Facebook - Das Gesicht der multiplen Kommunikation

Eine der größten Plattformen, die es im Internet gibt, macht zunehmend negative Schlagzeilen. Gemeint ist Facebook, das mittlerweile zu einer gigantischen Maschine angewachsen ist - man kann sagen, zum größten sozialen Netzwerk überhaupt.

In der digitalen Landschaft nimmt die Plattform einen sehr großen Raum ein, ihre Beliebtheit macht sie zu der angesagtesten Community aller Zeiten. Wenn da nicht diese verflixten Datenschutz-Bestimmungen wären, hätte vermutlich auch keiner etwas dagegen einzuwenden.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) wirft Facebook ebenso wie einigen anderen Netzwerken gewissermaßen schludrigen bis gewollt laschen Umgang mit den Daten der Benutzer vor und wendet sich gezielt gegen gewisse Klauseln bei den Bestimmungen. Man habe die Vereinbarungen betreffend des Datenschutzes nicht eingehallten, wird moniert und auch gleich zum Boykott aufgerufen.

Die etwas komplizierte rechtliche Seite der Angelegenheit ist auf jeden Fall im Gespräch. Nun stellt sich die Frage, wie viel Privatsphäre braucht eigentlich ein Facebook-Nutzer - oder besser gesagt, wie viel will er eigentlich davon?

Wer jemanden sucht, gebe getrost bei Facebook den Namen ein und wird wahrscheinlich fündig werden. Wenn nicht sofort, dann in absehbarer Zeit - es sieht so aus, als käme keiner um einen Account herum. Millionen Menschen nutzen dieses Portal beruflich bzw. geschäftlich, und natürlich privat. Das ist wohl einer der Gründe für die geradezu explodierende Beliebtheit, denn im Gegensatz zu den meisten anderen Netzwerken ist Facebook ein wirklicher Allrounder.

Wer Geschäftsideen sucht, wird ebenso fündig, wie jemand, der nach dem Partner fürs Leben fahndet oder eine Möglichkeit zur kostenlosen Werbung seiner Websites braucht. Neben den Profilseiten gibt es die Möglichkeit, sich einer der unzähligen Gruppen anzuschließen. Die gibt es für Geschäfte ebenso wie für Tierfreunde, Hobbyköche, Autoren, Alleinerziehende und eigentlich für alles mögliche, von caritativ bis skurril.

Wer trotz dieses immensen Angebotes nicht die richtige Gemeinschaft findet, gründet eben selber eine und lädt die anderen Nutzer ein. Fotos können fast unbegrenzt hochgeladen werden, man kann Videos posten und praktisch sein Wohnzimmer auf die Profilseite und von da aus auf das Startportal verlegen. Und diese Möglichkeiten werden fleißig genutzt - und vor allem rund um die Uhr. Zwar kann jedes Mitglied in gewissem Maße den Datenschutz "dosieren", aber das tut kaum jemand. Wenn niemand außer den eigenen Freunden und man selber die Profilseite sieht, ist das wohl kaum der Sinn der Sache.

Es geht nicht zuletzt darum, so viele Mitglieder wie irgend möglich zu adden. Und was Facebook so besonders macht neben all diesen Möglichkeiten sind die Anwendungen. Dabei geht es darum, dass man verschiedene nette Bildchen in tausendfachen Variationen, von Teddybärchen und Herzchen bis zu Autos und Dessousmannequins verschicken kann. Und tatsächlich sehen viele Seiten aus wie altmodische Poesiealben, übersät mit Herzen und Feen, Hündchen und Blumen aller Art.

Die komplette Schöpfungsgeschichte kann nachvollzogen werden, es fehlen auch durchaus keine Humanoiden im Adamskostüm. Diese kleinen bequemen Statements können nun an die Freunde verschickt werden, entweder einzeln oder - ganz bequem - mit einem Klick gleich an alle. Allerdings geht der Spaß erst los, wenn man den Anwendungen den Zugriff auf die Seite - und somit den Daten - erlaubt.

Das gleiche gilt für die ungemein unterhaltenden Spiele, die man völlig gratis spielen kann. Dieser Zeitvertreib ist auf raffinierte Weise in das Netzwerk eingebunden, und obwohl Facebook selber nichts mit den Games und Applikationen zu tun hat, ist das eine vom anderen nicht mehr zu trennen. Es ist möglich, mit anderen Nutzern zu spielen, indem man sich gegenseitig Geschenke für eine virtuelle Farm oder ein Café schickt, oder sich auf einen Herzchenverschickwettbewerb einlässt.

Wer sich die Mühe macht und über einige Tage die Startseite beobachtet, bekommt eine ungefähre Vorstellung vom Bewusstsein der meisten Facebook-Benutzer, was Datenschutz betrifft. Zwar gibt es interessante Statements, hervorragende Fotos und künstlerische Arbeiten, die vorgestellt werden, ebenso wie Diskussionsforen und Selbsthilfegruppen - aber das geht völlig unter. Was man sieht, sind Tausende und Abertausende von Menschen, die verzweifelt um Bretter für ihre Farm bitten oder stolz einen putzigen kleinen Pokal für den Farmer des Jahres auf die Startseite posten. Obwohl ... wahrscheinlich haben sie der Anwendung erlaubt, jedes Ereignis ohne Rückfrage auf der Plattform zu veröffentlichen. Bei den anderen virtuellen Welten ist es nicht anders.

Nirgendwo auf der ganzen Welt werden öffentlich so viele scharfe Waffen verschoben wie auf Facebook. Der Renner unter den Spielen ist ein Gangstergame, bei dem man sich eine Familie aufbauen und mittellose Mitgangster mit Munition versorgen kann. Obwohl Facebook für Minderjährige offen ist, spielen meist die Erwachsenen stundenlang und bis weit in die Nacht hinein. Dagegen ist durchaus nichts zu sagen, jeder Mensch hat das Recht, seine Zeit ganz nach seinem eigenen Geschmack zu vertun, aber verantwortungsbewussten Umgang mit gewissen Notwendigkeiten wie Datenschutz ist vom durchschnittlichen Facebooker nicht zu erwarten.

Der Brot- und Spiele-Faktor feiert hier Triumphe, allerdings ohne Brot. Wenn der Boykottaufruf überhaupt irgendjemanden erreicht, dann die Nutzer, die auf Anwendungen und Spiele verzichten, weil sie andere Erwartungen an ein soziales Netzwerk haben. Aber selbst wenn diese folgen, fällt das absolut nicht ins Gewicht, denn es gibt Millionen, denen das völlig gleichgültig ist.

Wenn es demnächst Anwendungen geben sollte, für die man eine Speichelprobe einschicken muss, damit man sie nutzen kann, werden das alle diejenigen tun, die dringend noch eine 3-D-Herzchenversendungsmaschine brauchen - neben den Hunderten, die es schon gibt. Also fast alle. Facebook

© "Facebook: Das Gesicht der multiplen Kommunikation" - ein Textbeitrag von , 2010.

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