Biss aufs Blut: Horror - Vampire - Dracula

Horror Vampire Dracula

Mitternacht - die Welt besteht aus grauen und schwarzen Schatten, und über den kahlen Bäumen hängt ein bleicher Mond. Während eine schöne Frau wie hingegossen und wunderschön in ihrem Himmelbett schläft, huscht etwas zum Fenster herein und ... verwandelt sich in einen Herrn im Abendanzug. Etwas bleich vielleicht, aber sehr gut aussehend und mit unvergleichlich dramatischer Eleganz sein Cape zurückwerfend, nähert er sich der Lagerstatt seines Opfers.

Richtig, es handelt sich um Bela Lugosi in der Rolle seines Lebens, nämlich in der des blutsaugenden Grafen Dracula. Der Ungar verkörperte eine ganz neue Art dieses Genres - er war zwar beängstigend, aber auch sehr attraktiv und geradezu betörend böse. Dieser Hauch von Leiden, der den Grafen mit den langen Eckzähnen begleitete, machte ihn unwiderstehlich, das Gruseln war von einem wohligen Schauer kaum zu unterscheiden.

Einige Jahre vorher trieb ein Erzvampir sein Unwesen, Nosferatu, der von Max Schreck verkörpert wurde. Der düstere Streifen versetzte seine Zuschauer schon 1922 in Angst und Schrecken und war vom seidengefütterten Umhang des bleichen Grafen in Lackschuhen meilenweit entfernt. Dieser Vampir nämlich war ein regelrechtes Monster und sah auch demgemäß aus. Kahlköpfig, mit irrem Blick und krallenartigen, extrem langen Fingernägeln konnte er kaum Sympathie erwecken. Schreck verkörperte den untoten Mörder so gut, dass man ihn tatsächlich für einen Vampir hielt, jedenfalls gab es Gerüchte dieser Art, die sich lange hielten.

Düstere, schmutzige Kreaturen, die von Friedhofserde bedeckt ihre Opfer geradezu verschlangen - das war das frühe Bild des Vampirs, dem die Darstellung Schrecks Rechnung trug. Die Erfindung des "Gentleman Blutsaugers" in feinem Zwirn revolutionierte das Bild völlig. Der karpatische Graf mochte zwar morden, um seinen Blutdurst zu stillen, aber seine Manieren blieben meist untadelig, und sein Erscheinungsbild war immer wie aus dem satinausgeschlagenen Sarg gepellt, sozusagen.

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Diese Tradition wurde in weiteren Filmen fortgesetzt, das Genre bekam einen neuen großen Darsteller, der ebenso elegant wie blutlüstern in bewährter Manier Hälse anknabberte: Christopher Lee. Der Brite verkörperte in vielen Filmen den Edlen aus den Karpaten und wurde zum Filmvampir schlechthin. Sehr groß, schlank und unnachahmlich britisch jagte Lee die meist weiblichen und sehr hübschen Opfer. Der Vampirmythos hat grundsätzlich eine erotische Komponente, die in den Lugosi-Streifen zwar vorhanden, aber doch unterschwellig zum Ausdruck kam. Die neueren Produktionen stellten das sexuelle Moment etwas mehr in den Vordergrund.

Lee saugte sich von 1958 bis 1973 von Hals zu Hals, bis er das Image gründlich satt hatte, wie man sagen könnte. Auch wenn die Streifen dieser Zeit recht unterhaltsam waren, kamen sie doch nie an die atmosphärisch genialen Filme mit Bela Lugosi heran. Sie waren vordergründiger und ohne echten "gepflegten morbiden Touch".

Man hätte annehmen können, dass die Untoten langsam aussterben würden, denn die Ära ging ihrem Ende zu. Doch 1979 öffnete sich der Sargdeckel für Nosferatu noch einmal. Der Regisseur Werner Herzog inszenierte eine Hommage an Friedrich Wilhelm Murnau und seinen Film "Symphonie des Grauens" mit Max Schreck. Den Vampir spielte Klaus Kinski, der in seiner Erscheinung tatsächlich Schreck angeglichen wurde und eine ebenso eindringliche Präsenz entwickelte. Aber Herzogs Film geriet zu einem wahren Drama, es zeigte erstmals einen Vampir mit echtem Tiefgang.

Die Zerrissenheit und Verzweiflung, die Nosferatu treibt, war eigentlich das Thema des Filmes, und daraus resultierte der Angsteffekt - weniger aus den Taten der Hauptfigur. Die Erotik wurde zu einem schmerzenden Begleitumstand, denn der Untote lebt sie völlig anders. Als der Vampir die verfolgte Frau endlich besitzen kann, streift er ihr das Kleid über einen Schenkel hoch, als Symbol für sexuellen Besitz. Dann gräbt er ihr die Zähne in die Schlagader. Interessanterweise trägt dieser Nosferatu die Vampirzähne nebeneinander in der Kiefermitte. Das ist ungewöhnlich für einen Filmvampir, dessen "Werkzeuge" verlängerte Eckzähne sind.

