Die Sage vom Felsenmeer bei Hemer



Aktuelles
Autoren
Bildung
Cartoons
Fantasy
Horoskop
Gesundheit
Kultur
Legenden
Leseproben
Literatur
Personen
Publikationen
Ratgeber
Reisen
Sudoku
Serien
Tarot
Urlaub in DE
Unternehmen
Wirtschaft
Wissenschaft

Im Sauerland, bei der Stadt Hemer, liegt das Felsenmeer, über dessen Ursprung viele Geschichten erzählt werden. Eigentlich soll es sich bei den vielen großen und kleinen Felsen um die Bruchstücke einer Zwergenhalle handeln, die einstürzte, denn vor langer, langer Zeit wohnte ein Stamm der Zwerge im Gebiet um den Sundwiger Wald.

Im felsigen Erdreich schürften und gruben sie nach allem, was ihnen wert schien, denn wie jeder weiß, hängt das Herz des Zwergenvolkes an den Schätzen der Erde. Gold, Silber und edles Metall galt ihnen alles, und im Laufe der vielen Jahrhunderte hatte das kleine Volk es zur Meisterschaft im Bergbau und in der Steinmetzkunst gebracht, denn die kleinen Schatzsucher zogen auch zum Wohnen die Höhlen und Grotten unter der Erde vor.

Ihre Hallen und Säle schmückten sie mit den feinsten Steinarbeiten. Sie lenkten kunstfertig das Licht in die Höhlen und schufen wahre Paläste unter der Erde, die durchaus mit denen der menschlichen Könige mithalten konnten - sie vielleicht gar übertrafen. Nun waren die gedrungenen Schatzsucher nicht für ihre Freundlichkeit bekannt, denn von der Arbeit besessen - wie sie nun einmal waren - ließen sie sich nur ungern abhalten und hielten höfisches Gebaren für Zeitverschwendung.

Nun waren die Höhlen, von denen hier die Rede ist, unbestreitbar die schönsten zwergischen Anlagen überhaupt, denn in ihnen wohnte kein anderer als der große Alberich selbst. Der Ruhm des Zwergenfürsten reichte über die ganze bewohnte Erde, und durch die Jahrhunderte hindurch wurde sein Name nicht vergessen - bis auf den heutigen Tag. So hielt er Hof in den wunderschönen steinernen Hallen, während emsig immer weitere Stollen in den Berg getrieben und eifrig geschürft wurde.

Schmuckstück des Berges war die große Königshalle, deren Ausstattung eines Alberich wohl würdig war. Reich mit Ornamenten geschmückte Säulen waren in perfekter geometrischer Weise angeordnet und stützten die Decke, die in feinsten Steinmetzarbeiten die ganze Geschichte des Zwergenvolkes zeigte. Die Flammen der Fackeln wurden von hauchdünn geschliffenen Bernsteinzylindern geschützt und warfen goldenes Licht auf die Halle.

Hochlehnige Stühle mit Intarsien aus Edelsteinen standen im Rund vor dem Thron, um den Edlen des Volkes beim Rat als Sitz zu dienen. Jede Lehne zeigte, in Mosaik gefertigt, das Wappen des jeweiligen Hauses und deren Stammbaum. Alberichs Thron selber war aus einem einzigen großen Achat gehauen und mit silbernen Ornamenten verziert. Alles Tischgerät war aus kostbarem Material und mit größter Kunstfertigkeit geschaffen. Da gab es Pokale aus Gold mit Edelsteinen verziert, silberne Teller mit getriebenen Szenen aus dem täglichen Leben, gar Schalen und Becher aus dünnstem Alabaster und reicher Ornamentik.

Die Wände der Königshalle zierten meisterhaft gearbeitete Waffen und Schilde, denn neben den Talenten für Bildhauerei und Steinmetzkunst hatte sich das Zwergenvolk für die Schmiedekunst begabt gezeigt. Von Zwergenschmieden gearbeitete Schwerter und Äxte galten als die besten, die zu bekommen waren, von unvergleichlicher Schärfe und Kraft. Es hieß, Zwergenwaffen waren mit Zaubern belegt, doch wenn dem so war, behielten die Schmiede ihre Geheimnisse wohlweislich für sich.

