"Verstecktes Herz": Ein fein gewebtes Lesevergnügen

Rezension zur Erzählung von Thomas Dellenbusch

Erzählung von Thomas Dellenbusch: Verstecktes Herz

Man könnte bei dem Titel "Verstecktes Herz" auf eine Liebesgeschichte schließen. Das ist sie sogar. Wenngleich die vorliegende Erzählung eine Vertrauensgeschichte ist, denn darum geht es auch: um das wiedergefundene Vertrauen.

Vor allem anderen ist das Buch des Autors Thomas Dellenbusch ein aufgezeichneter "Schlachtplan des Bösen". Kleine Ortschaften - wie die, in der die Protagonisten leben - stellen eine Art Mikrokosmos dar. Man kennt sich von der Wiege an und alles ist eine einzige, große Nachbarschaft. Das klingt idyllisch, und von außen betrachtet ist es das auch. Die sozialen Strukturen in solch einer Gemeinschaft sind festgefügt und bieten Sicherheit vor dem Unbekannten. Es gibt kaum Überraschungen, und wenn doch, hat das Dorf für lange Zeit Gesprächsstoff.

Orte wie Seilersfeld spiegeln die ganze Gesellschaft wider, wenn auch im Kleinen. Dort gibt es die ausgewiesenen Tonangeber; dann diejenigen, die folgen, und es gibt die Geduldeten. Offene Feindschaften sind gefährlich, sie bieten zu viel Zündstoff und könnten das mühsam erhaltene Gleichgewicht in der Gemeinde zerstören. Das ist der Grund, warum sich jeder bemüht, den Scheinfrieden zu wahren, wo er kann.

Der Giftnebel des Hasses steigt auf

Thomas Dellenbusch zeigt die Menschen in der Geschichte so nah, dass sie uns sofort an solche Menschen erinnern, die wir kennen oder gekannt haben. Und als das Unfassbare geschieht, als ein Störfaktor im Dorf erscheint und als Gefahr für die idyllische Fassade erkannt wird, stellt sich Beklommenheit ein. Die tonangebenden Frauen der dörflichen Gesellschaft diskutieren einen Neuankömmling: eine alleinstehende, attraktive Frau, die alleinerziehende Mutter ist. Das allein wäre in den frühen 1960er-Jahren schon suspekt. Aber es dauert nicht lange und das Wort "Hure" wird laut. Und das ist nicht bildlich gemeint.

Zaghafte Erklärungsversuche für die Herrenbesuche laufen ins Leere. Und tatsächlich wirft rasch jemand den ersten Stein, indem er das Wort "Hure" laut ausspricht. Eine schöne Prostituierte im Dorf, das ist gefährlich. Aus solch einer Anwesenheit werden rasch Scherze, werden Bemerkungen, wird Unfrieden, und es wird Aufweichungen der unsichtbaren Grenzgerüste geben, die bisher das Leben im Ort gestützt haben.

Man sieht fast vor Augen, wie bei den Zusammenkünften der ehrbaren Frauen der Giftnebel des Hasses aufsteigt und das klare Denken vernebelt. Und schnell wird klar: die Leute im Ort brauchen diesen Außenseiter. Ihr Hass braucht ein Ventil, denn es ist für niemanden möglich, aufgestaute Frustrationen auszuleben oder sich auch nur damit auseinanderzusetzen. Dafür ist das Beziehungsnetz zu fragil, die Abhängigkeit voneinander zu groß.

Dellenbusch zeigt das Böse, das aus der Angst schlüpft

Aber es gibt einen weiteren Außenseiter, einen geduldeten oder möglicherweise sogar bewunderten. Wird er das Schlimmste verhindern können? Der Leser ist hier schon längst völlig hineingezogen in die Ereignisse. Als die beiden Außenseiter aufeinandertreffen, ist die junge Frau sehr froh darüber - und so nehmen die Dinge ihren Lauf.

Thomas Dellenbusch ist ein Kenner des Menschlichen und dessen Abgründe. Er zeigt das Böse, das aus der Angst schlüpft wie ein monströses Küken auf distanzierte, aber trotzdem sehr tiefgründige Weise. Er beschönigt nichts und malt keinesfalls in Schwarz und Weiß.

Die Erzählung "Verstecktes Herz" ist ein feines, aufregendes und subtiles Lesevergnügen, das der Autor uns als Taschenbuch (116 Seiten), Hörbuch (2,5 Stunden) und E-Book präsentiert.

Dem Autor Thomas Dellenbusch und dem KopfKino-Verlag danken wir herzlich für das Coverbild und das Rezensionsexemplar.

© "Verstecktes Herz: Ein fein gewebtes Lesevergnügen" - eine Rezension von , 2018.

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