Die Legende vom stummen Abt

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Der stumme Abt

Im niederbayerischen Fürstenzell gab es einstmals einen vortrefflichen Abt, einen wahren Mann des Glaubens und Streiter Gottes. Jener war mit Gaben reich ausgestattet und führte das Kloster mit guter Hand und reinem Herzen. Keiner der Brüder hatte Grund zur Klage, alles wurde gerecht bemessen - sei es Lob oder Tadel - und die Gemeinschaft des Klosters war eine wahre Gemeinschaft in Christi.

Nun hätte der Abt zufrieden sein können mit den reichen Gaben, die ihm verliehen waren, doch nagte an ihm im Geheimen eine Trübnis der Seele. Trotz aller Gelehrsamkeit und allen Wissens, trotz der Kunst, die Brüder zu führen, mangelte es ihm an Beredtheit. Seine Predigten waren, trotz des Glaubensfeuers, das in ihm loderte, schwach und ohne Kraft. Die Gabe der Wortgewalt war ihm nicht gegeben, und das war ihm ein schwerer Kummer.

So er den ergreifenden Worten eines Mönches oder Priesters lauschte oder von einer Predigt ergriffen wurde, fühlte er ein dumpfes Neidgefühl in sich aufsteigen, für das er jedes Mal, wenn es über ihn kam, sich selbst die schwersten Bußen auferlegte und Gott demütig um Verzeihung bat. Er arbeitete bis zur Erschöpfung an seinen Predigten, doch so gelehrt und ergreifend sie auf dem Pergament aussahen, so blutleer und monoton kamen sie aus ihm heraus. Der Abt verzweifelte schier an seinem eigenen Unvermögen und versank immer öfter in ein dunkles Brüten, woraus ihm der Glaube und das Gebet immer schwerer zu helfen vermochten.

* * * Ende der Leseprobe aus unserem Buch * * *

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© Text zu "Die Legende vom stummen Abt": , 2009. Bildnachweis: pixabay.com, CC0 (Public Domain Lizenz)

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