Der Mann, der Wichtel und der Wunschring

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Wunschring

Ich habe von einem Märchen gehört, das ich euch erzählen möchte. Wahrscheinlich ist es in vielen Ländern der Erde schon erzählt worden in der einen oder anderen Form, denn die Menschen geben gerne etwas weiter, worin viel Wahrheit liegt. Das ist der verborgene Schatz in dieser Geschichte, und nicht etwa der Ring ...

Vor langer Zeit lebte einmal ein sehr armer Mann, der Bauer war und nicht viel besaß, außer einer Hütte und etwas kargem Boden. Seine Frau und er arbeiteten hart, vom ersten Sonnenstrahl bis zum Abend, wenn alles in das heimelige Licht der Abendsonne getaucht wird. Einmal nun machte sich der Mann auf, um im Wald Holz zu schlagen, denn der Vorrat schmolz dahin und der Herbst stand vor der Türe. Also nahm er den Brotkanten ebenso gerne entgegen wie die Umarmung, die sein Weib ihm auf den Weg mitgab.

Der große Wald war sehr schön, voller Leben und mit sehr alten und ehrwürdigen Bäumen bestanden. Der Mann freute sich daran, an all dem Grün und den Tieren, die ihm begegneten, denn vor ruhigen und freundlichen Menschen fliehen sie nicht so schnell. Sorgsam suchte er nun tote Stämme, die vor längerem umgesunken waren, damit er nicht etwa seine Axt in einen lebendigen Stamm setzen musste. Das wäre ihm nicht richtig erschienen, denn es gab keine Not, so etwas zu tun. Als er nun solch einen Stamm gefunden hatte, schlug er fleißig die Äste ab und richtete einen Haufen her, um ihn später zu holen, als er ein Rufen vernahm. Sogleich hielt er mit der Arbeit inne und lauschte, denn es klang ihm, als wäre es ein Hilfeschrei.

Mit geschulterter Axt ging er dem Rufen nach, das auch tatsächlich recht schnell an Lautstärke gewann, bis er vor einem hohlen Baumstumpf stand, aus dem es kläglich rief. Sehr verwundert besah sich der Mann die Sache näher, und tatsächlich fand er in dem hohlen Stumpf einen sonderbaren kleinen Mann, der mit rotem Gesicht versuchte, sich zu befreien. Der Mann verbiss sich ein Lachen, denn so etwas mögen die Unterirdischen nicht, wenn man sich über sie lustig macht. Denn es war ein Wichtel, der da gefangen saß, erkennbar an dem langen Bart und den Kleidern aus Baumrinde.

"Schau nicht so drein, du dummer großer Kerl, hilf mir hier heraus und ich werde dich dafür belohnen." Die keifende Stimme des Wichtels brachte den Mann zur Besinnung, und er beeilte sich mit der Hilfe. Der Wichtel hatte sich den Bart eingeklemmt und konnte nicht vorwärts und nicht rückwärts, er saß völlig fest. Ein Gerät zum Schneiden hatte er nicht dabei - so konnte er nur auf Befreiung von außen hoffen. Unter dem Wehklagen des kleinen Männchens nun, das um seinen prachtvollen Bart fürchtete, schlug der Mann mit kundigen Axthieben einen Teil des Stumpfes heraus. Es dauerte nicht lange, und der Wichtelmann war befreit, was er mit erleichtertem Lachen beging.

"Ich habe dir eine Belohnung versprochen", sagte er. "Da du meinen Bart nur um ein geringes gekürzt hast mit deiner Axt und nicht lange gefragt hast, gebührt dir mein Dank. Hier nimm diesen Ring - es ist ein Wunschring. Aber sieh dich vor damit, denn es ist nur ein einziger Wunsch in ihm. Wähle weise, worum du bittest." Mit diesen Worten verschwand der Wichtel, als wäre er nie dagewesen, aber an der Stelle, an der er gestanden hatte, lag ein einfacher Ring. Der kleine Reif war aus Eisen und trug keinen Stein - er sah nicht aus, wie man sich einen verzauberten Ring vorstellen mag. Doch der Mann glaubte dem Wichtel und steckte den Ring sorgsam ein. ...

* * * Ende der Leseprobe aus unserem Buch * * *

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© Text zur Erzählung "Der Mann, der Wichtel und der Wunschring": , 2009. Bildnachweis: pixabay.com, CC0 (Public Domain Lizenz)

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