Silvester - Karriere eines Waldmenschen

Silvester

Die Bedeutung des Wortes Silvester ist eben die: Waldmensch, denn "Silva" bedeutet "Wald" im Lateinischen. Wer fragt, was das mit den Festivitäten zum Jahresende zu tun hat, erfährt, dass der Gregorianische Kalender anno 1582 den letzten Tag des Jahres auf den Todestag des Papstes Silvester (†335) verlegt hatte, welcher vorher am 24. Dezember war. Dieser Tag bezeichnete den Abschluss des Kalenderjahres und wurde vielerorts feierlich begangen.

Dass man den abgeschlossenen Zyklus des Jahres - oder vielmehr den Neuanfang des Kreislaufes - festlich begeht, ist eine uralte Tradition, deren Wurzeln weit in der Vergangenheit liegen, doch hat das festgesetzte Ende des Geschäftsjahres vordergründig gesehen nicht viel damit zu tun. Aber die Silvesterbräuche stehen in ihrer Festgefügtheit denen zu Weihnachten in nichts nach, denn alle Jahre wieder zieht an diesem besonderen Abend der Duft von Punsch und Glühwein in dichten Schwaden durch die Straßen und löst die anderen Aromen ab, die von den traditionellen Speisen herrühren.

Diese variieren von Gegend zu Gegend, aber eines der beliebtesten Gerichte für diesen Tag ist nun einmal das Sauerkraut mit den dazugehörigen schweinernen Einlagen. Davon wird meist nicht abgegangen, auch wenn das eine oder andere Familienmitglied da etwas zurückhaltender zugreift.

Die Hauptsache an diesem Abend ist aber mit Sicherheit der berühmte Silvesterpunsch, der meist nach ererbtem Rezept selber hergestellt wird. Das gilt auch für den Glühwein, den eigentlich nur Ignoranten fertig in Flaschen kaufen, wie die Meinung hartgesottener Silvestianer lautet. Eine Ausnahme bildet da nur der Kinderpunsch aus Beerensäften, der darf gekauft werden.

Guter Rotwein mit vielerlei Gewürzen wie Zimt und Nelken, gesüßt mit dunklem Kandis oder auch Rohrzucker verbreitet allein schon durch seinen Duft die richtige Stimmung. Hier und da gibt es furchtlose Spezialisten, die dem brodelnden Gemisch außer Orangen- und Zitronenscheiben auch ein Gläschen Rum oder Kirschlikör zusetzen. Der prozentuale Anteil dieses Zusatzes liegt im Ermessen des Zubereiters und richtet sich vor allem nach der Intensität der Silvesterparty. Die nämlich soll ausgelassen und lustig sein, vor allem aber laut. Das rührt noch aus den Zeiten her, in denen es galt, Dämonen oder böswillige Geister auszutreiben oder fernzuhalten und findet den Höhepunkt in den unzähligen Feuerwerken verschiedener Größe, die um Mitternacht den Himmel zu einem Kunstwerk und die Ohren zu gequälten Sinnen machen.

Je jünger die Teilnehmer an diesem Gaudium, desto lauter die Vergnügungen. Mit zunehmendem Alter legt man weniger auf Krach, sondern mehr auf die Farbenpracht funkensprühender Raketen wert. Nachbarschaft wird in dieser Nacht am Jahresende wieder real erlebbar, weil sich die ganzen Familien vor den Haustüren treffen, um ihren Teil beizutragen. So kurz nach Weihnachten ist das Abenteuer der Silvesternacht eine herrliche Dreingabe für die Kinder, aber die Erwachsenen sind mit dem Anzünden der Böller und dem Errichten der Startbasen für Raketen ebenso eifrig. Es ist eben eine Riesengaudi - eine, die vorerst die Feierlichkeiten des Winters beschließt.

Bräuche wie Bleigießen, und vor allem das sekundengenaue Anstoßen mit der speziellen Flasche Sekt, werden eifrig gepflegt - und dank der Funkuhren war es nie so punktsicher wie heute. Eine weitere viel verbreitete Sitte ist das "Vorsätze für das neue Jahr" verkünden. Vom Einschränken des Rauchens über das Abnehmen mehrerer Kilos bis hin zum besseren Umgang mit der knapp bemessenen Zeit ist alles geboten - und dann wird in etwa vier Wochen den Versprechungen wehmütig gedacht und eine Zigarette aus der Schachtel oder ein Bonbon aus der Hülle gezogen ... es gehört einfach dazu.

Natürlich gibt es auch Silvestergegner - das sind oft Hundehalter, die alle Hände voll zu tun haben, damit Bello nicht kollabiert vor Angst. Gassi gehen ist erst längere Zeit nach Mitternacht möglich, und man verspürt dann ebenso wie der Hund ein Brennen in den Augen sowie starken Hustenreiz. Die Nachtluft ist noch bis zum Morgengrauen mit Pulvergeruch geschwängert. Katzenbesitzer haben diese Probleme meist nicht, denn die Taschentiger nehmen das Getöse in bewundernswerter Haltung hin oder sitzen sogar beobachtend am Fenster, wenn es draußen laut und bunt zugeht, so wie es sich für gewesene Gottheiten auch geziemt.

Aber wie auch immer - unsere eigenen bösen Geister werden wir durch die Böller nicht lange vertreiben können, und der gute Vorsatz für das nächste Jahr könnte schlicht und einfach sein, dass wir das Gute ein wenig besser machen und das Schlechte einfach sein lassen. Für diese Überlegung braucht es keinen Anlass, denn Silvester ist tatsächlich nur das Ende des Kalenderjahres und nicht der Beginn einer neuen Ära - aber Spaß machen soll es schon, denn schließlich ist ein Grund zum ausgelassenen kollektiven Feiern etwas Verbindendes. In diesem Sinne ein glückliches Neues Jahr! PR

© "Silvester - Karriere eines Waldmenschen" - Text und Foto: , 2010.

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