Die Weihnachtsmaus

Eine Geschichte von Monika Schüler

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Maus
Das Klingeln des Telefons riss mich aus meinen schönsten Träumen. Schläfrig und mit belegter Stimme sagte ich: "Ja, Hallo."

Mit überfreundlicher Stimme fragte mich eine Dame: "Sind Sie Frau Jolanda Kessler?" Gereizt sagte ich: "Ja!"

"Dann haben wir eine Überraschung für Sie! Da Sie ein guter Kunde unseres Hauses sind und da Weihnachten ist, bekommen Sie Zehn Euro von uns geschenkt, wenn Sie jetzt etwas bei uns bestellen. Haben Sie Interesse daran?"

Wütend rief ich "Nein!" und schmiss den Hörer auf. Noch immer benommen schaute ich aus dem Dachfenster. Es regnete. Wie immer an Heiligabend, dachte ich - und quälte mich aus meinem gemütlichen Bett. Die Mädchen schliefen noch. Die Katze lag wie im Koma auf der Heizung.

Als erstes brauchte ich jetzt Kaffee. Ich stellte die Maschine an und ging ins Bad. Als ich gerade an meiner Tasse nippte, klingelte es an der Tür. Es war die Post mit einem Paket für den Nachbarn.

Ich geriet in Stress. Deshalb setze ich mich erst mal an den Tisch und zündete eine Kerze an, mit dem festen Willen, in Ruhe meinen Kaffee zu genießen. Ich dachte gerade an den Sinn von Weihnacht, als etwas meinen Gedankengang störte. Die Katze schlich schnurrend um meine Beine und schaute mich mit erwartungsvollen Augen an. Mein Wille war gebrochen. Ich stand auf, fütterte sie und ließ sie raus.

Ich kämpfte gerade mit den verstaubten Weihnachtskugeln, die sich ohne Widerrede dort aufhängen ließen, wo ich sie gerne sah, als meine Tochter im Hintergrund sagte: "Du Mama, wann gibt's denn Mittagessen?" Ich sah sie schmollend an.

"Man wird ja mal fragen dürfen oder?", sagte sie mürrisch und schlich davon.

"Nina", könntest du bitte mal den Müll wegbringen?", rief ich ihr nach.

"Wieso ich! Kann dass nicht Katja machen?", meckerte sie. Laut hörte ich die Tür ins Schloss fallen.

Ich hängte gerade die letzte Kugel auf und betrachtete zufrieden mein Werk, als es schon wieder an der Tür klingelte. Aus dem Radio ertönte gerade das Lied "Weihnacht, was bist du?" - das fragte ich mich in den letzten Jahren des Öfteren. Bevor ich noch ganz depressiv wurde, setzte ich mich erst einmal, zählte bis zehn und atmete tief durch.

Zum zweiten Mal versuchte ich mich in das Gefühl der Weihnachtsstimmung zu versetzen. Ich schloss meine Augen, nahm den Duft von ätherischem Öl in mir auf, ließ die Bilder von Schnee und Eisblumen vor meinem inneren Auge vorbeiziehen. Ein Gefühl von Harmonie, Frieden und Gemütlichkeit bereitete mir eine wohltuende Gänsehaut.

Gestärkt, mutig und optimistisch begab ich mich in die Küche. Etwas später stieg der Duft von gebratenem Fleisch, Rotkraut und Klößen in meine Nase, ich bekam plötzlich Hunger. Katja, meine Jüngste, schlief immer noch, ich rannte die steile Treppe nach oben.

"Katja, könntest du jetzt mal aufstehen? Essen ist fertig und Oma kommt auch gleich", rief ich etwas außer Atem.

Katja krächzte: "Mama, ich kann nicht aufstehen, mir ist ganz schlecht." Ich legte meine Hand auf ihre Stirn. "Oje, ich glaube du hast Fieber", sagte ich im weinerlichen Ton. 'Was mach ich jetzt bloß, mir bleibt aber auch gar nichts erspart', dachte ich verzweifelt. 'Frohe Weihnacht.'

Eine schrille Stimme holte mich aus meinen schmerzhaften Gedanken. "Jolanda, wo steckst du bloß!!! Was ist denn das für eine Begrüßung?"

"Mama, ich komme gleich runter, Katja ist krank", rief ich empört.

"Woher soll ich das denn wissen", sagte meine Mutter beleidigt.

"Mum, kannst du bitte in der Küche nach dem rechten sehen?", rief ich.