So ging das Leben unter dem Berg seinen Gang, doch die Kunde des großen Reichtums drang mit der Zeit an die Oberfläche und verbreitete sich dort. Das noch junge Geschlecht der Menschen erzählte es weiter, doch wäre es niemandem eingefallen, begehrlich auf die Schatztruhen der Zwerge zu schielen. Aber nicht allzu weit entfernt wohnte ein Stamm der Riesen, denen war das kleine Volk unter dem Berg seit langem ein Dorn im Auge. Vor langer Zeit hatte man sich gegenseitig beleidigt und bedroht, keiner wusste mehr genau wann und wer und warum - doch war die dumpfe Erinnerung genug, um sich nicht gerade gegenseitig zu schätzen.

Nun sind Riesen auch sehr auf wertvolle Dinge erpicht, wenngleich sie auch selten solche besitzen. Ihnen fehlte es an der notwendigen Kunstfertigkeit, sie hatten andere Talente. Ob nun die Gier nach Reichtum übermächtig wurde, oder ob sie sich in ihren Schlupfwinkeln langweilten und einen Vorwand brauchten, jedenfalls rüstete das Volk der Riesen zum Angriff auf Alberichs Palast. Das war schnell getan, junge Bäume wurden ausgerissen und in Eile mit Bronze beschlagen und verstärkt, selbstgebrauter Met wurde in Massen ausgeschenkt und wilde Reden geschwungen.

So kam es, dass ein großer Stamm der Riesen geschlossen zu Alberichs Berg marschierte. Unter den Schritten der wilden Riesenkrieger erzitterte der Erdboden und hätte ihr Nahen angekündigt, wenn das nicht schon die gebrüllten Schlachtenlieder getan hätten. Die Riesen zählten nicht gerade zu den musisch begabten Völkern der alten Zeit, und ihr Gesang löste auch kein Entzücken aus.

Zwar waren die Zwergenkrieger in gut formierten Reihen auf ihrem Posten und lieferten einen hervorragenden Kampf - denn auch dafür waren sie berühmt - doch waren die Riesen allein durch ihre ungeschlachte Größe und ihre dickhäutige Unempfindlichkeit dem Schmerz gegenüber sehr im Vorteil. Wenn ein Riese erst einmal in Bewegung gesetzt war, konnte ihn eigentlich nur ein Naturereignis aufhalten. Kleinere Hindernisse nahm ein raufwilliger Riese erst gar nicht wahr.

So wurde die Garde Alberichs langsam aber stetig zurückgedrängt, während sie durch ihre Tapferkeit dem Volk die Möglichkeit zur Flucht in die dafür vorgesehenen Tunnel gab. Und man muss sagen, selbst die rasenden Eindringlinge kamen nicht allzu weit, ihr Vormarsch endete in der großen Halle. Der Moment, als der Anblick der Schätze ihre tumben Hirne ablenkte, wurde von den Kriegern genutzt, um sich in Windeseile zurückzuziehen.

Und als die Riesen mit offenen Mäulern und aufgerissenen Augen um sich blickten und nicht fassen konnten, was sie sahen, da hob Alberich seinen Stab und sang eine besondere Strophe eines Liedes, das so alt war wie die Welt. Und schmerzvoll sahen die Zwerge, wie sich die Steindecke löste und herniederbrach auf die gaffenden Riesen und alle Kunst und alle Schätze verloren waren. Die ganze weitläufige Steinhalle zerbarst und sprang in Tausende von Trümmern und erschlug die Riesen.

So entstand das riesige Felsentrümmerfeld, das bei den Menschen Steinmeer geheißen wurde und so heißt bis heute. Das Volk Alberichs zog fort und schrieb anderswo seine Geschichte weiter, wie andere Sagen und Legenden belegen.

Frei nacherzählt von Ilona Elisabeth Schwartz, © Pressenet

Urlaubziele im Sauerland findet man bei www.urlaub99euro.de

Hinweis: Auf dem Portal xinxii.com bieten wir eine Reihe verschiedener eBooks an. Das Sortiment wird ständig erweitert: Märchen, Sagen und Legenden, Mythologie, Fantasy, Kurzgeschichten sowie Sachthemen. Die eBooks können h i e r heruntergeladen werden.
Bestellung auch direkt über uns möglich.