Perspektive: Arbeiten Sie - auch wenn Sie dafür nicht honoriert werden!

Ratschläge zur beruflichen Entwicklung

Erfolg und Karriere

Dieser Beitrag erschien erstmals am 5. März 2010 auf sciencecareers.sciencemag.org. Autor der englischen Originalfassung ist Brooke Allen.

Vor einigen Jahren schrieb der englischsprachige Autor Brooke Allen einige innovative Ansätze zu den Themen "Finden von verborgenen Talenten" sowie "Finden von versteckten Arbeitsplätzen" im disfunktionalen Arbeitsmarkt (die Links zu den deutschen Übersetzungen finden Sie am Ende dieses Artikels).

Ein Arbeitsmarkt ist z.B. disfunktional, wenn Arbeitsplätze wie Sauerbier angeboten werden, aber keine Fachkräfte dafür zu finden sind (auch wenn diese arbeitslos wären).

Aber was passiert, wenn die Wirtschaft, die disfunktional ist, einfach nicht genügend Arbeitsplätze anbietet?

Der gesunde Menschenverstand sagt einem: Wenn man keinen Arbeitsplatz hat, soll man alles Mögliche tun, einen zu finden. Dies ist der beste Weg, das Problem während "normaler wirtschaftlicher Zeiten" zu beheben. Wenn man keine Eigeninitiative entwickelt und nicht selbst sucht, wird man keinen Job finden, egal wie viele es gäbe. Aber was sollte man in schweren Zeiten tun, wenn es viel mehr qualifizierte Bewerber als Arbeitsplätze gibt?

Egal, wie gut ein Verkäufer ist - ein Verkauf kommt nicht zum Abschluss, wenn es keine Kunden gibt. Jeder würde sich entmutigt fühlen und beginnen, an seinen Fähigkeiten zu zweifeln.

Gute Verkäufer wissen, dass es das Produkt ist, das abgelehnt wird, nicht die eigene Person - aber wenn man einen Job sucht, ist man selbst das Produkt. Und es ist schwer, die Ablehnung, die einen trifft, oder auch das Schweigen, nicht persönlich zu nehmen.

Demographischer Wandel

Eine interessante Studie des "U.S. Bureau of Labor Statistics" zeigt, wie Menschen den Tag verbringen. Auf der Seite der New York Times ist eine interaktive Karte der Daten - bitte öffnen Sie den Link, bevor Sie weiterlesen.

Den demographischen Wandel kann man mit Klick (kleine Tabelle obere rechte Seite) von "Jedermann", "Arbeitnehmern" oder "Arbeitslosen" usw. verändern. Die horizontale Achse ist die Tageszeit. Die Veränderung des Mauszeigers zeigt an, was die Menschen tun und wann. Der Klick auf eine Farbe oder Aktivität zeigt Durchschnittswerte von Menschen, die erwerbstätig und arbeitslos sind, oder nicht dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Beispiel: Die drei größten Zeitbudgets für Arbeitnehmer sind (in Stunden und Minuten pro Tag): Schlafen (8:19), Arbeiten (5:12) und Fernsehen (2:13).

In dieser Umfrage bedeutet "Arbeit" bezahlte Arbeitszeit. Arbeitslose hingegen "arbeiten" nur fünf Minuten am Tag. Was noch wichtiger ist, dass Menschen ohne Job im Schnitt nur etwa 30 Minuten pro Tag auf Arbeitssuche sind. Darüber hinaus ist die Verteilung sehr schief: Fünf von sechs Arbeitslosen suchen überhaupt keinen Job, während der Sechste drei Stunden täglich dafür aufwendet!

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Arbeitslose wenden mehr Zeit für Bildung auf als Arbeitnehmer - etwa eine Stunde pro Tag im Gegensatz zu 19 Minuten. Etwa zwei Drittel davon wird in Schulungsräumen verbracht, ein Drittel bildet sich zu Hause weiter. Vermutlich dürfte es auch hier eine große Schieflage dieser Daten geben - wenige Menschen dürften viel Zeit in Weiterbildung investieren, die meisten Menschen jedoch nicht.

Wie also verbringen arbeitslose Menschen den Tag? Sie schlafen eine Stunde länger, sehen eine Stunde mehr Fern, und verwenden 50 Minuten mehr für Hausarbeit. Fast alle ihrer Tätigkeiten dauern länger, außer Arbeit.