Ein markerschütternder Schrei drang nach oben. Ich rannte die Treppe runter. "Was ist denn los?", fragte ich gereizt.

"Iiiihhh, diese Katze... hat eine Maus rein gebracht, sie ist unter den Schuhschrank gerannt und sie sah entsetzlich aus!", ächzte sie.

"Mutter, nun beruhige dich doch endlich, wir werden die Maus schon finden, aber wir sollten zuerst etwas essen", beschwichtigte ich sie.

"Nein, Nein!!! Ich kriege so keinen Bissen runter", kreischte sie. Wir krabbelten alle auf dem Boden herum, aber die Maus war mit keinem Auge zu sehen.

"Also mir reicht es jetzt", sagte ich grimmig und servierte das Essen. Doch der Hunger war wohl allen vergangen. Es herrschte Totenstille. Selbst die Katze bettelte heute nicht und sah nichts verstehend durch die Gegend, so als wollte sie sagen: "Was habt ihr denn alle?"

Ich entschloss mich ein Bad zu nehmen, und ließ mir Wasser ein. Der Duft von Rose, Orange, Vanille und Honig beruhigte meine Sinne und erinnerte mich wieder daran, dass Weihnachten war. So langsam kehrte etwas Ruhe in mir ein. Ich schloss die Augen und genoss es. Süße Klänge drangen an mein Ohr und erreichten meine Seele. Beinahe wäre ich eingeschlafen, wenn nicht die Eieruhr geklingelt hätte, die ich auf zwanzig Minuten einstellte.

Ich grabschte nach dem flauschigen Handtuch, als etwas meine Hand berührte, erschreckt ließ ich es fallen, ich sah nur noch eine schnelle Bewegung, die in Richtung Tür flitzte. Ich warf meinen Bademantel über und verfolgte das Etwas. Vor der Tür saß die Katze und sah mich schläfrig an. Ich lockte Roxanne: "Komm fang die Maus, brave Katze", aber sie rührte sich nicht von der Stelle.

Die Glocken läuteten. Im Wohnzimmer wurde es unruhig. "Mama, wann bekommen wir endlich unsere Geschenke?", rief Nina.

"Ich komme gleich", sagte ich.

Ich wollte gerade den Fernseher ausschalten, als mich die Nachrichten fesselten, sie berichteten von Katastrophen, von Armut, Krieg und Leid.

Plötzlich standen Tränen in meinen Augen, traurige Gedanken machten sich in mir breit. Ich dachte an diesen Tag, an die Unzufriedenheit, die nichts war gegen die Tragik dieser Menschen. Plötzlich erschien alles leicht. Der Tannenbaum erstrahlte viel heller, die Kugeln glitzerten in ihrem schönsten Glanz. Der Raum knisterte. Dankbarkeit stieg in mein Bewusstsein. Ich verstand nun wieder den Sinn von Weihnacht. "Mama", holte mich meine Tochter aus meiner Trance.

Ich lächelte sie an. "Hast du was?", fragten alle drei... nein, nein, sagte ich und verteilte die Geschenke. Begeistert packten sie aus. Ich kämpfte immer noch mit dem Knoten und dem Geschenkpapier, als ich ein Rascheln hörte und begutachtete den Karton - er hatte ein Loch.

Ich holte eine Schere, schnitt das Band durch und öffnete vorsichtig das Paket, gespannt sahen mir alle zu. Die Katze spitzte ihre Ohren. Als ich den Deckel öffnete, sahen mich zwei freche, braune Augen an. Roxanne stürzte nach vorne.

Ich schnappte schnell nach einer Decke und warf sie über das Päckchen. Fest umwickelt trug ich die Feldmaus in den Garten und ließ sie frei. Zwei erleichterte Augen sahen mir entgegen, so als wollte die Maus sich bedanken, nun wieder frei zu sein. Blitzschnell rannte sie unter einen Stein.

Endlich war wieder Frieden eingekehrt, gemütlich saßen wir bei Plätzchen, heißer Schokolade und Tee und freuten uns auf die Geschenke. Wir erzählten Geschichten und lachten köstlich über unsere Weihnachtsmaus.

© Text mit freundlicher Genehmigung von Monika Schüler.
© Foto der Waldmaus: Rasbak, Creative Commons-Lizenz

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Hinweis: Ende 2011 erschien der erste Lyrik-Band der Autorin Monika Schüler:

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