Diese Leidensoper mit Klaus Kinski veränderte das Genre völlig. Francis Ford Coppola gelang 1992 mit "Bram Stoker's Dracula" ein regelrechtes Epos. Erstmals wurde die Geschichte des Vampirs erzählt, welche sich auf die Erlebnisse des einstmaligen Grafen bezogen, der unter schrecklichen Umständen seine geliebte Frau verlor. Der Vampir gewann an Hintergrund, er wurde zu einer tragischen Figur und trotz seiner Taten ein Sympathieträger. Der opulente Film war ein Meilenstein in der Geschichte der Vampirfilme.

In den sechziger Jahren hatte Roman Polanski mit "Tanz der Vampire" eine Komödie gedreht, die auch heute noch Kultstatus besitzt. Sein Vampir (Ferdy Mayne) war nach alter Tradition ein weißhaariger, äußerst kultivierter Adliger, der in seinem Schloss in den Karpaten lebte. Die Kombination aus Grüften, Särgen, Blut und umwerfender Komik war ein einzigartiger Glücksgriff. Diesen Film hat man entweder überhaupt nicht oder aber mehrere Male gesehen und sich jedes Mal köstlich amüsiert.

Und es ist kaum verwunderlich, dass auch Hollywoods Meister der Komödie sich am flatternden Cape des langzähnigen Blaublüters vergriff. Mel Brooks Adaption lässt das Blut in den Adern erstarren ... allerdings vor Lachen. Leslie Nielsen als weißhaariger Vampir mit eingebautem Fettnapfsuchgerät ist ein absolutes Muss für Fans des Genres.

Aber das Image der Sargbewohner änderte sich wiederum, denn seit sie tragische Helden geworden waren, durften sie mit der Zeit auch zu den guten Jungs gehören. So spielte Eddy Murphy einen sehr attraktiven Vampir in einem unterhaltsamen Streifen. Die Filmindustrie kreierte sogar eine neue Spezies: Die Halbvampire. Aus ihnen wurden Helden, die sich zum Guten bekannten und ihre Vettern bekämpften, wo sie konnten. Nun war ein Vampir nicht mehr zwingend böse, sondern konnte auch auf der anderen Seite stehen.

Es gibt eine Komödie mit David Carradine als Erzvampir, in dem sich eine Gruppe von Untoten in die Wüste zurückzieht und von Kunstblut lebt. Ziel ist es, irgendwann einmal wieder unter Menschen leben zu können. Die Problematik des Sonnenlichtes löst man in der Kolonie mit dunklen Brillen. Als ein sterblicher Junge sich in eine hübsche und nette Vampirin verliebt, ist beste Unterhaltung angesagt. Mittlerweile also bibbert niemand mehr bei einem Kino- oder Fernsehabend mit den langzähnigen Akteuren - außer vielleicht vor Angst, dass die fiesen Jäger mit den Holzpflöcken den Sarg des Helden finden könnten.

Die neuesten Filmproduktionen zeigen, dass Vampirismus hocherotisch und romantisch ist, denn es wimmelt von gut aussehenden Blutsaugern, die sich gegenseitig bekämpfen, Kriege gegen Werwölfe führen (beide Spezies sind absolut nicht kompatibel) und sich ebenso wie die Nichtvampire verlieben. Und die Kombination "Vampir/in liebt Nichtvampir/in" ist mit Sicherheit noch für viele dramatische und hochromantische Verwicklungen gut.

Seit Serien wie "Buffy", in denen alle Akteure wie Absolventen der High School aussehen, und zwar solche, die nebenbei als Model arbeiten, und von den Zuschauern geradezu verschlungen werden, sind die Untoten gesellschaftsfähig geworden. Das bisschen spitzer Eckzahn würde von den meisten Eltern als unwesentlich angesehen, wo der Schwiegersohn doch so attraktiv und nett ist.

Wenn dieser Trend bleibt, werden Millionen romantischer Teenies in der Welt glauben, dass man tot sein muss, um sich so richtig verknallen zu können. Es scheint, als haben die Nachfahren des Fürsten Dracula ein wenig ihren Biss verloren. PR

© "Biss aufs Blut: Horror - Vampire - Dracula" - ein Textbeitrag von , 2010. Bildnachweis: pixabay.com, CC0 (Public Domain Lizenz)

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