Wenn jemand letzten Monat seinen Job verloren hat, und den neuen Job an diesem Montag beginnen würde, wäre es kein Problem, Schlaf oder Hausarbeit nachzuholen. Aber in einer schlechten Wirtschaftslage, wenn man auf unbestimmte Zeit arbeitslos ist und monatelang mit "Nichtstun" verbringt, würde dies verheerend sein, weil man nichts vorweisen kann, dass andere dazu veranlassen würde, jemanden dafür zu bezahlen. Berufliche Fähigkeiten und Arbeitsgewohnheiten würden verkümmern, und man wäre raus aus der beruflichen und sozialen Schleife.

Vor kurzem traf ich einen Wertpapieranalysten, der jeden Monat einen Report über die Automobilindustrie veröffentlicht hat - bis er zu einem Zeitpunkt entlassen wurde, als die meisten Menschen über die Banken besorgt waren, nicht über die Autohersteller. Ich fragte ihn, ob er nach wie vor diese Reports erstellt. Er schaute mich fragend an und meinte, warum sollte er es denn weiterhin tun. Nachdem er entlassen wurde, hatte er die gleichen Kontakte, die gleichen Kenntnisse, auch den gleichen Zugang zu teuren Datenbanken, die er vorher hatte.

Ihm war überhaupt nicht in den Sinn gekommen, seine Arbeit fortzusetzen, auch wenn er nicht mehr dafür bezahlt würde. Jetzt, da alle über Autohersteller besorgt sind, wären Interessierte sicherlich bereit, gutes Geld für die aktuelle, fundierte Meinung eines qualifizierten Autoindustrie-Analysten zu bezahlen. Pech für ihn, denn er ist keiner mehr. Er gab seine Tätigkeit auf, als er seinen Job verlor.

Ein Manager sagte mir einmal: "Ich habe kein Problem damit, Arbeitslose einzustellen. Aber ich will keinen, der nicht arbeitet."

Mein Leben änderte sich in den frühen 1980er-Jahren, als mich jemand darauf hinwies, dass es nie einen Mangel an Arbeit gäbe, auch wenn es an Geld mangeln würde, um Gehälter zu bezahlen. Er hatte Recht - und in schlechten Zeiten türmte sich die Arbeit geradezu. Tatsächlich gibt es viel zu tun, auch wenn kein Geld vorhanden ist, die Arbeiter zu bezahlen.

Wie soll man also Arbeit finden, wenn keine Arbeitsplätze angeboten werden? Man kann z.B. freiwillig etwas tun, z.B. eine ehrenamtliche Tätigkeit.

Die oben genannte Studie zeigt, dass sowohl Arbeitslose als auch Arbeitnehmer die gleiche (geringe) Zeit mit freiwilliger Arbeit verbringen: 8 Minuten pro Tag. Eine schlechte Wirtschaftslage zwingt jedoch auch viele gemeinnützige Organisationen dazu, Haushaltskürzungen vorzunehmen und Leute zu entlassen, so dass niemand die Freiwilligen verwalten könnte. Ehrgeizige Freiwillige könnten sich auf eine Warteliste setzen lassen, und man könnte freundlich um Rückruf bitten.

Aber hier geht es nicht über "Gutes tun", sondern wie man clever gute Arbeit findet. Schauen wir uns also außerhalb der Organisationen um, die auf der Suche nach Freiwilligen sind. Der beste Platz, um unbezahlte Arbeit zu finden, ist bei dem Arbeitgeber, der einen entlassen hat. Setzen wir voraus, dass der Grund für die Entlassung das fehlende Geld war (nicht die Arbeit). Was sollte den Arbeitgeber also daran hindern, Sie weiter zu beschäftigen, während Sie sich nach einem neuem Job umschauen? Man könnte so für eine Weile, z. B. als Subunternehmer, auch ein wenig Geld verdienen, solange das Unternehmen Sie nicht langfristig bindet (Anmerkung: gemäß den jeweils gültigen steuer- und arbeitsrechtlichen Vorschriften). Ich habe einmal mit meinem früheren Chef als Teilzeit-Berater für wenig Geld weitergearbeitet; eines kam zum anderen und bald hatte ich mein eigenes Beratungsunternehmen und viel Arbeit, die gut honoriert wurde. Für eine Firma "gratis" zu Arbeiten, die einen gerade entlassen hat, wird bei vielen vielleicht Kopfschütteln hervorrufen, aber Sie behalten Ihre Fähigkeiten, Kenntnisse und Kontakte.

