Sandstrahlen: Jeans und der Trend zum Tod

Schaufensterpuppen mit Jeans

Es ist nichts Neues, dass Menschen ihr Leben riskieren müssen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Bergleute oder auch Bauhandwerker sind solche Berufsstände, die mit einem erhöhten Risiko rechnen müssen. Ebenso üben Schwamm- und Perlentaucher einen Gefahrenberuf aus und haben eine verkürzte Lebenserwartung. Das gilt auch für die Amas, die japanischen Taucherinnen, die in bis zu dreißig Metern Tiefe nach Muscheln oder Schnecken tauchen.

Mittlerweile wissen auch die meisten, wie gefährlich der Umgang mit hochgiftigen Materialien wie Asbest oder gewissen Chemikalien sein kann, obwohl es lange dauerte, bis man einen Zusammenhang zwischen den drastisch überhöhten Krankheits- und Todesfällen sehen wollte. Erst seit 2005 ist Asbest in der Europäischen Union verboten und die Sicherheitsvorkehrungen im Umgang mit gefährlichen Stoffen werden hierzulande recht ernst genommen.

Doch es gibt immer noch ein äußerst ungesundes Verfahren, das in der Textilindustrie angewendet wird. Es handelt sich hier um das Sandstrahlen, das dazu benutzt wird, um Jeans den begehrten Touch des "Getragenseins" zu verleihen. Die Arbeiter, die mit dieser Arbeit befasst sind, leben sehr gefährlich - nach den bekannt gewordenen Zahlen bekommen fast die Hälfte Silikose, eine Krankheit, die auch unter dem Namen "Staublunge" bekannt ist.

Vor allem in der Türkei wurden diese besonderen Jeans hergestellt. Dort hat das Verfahren schlimmes unter den Textilarbeitern angerichtet. Seit dem Jahre 2009 ist es nun verboten, doch in Ländern wie Bangladesch, Ägypten, China oder Pakistan werden immer noch auf diese Weise Jeans behandelt. Unnötig zu sagen, dass die Menschen dort meist auf die gefährliche Arbeit angewiesen sind und ein Verbot wohl auch kaum durchsetzbar ist.

Die fast schizoide Art des Konsums in der westlichen Welt treibt immer sonderbarere Blüten - neu muss es zwar sein, denn Secondhand-Klamotten sind nur bedingt akzeptabel, aber getragen muss die Jeans bitteschön aussehen. Ein Kleidungsstück soll diesen "von der älteren Schwester vererbten" Touch haben, muss aber trotzdem brandneu sein.

Das einzige, was hier greift, ist der Verzicht auf Textilien, die mit Sandstrahler behandelt werden. Die Nachfrage muss nicht sinken, sie muss völlig verschwinden. Dadurch gibt es zwar viele Jobs weniger, aber für die Verhältnisse in einigen der genannten Länder ist eine solch schwere Krankheit eine Katastrophe für die Familie.

Warum auch immer dieser sonderbare Modeausfall so viel Zuspruch hat, es wird Zeit, dass er wieder ebenso schnell verschwindet, wie er aufgetaucht ist. Eine ganz neue und unbehandelte Jeans sieht aus wie gerade eingekauft, aber das gibt sich mit der Zeit ganz bestimmt. Und selbst wenn das ein wenig länger dauern sollte - das Teil schon so abgetragen vom Bügel im Laden nehmen zu können ist mit Sicherheit keine kranken Menschen wert.

Das Problem hierzulande ist leider, dass die Verbraucher ziemlich genau wissen, wem sie die billigen Shirts und Pullover verdanken, nämlich den oft zu jungen und zu schlecht bezahlten Arbeitern aus der Dritten Welt. Viele Menschen müssen diese Waren kaufen, weil es nicht anders geht, und sie fühlen sich nicht gerade wohl dabei. - Doch im Falle der modischen Jeans sieht es anders aus, denn es geht hier nicht nur um Billigware, sondern bezieht sich auch auf die teuren Labels. Wie auch immer, es ist nicht ganz so wichtig, was man trägt, sondern wie man es trägt. Das ist keine Binsenweisheit, sondern eine Tatsache, wenngleich auch eine, die von der gigantischen Modeindustrie nicht so gerne gehört wird.

Zeigen wir also Verantwortungsgefühl und lassen wir die Pseudofetzen einfach hängen - wahrscheinlich reagieren die Trendmacher sogar und propagieren für das Frühjahr indigoschimmernde Jeans, die aussehen, als seien sie gerade eben geschneidert worden. Jeans

© "Sandstrahlen: Jeans und der Trend zum Tod" - ein Textbeitrag von , 2010. Bildnachweis: Schaufensterpuppen mit Jeans, Creative Commons-Lizenz

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