Poesie von Sylvia Amstadt - Noch immer / Kind der Regentage
Noch immer
Noch immer
ist mir die Nacht
zu schwarz
und ihre tröstenden
Schatten darin
genauso weit entfernt
wie die Sterne vom Tag...
denn jeder Trost
und jedes Mitgefühl
erscheint mir irgendwie
nur im Tiefschlaf,
noch immer
weiß man im Realen
also leider nicht
wohin damit...
warum und wofür...
Noch immer
teilt sich also
lieber keiner mit,
bevor er etwas
falsches teilt,
fühlt oder sagt...
noch immer
sehnt sich
die Geborgenheit
also nicht nur
nach mir...
trotzdem aber
entwickelt sich hier
alles weiter
und entwickelt mich mit
in dieses Nichts
in welchem
meine Liebe für sie
nicht nützlich
genug bleibt...
Noch immer
frag ich mich deshalb,
weshalb
sie sich eigentlich
mit solch einer Leichtigkeit
als meine
Mitmenschen
bezeichnen,
wenn sie doch lieber
nur für sich
und mit ihren
großen Problemen
alleine bleiben...
Noch immer
frag ich mich deshalb
weshalb
sie eigentlich
so etwas
wie Grundbedingungen
studieren.,
und ständig
ihre Überlebenschancen
für die nicht wirklich
gelebte und mögliche
Nächstenliebe
analysieren...
noch immer
such ich auch
vergeblich das Land
in das sie ihr
gemeinsames Interesse,
ihre Menschlichkeit
und ihr Schutzbedürfnis
abschieben,
und noch immer
fehlt mir
überall der Frieden
um mir keine Sorgen
oder zumindest weniger
machen zu müssen.
Noch immer regnet
auch die Unsicherheit
und dieses täglich
garantierte Vermissen
auf mich nieder,
wenn mich bereits
beim Frühstück
die Nachrichtensprecher
mit ihren
Kriegsberichten
begrüßen...
und noch immer
will ich
dann
gar nicht mehr wissen,
wie sehr
wir schon
verloren sind.
Kind der Regentage
Da stand es
nicht wirklich freiwillig
mit seinen Fragezeichen
mittendrin
im nichtssagenden Wind
und dennoch bereit
Antworten zu finden...
Da trug es sich
dann allein
durch die Straßen,
die von Beginn an
zu menschenleer waren,
und nur vom eigenen
Schatten begleitet...
Da atmete es weinend
seine ungewisse
Zukunft ein,
kämpfte einsam
für sich weiter
und schrieb schließlich
nach 13 Jahren
für sich selbst:
Kind der
Regentage
malte mit
Regenbogenfarbe
13 Jahre lang
seine Worte
als Hilfeschrei
in die Welt.
Das Buch
Sylvia Amstadts erstes Buch "Capital Wor(l)ds - Gesellschaft mit beschränkter Hoffnung" erschien im August 2009 beim Novum Verlag (ISBN: 978-3-85022-869-5)
Weitere Informationen / Leseproben von Sylvia Amstadt:
- Sylvia Amstadt - Schreiben als Lebensaufgabe
- Poesie: Freischwimmer / Lachende Erwachsene
- Poesie: Mensch im Netz / Schwerelos
© Mit freundlicher Genehmigung der Autorin Sylvia Amstadt für Pressenet
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