Während der Weltwirtschaftskrise in den 1930er-Jahren, als viele Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe verloren gingen, war es keinem möglich, einen eigenen Betrieb zu gründen. Heute haben alle die notwendigen Mittel, die für eine eigene Firma benötigt werden: unser Gehirn, Computer und das Internet.

Beispiel Andy: Er war nur ein paar Jahre vom Ruhestand und dem Golfplatz entfernt, als seine Zeitung ihm und 40 seiner Kollegen eine Abfindung gab. Anstatt den Kopf in den Sand zu stecken, gründete er mit den anderen ein eigenes Medien-Unternehmen. Sie bedienten sich der Technologie, die ihrem Arbeitgeber die Existenz gekostet hatte. Andy amüsiert sich nun großartig, und er hat in manchen Monaten mehr gelernt als in den letzten Jahrzehnten. Niemand wird in diesem Unternehmen bezahlt, die Kosten sind gering, das Fachwissen bleibt erhalten, und jeder hat Spaß dabei. Langfristig gesehen ist unbezahlte Arbeit sicher nicht gewinnbringend, aber es ist viel besser als Hausarbeit zu machen oder die Zeit mit Fernsehen totzuschlagen.

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Susan, die einen Doktortitel hat, sagt: "Ich wende folgende Taktik an, wenn ich den Schwung verliere: Ich überlege mir zehn Dinge, die ich gerne hätte, Menschen, die ich gerne kennenlernen würde, Jobs oder Projekte, die ich gerne machen würde. Und dann nehme ich sie mir alle vor." Sie erkannte, dass die meisten neuen Ideen zum Scheitern verurteilt waren. Ihre Lösung: variieren, sich auf Neues umstellen. Von den neuen Projekten sortiert sie die Verlierer aus und konzentriert sich auf die besten Ideen ohne Verlust von Energie.

Welche Projekte könnten Sie starten? Lesen Sie Zeitungen, nehmen Sie an Sitzungen teil und bringen Sie Ihre Ideen ein. Schreiben Sie eine Dokumentation, analysieren Sie Vorgänge oder Daten, schreiben Sie ein Programm in einer neuen Computersprache, oder halten Sie einen Vortrag über etwas, das Sie überhaupt nicht kennen (lernen Sie es vor dem Termin). Erstellen Sie eine Webseite, schreiben Sie ein Gutachten, oder lesen Sie kritisch Dokumentationen von anderen, bevor diese veröffentlicht werden. Betreuen Sie Studenten oder beraten Sie jüngere Kollegen. Sagen Sie mir, was Sie tun können! Wirklich, senden Sie mir Ihre Ideen per mail

Aber zunächst: Lesen Sie diesen Leitfaden, wie man Jobs in einer schlechten Wirtschaftslage sucht.

Seien Sie anderen nützlich! Es ist einfacher zu arbeiten, wenn mehrere an einem Projekt beteiligt sind. Wenn es Ihr Ziel ist, einen bezahlten Job zu bekommen, müssen Sie den Bedürfnissen der anderen gerecht werden, nicht nur Ihrer eigenen. Wenden Sie auch nicht all Ihre Zeit für unwichtige Projekte auf, um die sich sonst niemand kümmert.

Bieten Sie Ihre Hilfe an! Wenn Sie mit anderen kommunizieren, streichen Sie die Frage "Können Sie mir helfen?" aus Ihrem Wortschatz, sondern fragen Sie: "Wie kann ich Ihnen helfen?" Bieten Sie sich an, weil Sie Zeit haben, neue Projekte anzunehmen, auch diejenigen, für die Sie nicht bezahlt werden.

Bitten Sie andere um Hilfe! Viele Menschen sind hilfsbereiter, als Sie denken. Aber betteln Sie nicht - Sie werden eventuell erkennen, dass man nicht daran interessiert ist, einen Schmerz mit Ihnen zu teilen. Ich habe oft Leute zum Essen eingeladen, um ein Problem mit ihnen zu diskutieren, wenn ich etwas auf dem Herzen hatte.

Tragen Sie zur Gemeinschaft bei! Ich spreche nicht von der Kirche oder den Nachbarn (die einem die Zeit stehlen), sondern von der Gemeinschaft von Fachleuten. Seien Sie füreinander da! Einer für alle - alle für einen.

