Man soll Gleiches nicht mit Gleichem vergelten

Leseprobe der Autorin Ulla Schmid

Vergeltung

Margit Gehring beschließt von einem Tag auf den anderen, sich drei Wochen Urlaub zu nehmen und zu verreisen. Einfach mal rauskommen und was anderes erleben. Ziel ihrer Reise ist der Wiener Wald in Österreich. Schon während der Fahrt sticht ihr der höchst attraktive Busfahrer und Reiseleiter Harald Gollmann ins Auge. Und auch sie hat sein Interesse geweckt.

Doch auf ein Mal beginnt man über sie zu lästern und sie zu beleidigen. Auch Harald Gollmann scheint involviert zu sein. Da sie ihr Herz mittlerweile an den charmanten Busfahrer voll und ganz verloren hat, gibt sie sich nicht so einfach geschlagen und setzt einen folgenreichen Plan in die Tat um ...

Eines Morgens - es war gegen Ende der ersten Urlaubswoche - war es dann soweit. Die Attacke traf Margit mit voller Wucht. Sie schwor, dass sie vorher nichts bemerkt hatte, obwohl sie in diesen Dingen ein sehr feines Gespür besaß. Die Gruppe beratschlagte, was sie abends unternehmen wollte. Beim Vorschlag nach Gumpoldskirchen zu fahren, geriet sie ins Schwärmen und rief freudig: "Au ja, da wollte ich schon immer mal hin!"

Gerlinde sah sie kühl an und gab ihr freundlich lächelnd zu verstehen: "Weißt du, heute Abend wollen wir mal alleine etwas unternehmen."

Wie von einem Peitschenhieb getroffen zuckte sie zusammen und bemerkte das hämische Grinsen der anderen, ja auch Harald Gollmanns. Sie freuten sich riesig, sie so getroffen zu haben. Sie spürte, wie sie rot wurde, ihre Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen und sie musste sich sehr beherrschen, nicht zu weinen ob dieser schrecklichen Abfuhr. Sie hatte sich nie aufgedrängt und war nur am ersten Abend mit in diese Weinstube gegangen. Mit einiger Mühe fasste sie sich wieder.

"Na wartet, ich bin nicht auf euch angewiesen", dachte sie zynisch.

Am Tisch entstand eine lebhafte Unterhaltung. Sie beteiligte sich nicht daran, und auch das Verhalten Harald Gollmanns ließ sie wissen, dass er sich nicht nur nichts aus ihr machte, sondern sie einfach nicht leiden konnte. Er ließ sie im Stich. Es tat so weh, und doch war sie solches Verhalten schließlich gewohnt und sie hatte sich sehr gut im Griff. Zu der Enttäuschung nach der dreijährigen Beziehung fügte sie noch eine weitere hinzu. Wobei sie diese Enttäuschung schon nach einer Woche traf, was immerhin ein Vorteil den drei Jahren gegenüber war.

"Nun sei doch nicht gleich beleidigt und so ekelhaft!", tönte Gerlinde.

"Ich habe doch noch keinen Ton gesagt!", versuchte sich Margit zu verteidigen. Sie hätte es sich schenken können. Die anderen grinsten noch mehr, ja auch Harald Gollmann. Sie saß schweigsam beim Abendessen und vermied es, irgendeinen aus der Gruppe anzusehen. Ob Harald Gollmanns Blick auf ihr ruhte, wusste sie nicht. Es interessierte sie nicht, wirklich nicht. Sie schwärmten von Gumpoldskirchen, das sie heute Abend besuchen würden. Kam ihr der Lärm besonders schrecklich vor? Oder sie besonders schweigsam? Sie wusste, was sie heute Abend vorhatte.

In ihrem Zimmer tätigte sie mit ihrem Handy kurz ein Telefonat. Sie würde endlich Weihermüllers besuchen. Peter würde sie abholen. Sie überzeugte ihn, dass es besser wäre, wenn er sie wieder ins Hotel bringen würde. Sie würde ein Taxi nehmen. Die Aussicht auf diesen Abend ließ sie wieder etwas fröhlicher werden. Nach dem Abendessen hatte sie ihre schicksten Klamotten angezogen und sich besonders geschminkt. Die anderen waren schon mit dem hoteleigenen Bus auf dem Weg nach Gumpoldskirchen als das Taxi vorfuhr.

Der Abend bei Weihermüllers war unvergesslich. Sie bemerkten ihre niedergeschlagene Stimmung und forderten sie auf, den Grund dazu zu nennen. Sie erzählte ihnen nicht nur, wie die anderen sie ausgebootet hatten, sondern auch von Harald Gollmann. Weihermüllers grinsten breit und unterbreiteten ihr einen Plan. Sie war sofort Feuer und Flamme. Es schien allen Dreien ein riesengroßer Spaß zu sein, und sie dachten nicht im Traum daran, dass dieser Plan bald über ihre Kräfte gehen würde.

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© "Man soll Gleiches nicht mit Gleichem vergelten" - ein Beitrag von Autorin Ulla Schmid; Bildnachweis: pixabay.com, CC0 (Public Domain Lizenz)

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