Buchcovers: Autor Jan Holmes

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