Tarot - Die Karte Neun: Schwerter und Stäbe

Tarotkarten und deren Bedeutung

Neun der Schwerter

Das kennt jeder: Gerade hat man sich endlich nach einem harten Tag ins Bett gelegt und will einfach nur noch schlafen, da versammeln sie sich regelrecht - die schlimmen Gedanken. Alles, was tagsüber nicht zum Zuge kam, weil man abgelenkt oder beansprucht war, fällt jetzt geradezu über einen her.

Es ist, als wenn die Ängste und Sorgen eine Gedächtnisparty feiern wollten. Mit dem Schlafen ist es dann erst einmal nichts - anstatt sich zu entspannen, wälzt man stundenlang Probleme, bis man die richtige Bühne für bedrückende Träume geschaffen hat.

Die Neun der Schwerter des Rider-Waite-Tarot zeigt ein Bild in beeindruckender Klarheit: Ein Mensch sitzt mit in den Händen vergrabenem Gesicht im Bett, über ihm bilden neun Klingen ein regelrechtes Gitter, gewissermaßen jeweils am Heft miteinander verhakt. Hier ist jemand im Käfig der schweren Gedanken - der Probleme - gefangen und sieht keinen Ausweg.

Ein Teufelskreis ist in Gang gebracht - die notwendige Ruhe fehlt und hindert uns am nächsten Tag, hellwach unser Leben in die Hand zu nehmen. Zwar ist man dann erschöpft, aber sobald man mit sich alleine ist, lassen die Gedanken einen nicht wirklich ruhen. So wird das Leben zu einem Albtraum, selbst im Wachzustand. Was folgt, ist Verzweiflung - ein Kreis, der nur schwer zu durchbrechen ist.

Natürlich gibt es wirklich reale Sorgen, die einem den Schlaf rauben können - finanzielle Probleme oder auch Gefühlsangelegenheiten. Aber was wir tun, wenn wir sie "wälzen", ist nichts anderes, als sie noch größer zu machen als sie schon sind. Die Vorstellungskraft ist ein Segen für die Menschen, sie kann aber auch ein sehr moderates Werkzeug zur Selbstquälerei sein. Denn so manches, das wir geradezu plastisch vor uns sehen, verhält sich in der Realität dann doch völlig anders.

Dazu als Beispiel die Geschichte vom Hammer: Ein Mann braucht dringend ein solches Werkzeug, hat aber keines zur Hand. Also macht er sich auf dem Weg zum Nachbarn, um sich einen Hammer zu borgen. Aber auf dem Weg befallen ihn Zweifel - er fängt an, sich vorzustellen, wie man auf seine Bitte reagieren wird und sieht die Angelegenheit immer negativer. Als er dann endlich an der Tür schellt und der Nachbar öffnet, blafft er ihn erbost an und schreit, dass er sich seinen vermaledeiten Hammer sonst wohin stecken könne.

Die Geschichte ist zwar komisch, hat aber einen beunruhigenden wahren Kern - denn wie oft hat man sich schon eine Realität zusammengezimmert und damit völlig danebengelegen. Wenn diese Karte erscheint, ist sie vor allem ein Weckruf. Es ist Zeit zum Aufwachen, bevor man sich zu tief verstrickt. Viele der Probleme und Ängste, die der verhinderte Schläfer auf dem Bild hat, sind nämlich hausgemacht und würden bei näherer Betrachtung verschwinden. Trotzdem darf man die Verzweiflung, die im Moment vorherrscht, nicht unterschätzen. Angst ist quälend, ob nun berechtigt oder nicht.

Wie viele Kinder denken nur mit Schaudern an das Schlafengehen, weil sie genau wissen, dass die Monster unter dem Bett sofort erscheinen, wenn das Licht ausgemacht wurde. Die Bedrohung ist für das Kind genau so real wie die Angst vor der Kündigung für den Erwachsenen - wird sie nicht ernst genommen, kommt es zu schlimmen Beeinträchtigungen. In der heutigen Zeit müssen wir uns über vieles Gedanken machen, das Leben ist trotz der Annehmlichkeiten, über die wir verfügen, nicht einfacher geworden. Die Problematik hat sich verändert - das ist alles.

