Der Wahrnehmungsterror

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Stop Terror

(November 2010)   Abzusehen war das Ganze ja nun schon, denn sobald ein öffentlicher Zug anfährt, springen die Trittbrettfahrer auf. Ein wenig Aufmerksamkeit ist dabei natürlich immer drin und man hat auch eine Menge Spaß dabei. Großer Aufwand muss ja nicht betrieben werden, denn nach den jüngsten Warnungen der Regierung sind herrenlose Koffer, Schachteln und Tüten in den Brennpunkt des Interesses gerückt.

Man nehme also eine Tasche oder einen Karton, packe irgendetwas Schweres hinein und platziere dieses Teil an einem Ort, wo es garantiert ins Auge fällt. Und da alle Ausschau halten nach solchen verdächtigen Behältnissen, ist eine Mordsgaudi gewiss. Die betreffend geschulten Einheiten rücken an und für Unterhaltung ist gesorgt - auf Kosten der Steuerzahler wahrscheinlich.

Aber es muss nicht unbedingt Absicht sein, denn die meisten Menschen haben schon einmal irgendwo etwas vergessen, meist den Regenschirm in der Telefonzelle zwar - aber manchmal eben auch eine Tasche oder Tüte, die dann einsam auf einer Parkbank oder im Bus lag. Dieser Tage nun kann eine solche Unachtsamkeit zu einem regelrechten Fall werden, denn da die Bürger sich die Empfehlungen des Innenministers sehr zu Herzen nahmen, wird mit Argusaugen nach verdächtigen Dingen Ausschau gehalten. Und deren gibt es viele.

Wo man früher Sperrmüll sah oder Kartons, die auf der blauen Tonne lagen, wittert man nun Bomben oder Sprengsätze. "Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig die 110 gewählt", hört man allenthalben - aber viele denken bei all der Aufregung an das Märchen von Peter und dem Wolf. Die Geschichte von den falschen Alarmen, die letztendlich nichts Gutes bewirkt hatten, ist jedermann bekannt - heute könnte es vielleicht Lothar und die Turbane heißen. Das verzwickte an der Sache ist die tatsächlich existierende Bedrohung, die allerdings jetzt nicht stärker geworden ist als vorher. Sympathisanten des Terrors gibt es in unserem Lande zuhauf, und das nicht erst seit dem elften September 2001.

Die Terrorhysterie kennen wir auch aus den 1970er-Jahren, in denen uns die allgemeine Angst einige sehr interessante Gesetzesänderungen bescherte und so gesehen zum Glücksfall für die Regierung wurde. Die geschürte Angst als Machtinstrument ist ein sehr häufig angewendetes Mittel, um die eine oder andere Maßnahme am Freiheitsempfinden der Bürger vorbeizuschleusen, hierzulande wie anderswo. Und wie man weiß, stellt ein guter Bürger seinen Fokus jeweils auf die bestehende Situation oder besser gesagt, auf das vorgegebene Feindbild ein.

In der Arena der innenpolitischen Differenzen ist der Nutzen einer Ausnahmesituation (selbst gebastelt oder real) praktisch unbezahlbar. Sobald Schuldige gesucht werden, ist sicher, dass letztendlich auch welche gefunden werden - wobei es gar nicht wirklich um Tatsachen geht, sondern einfach darum, wer wem welches Versagen vorwerfen kann. Das ist das eigentlich Gefährliche am Terror - nämlich, dass er alles verändert, aber nicht zum Guten, selbst wenn nichts explodiert. Opfer gibt es so gesehen immer, denn auf der Strecke bleibt so manches, wenn mal wieder eine "Sau durchs Dorf getrieben" wurde.

Zwar ist ein "real existierender" Anschlag nicht auszuschließen ... aber mit Sicherheit nicht flächendeckend, was das Land betrifft. Bewahren wir also die Ruhe, das hat uns schon durch die Schweine- und Hühnergrippe sowie andere Pandemien geholfen. Der Satz "Ruhe ist die erste Bürgerpflicht" findet hier so richtig seine Berechtigung und sollte allerdings auch auf Politiker angewendet werden. Ausnahmesituation

© "Der Wahrnehmungsterror" - ein Textbeitrag von , 2010. Bildnachweis: Stop Terror, CC0 (Public Domain Lizenz)

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