Die Geschichte vom goldenen Reiter |
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Was die Konstitution angeht, wird er den französischen König wohl übertroffen haben, denn mit seiner eindrucksvollen Größe von 1,76 besaß August für die damalige Zeit ein wahres Gardemaß. Da man zu der Zeit hohe Allongeperücken trug, die die Erscheinung eines Mannes vergrößerten, muss er eine außergewöhnliche Erscheinung gewesen sein. Sein Beiname "der Starke" bezog sich vor allem auf seine Körperkräfte, die überdurchschnittlich gewesen sein müssen und die er gerne zur Schau stellte. Kleine Einlagen bei Festlichkeiten, bei denen er wohl Hufeisen geradebog, sind tausendfach beschrieben worden. Diese Kraftdemonstrationen im höfischen Ambiente, inmitten von erlesen gekleideten Adeligen, waren damals mehr als heute ein faszinierender Kontrapunkt. Wenn seine Hoheit die Spitzenmanschetten zurückwarf, und ohne ein Zeichen von Anstrengung Eisen bog, wird das seine Wirkung, besonders auf die Damen, wohl nicht verfehlt haben. Und diese wusste er wohl zu schätzen, denn das höfische System der Mätressenwirtschaft war ihm zeitlebens der natürliche Lauf der Dinge. Obwohl er in späten Jahren unter Diabetes und Blutdruckstörungen litt, war er in der Jugend und dem Zenit seines Lebens von geradezu animalischer Kraft und Gesundheit. Er hielt glanzvoll Hof, machte sich um die Künste und die Wissenschaft verdient und war ein Meister der Selbstdarstellung, die er auch in Bauwerken manifestierte. Seine Stadt, Dresden, wurde zu einem der führenden Höfe Europas und unter seiner Herrschaft eine Metropole des Barock.
Nun kam es darauf an, das gewaltige Projekt eines überlebensgroßen Reiterbildes in die Realität umzusetzen, was der Größe wegen eine ziemliche Schwierigkeit darstellte. So kam es, dass der Kanonenschmied Ludwig Wiedemann den Auftrag zum Gießen erhielt, da seine Werkstatt die einzige war, in der ein solch großes Stück gefertigt werden konnte. Es wurde in Kupfer gegossen und dann feuervergoldet. Die fertige Statue zeigte den Potentaten, der in ruhiger und lächelnder Pose auf einem elegant bäumenden Pferd sitzt. Die Haltung ist lässig, im Bewusstsein von Macht und Stärke. Es ist durchaus keine kriegerische Haltung im herkömmlichen Sinn, obwohl der Reiter im römischen Stil gepanzert ist. Er trägt den Marschallstab und sitzt in selbstbewusster Haltung auf dem Pferd, den unbehelmten Kopf stolz erhoben. Die Größe der Plastik und die Vergoldung haben ihren gewollten Eindruck von Herrlichkeit und Größe sicherlich nicht verfehlt bei den Betrachtern. Jedoch musste die eigentliche Idee mit der Augustusbrücke verworfen werden - die Plastik war schlichtweg zu schwer, und so fand sie ihren Platz auf dem Neustädter Markt. Das Volk Dresdens war dermaßen beeindruckt von dem goldenen Reiter, dass sich schnell eine hartnäckige Legende bildete. Es wurde erzählt, dass der Befehl des Herrschers den Schmied Wiedemann in arge Bedrängnis gestürzt habe, glaubte der doch keinesfalls, das Standbild zu der Zufriedenheit des Fürsten schaffen zu können, war er eben auch kein Bildhauer und Künstler. Die geplanten Ausmaße der Statue und deren Schwere hatten es nötig gemacht, ein Eisengerüst zu erstellen, dass das Pferd im Inneren stützte. Da Wiedemann nun verzweifeln wollte, versicherte er sich der Hilfe des Teufels, so erzählte das Volk, der mit schwarzer Kunst dem Schmied zur Seite stand. Die Arbeit ging leidlich voran, unter dem Schutz des Teufels, der sich aber zurückzog, da der Schmied ihm durchaus nicht seine Seele überantworten wollte. So vollendete Wiedemann das gewaltige Werk nun mit allen seinen Kräften alleine und zur Zufriedenheit des Auftraggebers. Doch kurz darauf machte jemand, ein Neider vielleicht, ihn darauf aufmerksam, dass dem offenen Maule des Hengstes die Zunge fehle. Der Schmied hatte sie einfach vergessen. Einen solchen Fehler beim Werk seines Lebens begangen zu haben, verstörte und kränkte Ludwig Wiedemann dergestalt, dass er an gebrochenem Herzen starb. Wahrscheinlich war die Großartigkeit des goldenen Reiters selber der Auslöser für diese Geschichte, weil dem einfachen Volk die Erschaffung des Standbildes wie ein Wunder erschien. Aber trotzdem wird es so noch heute in Dresden erzählt. Frei nacherzählt von Ilona Elisabeth Schwartz, © Pressenet Lesen Sie auch Die Sage vom Grafen Ulrich und seiner Gemahlin
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