Barettchen - Ein VorstadtmärchenZweiter Teil |
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"Frau Schillers Katze ist verschwunden", wurde sie von dem alten Mann begrüßt. "Ja, und ich hab solche Angst, dass sie auch vergiftet wurde", schniefte Frau Schiller. "Mimi ist doch erst ein halbes Jahr alt. Ich hab nur das Fenster ganz kurz zum Lüften aufgemacht, aber das muss sie ausgenutzt haben. Wir haben die halbe Nacht nach ihr gesucht." Die Frau war sichtlich verzweifelt, aber sie versprach sich sofort zu melden, wenn es etwas Neues gäbe. Dann verabschiedete sie sich. Nachdem sie eine kurze Zeit schweigend Frau Schiller nachgesehen hatten, fragte Barettchen den Herrn Wolf nach weiteren Vorfällen, aber der verneinte. Aber dann fragte er Barettchen, ob sie hier wohne. "Ich habe dich eigentlich noch nie her gesehen - außer gestern natürlich. Und ich glaube, dass du mir aufgefallen wärst." Dabei deutete Herr Wolf auf die rote Mütze und lachte. Irgendwie vertraute das Mädchen dem alten Herrn, wenn sie auch nicht wusste, wieso das so war, und erzählte von Oma und dem eingegipsten Fuß, von der Schule, und ganz zuletzt erzählte sie auch von Herrn Jäger und dem Fernglas. Der Mann hörte genau zu und meinte dann, das Barettchen solle doch morgen vorbeikommen, wenn sie für ihre Großmutter alles erledigt habe. Vielleicht gäbe es ja etwas Neues und sie habe vielleicht Lust auf einen Spaziergang mit ihm und Felix. Oma war gar nicht begeistert davon. "Wer weiß, was das für ein Mensch ist, dieser Herr Wolf. Er wohnt zwar in der Nachbarschaft, aber man weiß nicht viel von ihm. Mir gefällt das überhaupt nicht." Auf die Frage, was man denn von diesem Herrn Jäger wisse, antwortete die alte Frau ganz erstaunt, dass der ein ordentlicher und sehr korrekter Mensch sei, der es nur gut meine. Auch wenn er vielleicht ein wenig übertreibe. Barettchens Gesichtausdruck entging der Großmutter zum Glück.
Sie richtete das Fernglas auf die weit entfernten Häuser des Stadtteiles und war ziemlich überrascht, dass man praktisch alles genau sehen konnte, was da so vor sich ging. Sie sah die Blumen in den gepflegten Vorgärten, sie sah die spielenden Kinder und sogar die eine oder andere Katze hinter einem Fenster. Da verstand sie und ließ das Glas sinken. "Haben sie diesen Herrn Jäger schon hier gesehen?" fragte sie. Wolf nickte ernst. Er sei ihm schon mehr als einmal hier begegnet, aber das Fernglas war ihm wohl entgangen. Er habe sich nur gewundert, was ein Vogelfreund hier an dieser Stelle suche, denn der benachbarte Fußballplatz sorge dafür, dass es hier nicht allzu ruhig war tagsüber. Es gab hier weit bessere Plätze, um in Ruhe Vögel zu beobachten. Außerdem sei der Mann jedesmal äußerst unfreundlich gewesen, und um Felix habe er einen regelrechten Bogen geschlagen. "Von hier aus sieht man alles ganz genau, man weiß, welcher Hund wo spazierengeführt wird und welche Katze in welchem Garten sitzt. Und dann muss man nur noch an den richtigen Stellen etwas liegenlassen." Herr Wolf nickte. Und dann machten sie einen Plan. In den nächsten Tagen fiel es Herrn Jäger nicht weiter auf, dass er beim Aufschreiben der Kennzeichen von falschparkenden Autos oft einem Mädchen auf einem Rad begegnete. Er bemerkte wohl den alten Herrn Wolf und Felix, begnügte sich aber damit, ein saures Gesicht zu ziehen und auf die andere Straßenseite zu gehen. Dass eine sehr grimmige Großmutter mit einem von Herrn Wolf geliehenen Fernglas jeden seiner Schritte beäugte, wusste er natürlich auch nicht. Und das laut geführte Gespräch, das Frau Schiller mit Oma führte und in dem es um die kleine Mimi ging, die wieder gesund nach Hause gekommen war, gab er vor, nicht zu hören. Ihre Katze dürfe jetzt wieder nach draußen, meinte die junge Frau. Es sei ja länger nichts passiert. Dass in der Straße, in der er wohnte, immer öfter dieser strubbelige kleine Köter gassigeführt wurde, schien Herrn Jäger nicht sonderlich zu stören. Möglicherweise zogen sich seine Mundwinkel noch ein wenig mehr nach unten, aber das konnte auch Einbildung sein. Jedenfalls meinte das die Oma mit einem ironischen Lächeln.
Er bemerkte die drei anderen Menschen, die zu dieser Stunde unterwegs waren erst, als er die präparierten Fleischstückchen schon fast alle in gleichem Abstand im Gras unter den Jägerzäunen versteckt hatte. Als das Blitzlicht aufflammte, hatte er den Beutel noch in der Hand... er hielt ihn noch, als die Polizei eintraf. Seit dieser Nacht lebten die Katzen und Hunde in der Siedlung am Stadtrand wieder so lange, wie es ihnen bestimmt war, und Herr Wolf verwandelte sich in "Franz". So nannte ihn nämlich die Großmutter, wenn sie gemeinsam mit ihm und Felix spazierenging, nachdem ihr Fuß wieder in Ordnung war. Und niemand in der ganzen Siedlung versäumte es, dem Barettchen freundlich zuzuwinken, wenn es - recht oft übrigens - die Oma, Franz und Felix besuchte. Das war eine Geschichte von einer roten Mütze, einer Großmutter nebst Wolf und Jäger. Zurück zum ersten Teil des Märchens hier
Erzählt von Ilona Elisabeth Schwartz, © Pressenet Lesen Sie auch Die Sage vom Bodensee-Ungeheuer und der Seerose
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