Verwirrt in Hamburg ... und jede Menge Stress

Kurzgeschichte von Monika Schüler

Hamburg bei Nacht

Nach endlos harten Jahren eine Scheidung. Jede Menge Stress, die sich immer häufenden Erschöpfungszustände, und der dringende Rat ihres Arztes hatten gesiegt. Es wurde Zeit, etwas in ihrem Leben zu verändern. Die Hälfte davon hatte Larissa schließlich schon hinter sich, bisher hatte sie immer nur an andere gedacht. Sich selbst hatte sie dabei völlig vergessen. Öde vergingen die Tage. Sie war nur noch deprimiert.

Ein Urlaub erschien ihr jetzt die einzige Rettung. Sie wollte endlich wieder zu sich finden. Vor ein paar Tagen hatte ihr eine Freundin von Hamburg erzählt, und wie toll sie es dort fand. Ja, dachte sie: "Hamburg!" könnte ihr gefallen. Gesagt, getan, gebucht. Ihr erster richtiger Urlaub seit neun langen Jahren.

Acht Tage lang ... würde Larissa Hamburg genießen. Acht Tage. Absolut stressfrei. Vergnügen und verwöhnen pur ... Unter lauter netten, fröhlich, entspannten Leuten. Sie hatte schwer dafür kämpfen müssen, für jeden einzelnen dieser Tage. Sie würde all die Sorgen vergessen und frisch und frei, mit viel neuer Kraft zurückkommen. Larissa lächelte.

Und sie lächelte ... als sie früh morgens um vier, endlich in der Halle des Flughafens stand. Nach dreistündiger Wartezeit nun durch die Sicherheitskontrolle ging. Jede Menge Menschen mit riesigen Taschen sich durch den verstopften Gang quetschten. Sie sich zu guter letzt den Weg zu ihrem Platz bahnte.

Und schließlich auf dem mit weißen lederbezogenen Sitz der Lufthansa landete. Nach etwa einer Flugstunde, einem Drink inklusive, landete die Maschine dann auch schon in Hamburg. "Hurra!" rief sie. "Ich bin da." Draußen, warteten all diese Typen, die sie in ihr Taxi bekommen wollten.

Ein Schwarzer stieg aus, und ohne zu fragen schnappte er sich ihren Koffer. Zaghaft, sagte sie: "Crowne Plazza!" bitte. Sie fragte sich, ob er dies überhaupt gehört hatte? Während der ganzen Fahrt blieb er stumm wie ein Fisch. Das einzige was sie sah, waren seine Augen im Rückspiegel. Groß, schwarz, und sanft ... ein seltsames Gefühl beschlich sie. Er schien ihren Blick bemerkt zu haben, denn sein Mund verzog sich wahrhaftig zu einem leisen Lächeln. Sie dachte, hmm ... süßes Lächeln.

Larissa merkte, dass sie ihn immer noch anstarrte. Und sie merkte auch die Röte, die ihr ins Gesicht schoss. Nach etwa zwanzig Minuten standen sie wirklich vor dem Plazza. Der Fahrer stieg aus und holte schweigsam ihren Koffer heraus. Larissa dankte ihm, zahlte und gab ihm ein Trinkgeld. Vor dem Hotel war es still, die gemütlichen Tische luden zum Sitzen ein. An der Rezeption gab man ihr den Schlüssel und wies ihr den Weg zu ihrem Zimmer. Jetzt nur noch schlafen, mehr wollte sie im Moment nicht. Das frühe Aufstehen und die vielen neuen Eindrücke hatten sie geschafft.

Larissa streifte ihre Schuhe ab und ließ sich aufs Bett plumpsen. Als sie nach zwei Stunden, tiefem Schlaf erwachte, war es bereits 13:00 Uhr. Sie merkte, dass sie mächtig Hunger hatte. Sie wollte ein nettes Lokal finden, denn irgendwie brauchte sie jetzt feste Nahrung. In der Halle war es seltsam still.

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Draußen standen noch immer jede Menge Taxen herum, die auf ihre Beute lauerten. Unorientiert lief Larissa durch Hamburgs Strassen. Plötzlich hielt neben ihr ein Taxi. Larissa sah in große schwarze, sanfte Augen.

Und da war es wieder, dieses Lächeln - das ihr eine Gänsehaut verschaffte. Sie lächelte zurück, und lief weiter. Konfus, wie sie war, wäre sie beinahe an dem Lokal vorbei gelaufen. Larissa trat ein, setzte sich ans Fenster, und studierte die Karte. Sie bestellte sich Fisch und Kartoffelecken. Es schmeckte köstlich, und gleich ging es ihr viel besser. Sie zahlte und ging.

Draußen erwartete sie herrliches Wetter, wunderbar warm, ein leichter Nordwind zerzauste ihr rotes, langes Haar. "Wie schön", dachte sie, "Das ist Urlaub." Doch urplötzlich, tauchten vor ihrem inneren Auge all die Probleme von Zuhause auf. Aber da war noch etwas, große schwarze sanfte Augen, und das schönste Lächeln, das sie jemals gesehen hatte.

