Schneewittchen - Das Mädchen und die Königin

Nacherzählung

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Schneewittchen

Das Mädchen vergrub das Gesicht in den Kissen - sie wollte die Musik nicht mehr hören, die von den Sälen unten heraufklang. Vor einer Stunde hatte sie die Königin gesehen, als sie mit ihren Damen in vollem Putz den Gang entlang gerauscht war. Sie hatte wundervoll ausgesehen in ihrem goldfarbenen Kleid und der sorgfältig gebauschten hohen Frisur mit den Perlenschnüren. Aber das Mädchen hatte Angst vor ihr und den Hofdamen. Alles war anders geworden seit einigen Monaten.

Nach dem Tode ihrer Mutter hatte der Vater lange getrauert, aber letztendlich doch wieder eine Frau genommen. Da die vorige Königin bei der Geburt ihres eigenen Kindes gestorben war, wuchs die Kleine ohne Mutter auf. Ihre Ammen und Aufwärterinnen hatten ihr viel erzählt von der Mama, wie sie von ihrem kommenden Kind gesprochen und dessen Farben ausgemalt hatte: dunkel wie Ebenholz, weiß wie Schnee, und rot wie Blut.

Wie durch eine Laune der Natur hatte das Kind tatsächlich sehr dunkles Haar, rote Lippen und ganz zarte, helle Haut gehabt. Und Schneewittchen wurde sie deshalb genannt - Schneeweißchen. Ihr eigentlicher Taufname geriet in Vergessenheit, sogar der König, ihr Vater, nannte sie so. Sie hatte sich sehr gefreut, als sie von der bevorstehenden Heirat erfuhr - sie wollte eine Mutter haben.

Und die neue Königin war sehr freundlich zu dem dunkelhaarigen kleinen Mädchen, das ziemlich dünn und nicht sehr ansehnlich war, und überdies recht scheu. Auf eine lässige und abwesende Art war sie nett gewesen, die schöne Frau des Vaters. Unter ihren Sachen hatte sich ein schöner mannshoher Spiegel befunden, den man in ihrem Schlafzimmer in einem besonderen Kabinett installiert hatte, und den die Königin niemandem zeigte.

* * * Ende der Leseprobe aus unserem Buch * * *

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© Text zu "Schneewittchen": , 2009. Bildnachweis: pixabay.com, CC0 (Public Domain Lizenz)

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