Aufwachen heißt hier: Den Kreis zu durchbrechen und die Dinge in die Hand zu nehmen, die Traumbilder zerstieben lassen und da etwas ändern, wo es Not tut und sinnvoll ist. Die Karte kann aber auch auf ein schlechtes Gewissen oder Reue hindeuten, die uns nicht ruhen lassen. In diesem Fall wäre es an der Zeit, die Angelegenheit aus der Welt zu schaffen, bevor sie zum Monster wird.

Neun der Stäbe

Ein ähnliches Bild haben wir schon einmal gesehen: Die Stab-Sieben. Aber bei näherer Betrachtung sieht es hier doch anders aus ... düsterer und tatsächlich bedrohlicher. Der gezeigte Mann ist von Stäben umgeben, er trägt eine Binde um den Kopf und umklammert einen der Stäbe, sein Blick ist misstrauisch und abwehrend. Der Eindruck herrscht vor, dass dieser Mann sofort zum Kampf bereit ist, sollte er nur den allergeringsten Anlass dafür sehen.

Er hat sich zwar schon eine "blutige Nase" geholt, aber das hindert ihn keineswegs am Festhalten an seinen Vorstellungen. Versuchten wir, mit diesem Menschen ein Gespräch anzufangen und gütlich mit ihm zurechtzukommen, würden wir nicht weit kommen. Er ist nicht fähig, irgendetwas abgetrennt von Kampf oder Aggression zu sehen und wird dementsprechend reagieren. Er setzt seine große Energie nur dafür ein - am Konstruktiven liegt ihm nichts. Das ist weniger eine bewusste Entscheidung als eine Lebensauffassung - er ist nicht fähig, Vertrauen zu schenken oder zu glauben, dass er ohne Kampf zu irgendetwas kommen könnte.

Tatsächlich wird er gerade seines Kampfeswillens wegen nicht wirklich etwas erreichen, aber das nimmt er nicht wahr. Alle sind seine Feinde, alle wollen ihm schaden. Solche Zustände kennen wir: Es gibt Stunden, in denen wir das auch so sehen, vielleicht nach Enttäuschungen oder anderen Frustrationen. Das vergeht aber wieder und der Fokus stellt sich wieder normal ein. Normal bedeutet, es gibt tatsächlich Zeitgenossen, die gerne anderen wehtun, es gibt auch dumme und gedankenlose Menschen, die leicht etwas Schlimmes anrichten, allein durch ihre Lust am Gerede.

Es gibt auch durchaus Situationen, in denen eher Kampf als Dulden angesagt ist - aber all das ist nicht die Regel. Wir wissen das und reagieren auf die Situationen im Leben flexibel - und genau das kann der Mann auf der Karte nicht mehr. Er ist in seiner Vorstellung vom Leben gefangen. Erschwerend kommt hinzu, dass er das nicht weiß - er ist gefährlich nahe an dem Wahn, dass seine Einstellung völlig richtig ist.

Die Karte kann auch eine Situation bezeichnen - eine, in der andere Wege gegangen werden müssen. Ein völliges Umdenken ist hier gefragt - eine neue Weise, die eigene Energie einzusetzen. Es geht hier auch um Verantwortung und darum, dass jeder seinen Teil übernehmen muss. Es ist leider so, dass sich viele Erwachsene nie mit diesen Phrasen wie "Ich hab nichts getan ... das waren die anderen" oder "Ich hätte ja getan oder gewollt, die anderen haben mich aber daran gehindert" beschäftigen. Dieses Denken, bzw. diese Dauerausreden führen zu absolutem Stillstand - und zu dem, was auf der Karte gezeigt wird: Nämlich, dass der Standpunkt so gut wie nicht mehr verändert wird.

Es geht hier auch um Dinge wie Neurosen oder Zwangshandlungen. Erscheint das Arkanum, besteht dringender Handlungsbedarf oder die Handlungsweise eines bestimmten Menschen wird erklärt. Etwas muss dringend geändert werden: Die Sicht der Dinge oder auch die Situation. Hier fehlt jedes positive Element. Tarotkarten

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© "Die Karte Neun: Schwerter und Stäbe" - ein Textbeitrag von , 2010.

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