Es fegte den Alltag beiseite, als ob es ihn nie gegeben hätte. Sie fühlte die Schmetterlinge, die sich ihren Weg Richtung Bauch bahnten. Aber auch noch andere Gefühle schlichen sich ein, Wut und Ärger. Was tat sie da bloß, weshalb war sie eigentlich hierher gefahren? Um noch ein Problem mehr zu bekommen? Und überhaupt, dachte sie trotzig. "Was bin ich denn? Ein pubertierender Teenager? Oder was? Schluss damit", dachte sie. Aber dann, wie aus dem Nichts, sah sie in zwei große schwarze Augen. Er lehnte lässig an der Mauer, und grinste sie jungenhaft an.

"Hi, ich bin Caleb! Hast du vielleicht Lust, auf einen Kaffee oder so?" fragte er.

Alle guten Vorsätze waren vergessen. Die Hitze kroch ihr über die Wangen. "Hi! Larissa!" sagte sie, und grinste zurück. Sie dachte verschmitzt, er kann ja sprechen. Seine Stimme war weich, und beruhigend.

"Und? Möchtest du nun was trinken gehen?" fragte er nochmal. Leise hörte sie sich sagen. "Ja! Gerne", und errötete. War sie denn von allen guten Geistern verlassen, schimpfte sie sich, und folgte ihm. In einem gemütlichem Pub bestellte Caleb zwei Capuccino. Er erzählte ihr von Afrika, und wie er nach Hamburg kam, dass er aber schon lange hier wohnte.

Gebannt hingen ihre Augen an seinen Lippen. Gefangen von seiner Geschichte, ergriff sie plötzlich ein Gefühl von Freiheit. Caleb kutschierte sie durch halb Hamburg. An den Landungsbrücken hielt er an. Hand in Hand, schauten sie den Schiffen zu. Seine Hand fühlte sich gut an. Warm, samtig, und doch fest. Es war schon weit nach Mitternacht, als er sie zurückbrachte. Er zog sie zu sich heran und flüsterte: "Glaubst du an Schicksal?" Dann küsste er sie.

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Larissa fand keine Worte - sie wusste nur, sie musste jetzt dringend auf ihr Zimmer. Sie war verwirrt, alles kam ihr so unwirklich vor. Larissa schaute sich um, ob es wohl jemand gesehen hatte? Sie fühlte sich irgendwie schlecht. Der Portier hinter dem Tresen lächelte und nickte ihr zu. Larissa grüßte zurück. Wie gehetzt lief sie auf ihr Zimmer, schmiss sich auf das Bett und schluchzte. An Schlaf, war vorerst nicht zu denken. Was tat sie da eigentlich? Sie kannte ihn doch gar nicht.

Immer wieder spukten seine Augen in ihrem Kopf herum. Und überhaupt war er irgendwie ganz anders - als alle anderen, die sie kannte. Er konnte witzig und doch ernst sein. Er sah gut aus. Viel zu gut. Mit dem Gedanken schlief sie dann endlich ein. Es war bereits neun, als sie aufwachte. Doch sie mochte noch nicht einmal ihr heißgeliebtes Frühstück. Larissa lief kopflos Richtung Ausgang, sie wollte einfach nur einen klaren Kopf bekommen. Kaum, dass sie ihren Fuß vor die Tür gesetzt hatte, sah sie Caleb - am Taxi gelehnt. Larissas Knie wurden weich, und das Herz schlug ihr bis zum Hals.

"Hi!" sagte er mit zuckersüßem Ton. "Haste Lust auf eine Tour?" "Musst du nicht arbeiten?" fragte Larissa. "Nein, hab mir frei genommen für dich", grinste er.

Larissa wurde schon wieder rot, und sie hasste sich dafür. Und überhaupt, fragte sie sich schon zum wievielten Male, was ist das nur für ein Traum. Und sie stieg ins Taxi, und schwieg die ganze Zeit. Caleb, kniff sie leicht am Arm. Er hatte angehalten, sie hatte es noch nicht einmal bemerkt.

"Hee, was ist los mit dir?" fragte er besorgt. "Ach weißt du", druckste sie herum. Sie wusste es ja selbst nicht genau, was sollte sie ihm sagen? Das sie völlig konfus war ... und das ihre Gefühle viel tiefer waren, als sie gedacht hatte. Er sah sie immer noch wartend an.

"Ach, es ist nichts, es liegt nicht an dir", stotterte sie. Irgendwie wurde sie wütend auf sich, es war weder richtig, noch gelogen. Caleb schnaufte auf. "Ich dachte schon, ich hätte etwas getan, was dich geärgert hat, oder das du mich nicht mehr sehen willst." Er zog sie zu sich und küsste sie.

Caleb stand nun jeden Morgen vor dem Hotel und wartete auf sie. Er zeigte ihr Hamburg bei Tag - und Hamburg bei Nacht. Und Larissa lächelte, als sie schon längst im Flieger saß. Vielleicht waren die Dinge ja gar nicht so kompliziert, sondern ganz einfach, dachte sie.

Larissa war sicher, sie würden sich wieder sehen. Caleb versprach fest, als er sie zum Abschied küsste, sie zu besuchen. So oft wie möglich, und dass er sie nie vergessen könne.

Larissa glaubte ihm. Sie hatte alle Zweifel über Bord geworfen. War das nicht Liebe, was sie durchflutete? Und sie lächelte.

© "Verwirrt in Hamburg" - Kurzgeschichte von Monika Schüler; Bildnachweis: pixabay.com, CC0 (Public Domain Lizenz)

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