Achte PhantasieLeseprobe zu 'Die Sehnsucht nach der richtigen Welt' - von Tassilo Leitherer |
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Ich konzentriere mich auf die einzelnen Tropfen, wie sie am Boden zerplatzen. Sie versickern im Boden, verschwinden für immer. Sie erinnern mich an Träume. Träume, die ich mein Leben lang leben, die ich immer nur erleben wollte. Tausend Träume die vom Himmel herunterfallen und zerplatzen. Sie tun es den Regentropfen gleich, verschwinden für immer. Nichts bleibt von ihnen zurück, als ob es sie niemals gegeben hätte. Nur Erinnerungen bleiben. Doch auch diese verblassen mit der Zeit. Der Regen wird stärker, Trommelwirbel. Viele Träume, die zerplatzen, viele Träume, die für immer verschwinden. Ich versuche sie festzuhalten, doch sie zerrinnen in meinen Händen, wie der Regen, der durch meine Finger fließt. Leise Geräusche fallen in den Chor der Regentropfen ein. Es sind meine Tränen, die auf den Boden vor mir fallen. Auch sie zerplatzen und lösen sich auf. Träume, die mich verlassen - für immer, unwiederbringlich verloren. Alles vergeht - nichts ist von Bestand, Träume verfliegen, Erinnerungen verblassen. Bleibe ich der Gleiche? Wer sagt mir, dass es mir nicht auch irgendwann wie den Regentropfen gehen wird, ich meinen Träumen in die Unendlichkeit des Vergessens folgen werde. Wer sagt mir, dass ich nicht langsam verblasse, bis irgendwann nur noch ein verschwommenes Abbild meiner selbst zurückbleibt. Ein verzerrtes Spiegelbild, das mit dem, was ich einst gewesen bin, nicht viel mehr gemein hat, als eine ähnliche Hülle.
Der Regen wird leiser. Die Tropfen seltener. Gleichmäßig treffen sie nun auf die Erde, leise Geräusche dringen an mein Ohr, schläfern mich ein. Ich schließe die Augen. Träume. Die ganze Nacht. Warme Sonnenstrahlen in meinem Gesicht. Das Konzert des Regens ist längst verstummt, Vogelgezwitscher an dessen Stelle getreten. Ich öffne die Augen. Das helle Licht lässt mich blinzeln. Ein paar letzte Regentropfen verdunsten in einer Pfütze vor mir. Längst versiegt sind meine Tränen. Ich denke zurück an die vergangene Nacht. An den Regen, an all die verlorenen Träume. Mir kommt es vor, als hätte ich niemals zuvor einen Traum gehabt, keine Erinnerung die es wert wäre, sie nicht zu vergessen. Es ist mir egal, wie lange es dauert, bis meine Träume verschwinden. Unwichtig, wie lange sich die Welt an die Essenz, die ich zurücklasse, erinnern wird. Nur das Jetzt zählt. Die Sonnenstrahlen die meine Haut streicheln, die Vögel die fröhlich singen, der blaue Himmel. Das Gefühl zu leben, das Jetzt zu genießen, jeden Augenblick zu spüren, ihn mit allen Sinnen zu erfahren. Also lebe ich jeden Traum sofort, bevor dieser verblasst, am Boden zerplatzt, verschwindet, als hätte es ihn nie gegeben. Ich bin der Regen. Ein einzelner Tropfen. Ich falle durch die Wolken, mache mir keine Sorgen um den nächsten Morgen. Lebe im jetzt, Lebe jeden Traum. Bevor er, bevor ich zerplatze. Über den Autor: Geb. 1985, wuchs Tassilo Leitherer in Unterfranken auf. Der Autor absolviert in München ein Masterstudium im Medienmanagement und ist als Kommunikationsberater selbstständig. Im September 2009 erschien sein erstes Buch "Die Sehnsucht nach der richtigen Welt". Des Weiteren veröffentlichte Leitherer in regelmäßigen Abständen Gedichte und Kurzgeschichten sowie Essays in verschiedenen Anthologien und Gedichtbänden. Der Autor über sich: "Tassilo? Das ist doch die kleine Tasse mit Sprung aus Die Schöne und das Biest, oder?" So oder so ähnlich beginnen viele der Gespräche mit Menschen, denen ich meinen Namen verrate. Eine kleine Tasse mit Sprung - klein stimmt schon einmal nicht, ich bin über 1,90 m groß. Der Sprung kommt schon eher hin. Aber meistens wird das wirklich wesentliche vergessen: Tassilo war nicht nur die kleine Tasse mit Sprung, sondern ist auch der Nachfolgecomic von Asterix, in dem der Held Tassilo (ein furchtloser Ritter mit langen, roten Haaren) viele Gefahren bestehen muss, um die Erde vor dem Bösen zu retten. Dabei achtet er nicht auf sein eigenes Wohlergehen, sondern gibt sich voll und ganz seinen Idealen hin. Wortgewandt, kämpferisch und entschlossen wirft er sich scheinbar übermächtigen Feinden entgegen und scheut keine Gefahr. Fehlt eigentlich nur noch der Sprung... Mehr zum Autor: www.tassilo-leitherer.de © Mit freundlicher Genehmigung von Tassilo Leitherer für Pressenet Werden Sie Autor bei Pressenet und schreiben Sie Fachartikel. Info hier Hinweis: eBooks von Pressenet gibt es auf dem Portal xinxii.com. Bestellung auch direkt über uns möglich. |