Konzentrieren Sie sich auf Werte, nicht auf das Geld! Ich habe gesehen, dass Menschen ihren Job aufgaben, weil sie früher fünf mal so viel verdient haben, anstatt einen Mindestlohn zu akzeptieren. Konzentrieren Sie sich darauf, wertvoll für andere zu sein, und erkennen Sie an, dass der Preis, den jemand an Sie zu zahlen bereit ist, auf der Funktion von Angebot und Nachfrage besteht - und nicht Ihr Selbstwert ist. Machen Sie andere nicht für die schlechte Wirtschaftslage oder Zahlungs-Unfähigkeit verantwortlich. Arbeiten Sie mit ihnen zusammen!

Sorgen Sie für "Nachschub"! Nicht nur Ihre aktuellen Fähigkeiten und Kenntnisse müssen Sie ständig auf dem neuesten Stand halten. Freunde oder Kollegen ziehen um (oder sterben) - dafür gilt es, neue zu finden. Wenn man älter wird, werden Sie feststellen, dass junge Menschen eine wunderbare Quelle für neue Ideen und Freude sind. Diese wiederum profitieren von Ihrer Weisheit. Mit jungen Menschen zusammen zu sein, kann auch dazu beitragen, länger zu leben.

Bilden Sie sich weiter! Aber Vorsicht, der Besuch einer Privat- oder Fachschule kann ein teurer Spaß werden. Studieren Sie selbst oder nehmen Sie Stunden bei einem Privatlehrer. Ein Freund fand es viel einfacher und günstiger, sechs Monate in China zu verbringen und dort die Sprache zu erlernen, als für den Universitätsbesuch einen Kredit aufzunehmen.

Schauen Sie sich genau um, wo keine Leute eingestellt werden! Wenn unbezahlte Praktikaplätze Hunderte von Kandidaten (und nicht nur Studenten) anlocken, stehen die Chancen in der Regel besser, dass Sie Arbeit finden. Mit meinen Sohn besuchte ich eine Ausstellung - an jedem Stand fragten wir, ob Praktika für Studenten angeboten werden. Die Chancen wurden größer, wenn die Antwort "nein" war - denn die Mitbewerber gehen wieder, die Arbeit wird jedoch nicht weniger.

Suchen Sie Arbeit, und Sie werden Arbeit finden! Mit der Zeit bekommen Sie mehr Erfahrung, Arbeit zu finden - in guten wie in schlechten Zeiten - und Sie werden Talente und eine Beständigkeit entwickeln, um gut bezahlte Arbeit zu finden. Wertvoll für andere zu sein macht sich bezahlt, und Spaß macht es obendrein. Auch wenn Sie einen neuen Job an Land ziehen, lassen Sie niemals Ihre ehemaligen Kollegen sowie all jene Menschen außer Acht, denen Sie geholfen haben - wenn Sie Ihren nächsten Job verlieren, werden diese viel Arbeit für Sie haben.

Im April 2009 stellte Brooke Allen auf einer Konferenz seine These auf, dass es nie einen Mangel an Arbeit geben würde und schlug vor, dass die Menschen einander als Mentoren, Projektleiter, Praktikanten usw. unterstützen sollten. Die Teilnehmer fanden die Idee ein erstrebenswertes Ziel, und schufen gemeinsam das Projekt NoShortageOfWork als eine freie und offene Ressource für Arbeitsuchende. Perspektive

© "Perspektive: Arbeiten Sie - auch wenn Sie dafür nicht honoriert werden!" - Autor der englischen Originalfassung ist Brooke Allen, Leiter der Quantitative Trading Group bei Maple Securities U.S.A. Inc. | Vom Autor autorisierte Übersetzung ins Deutsche von Winfried Brumma (Pressenet), 2010. Rechte für alle Sprachen bei Brooke Allen und Winfried Brumma (Pressenet). Bildnachweis: pixabay.com, CC0 (Public Domain Lizenz)

Weitere Fachartikel von Brooke Allen finden Sie hier:
- Suche nach Chancen im disfunktionalen Arbeitsmarkt - Über die Verantwortung von Unternehmen
- Auf der Suche nach Personal im disfunktionalen Arbeitsmarkt - Vorschläge zum Einstellungsverfahren

Brooke Allen schreibt auch für das International Family Magazine

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