Geschützte Marken - oder wo ist die Grenzmarke?

Pfotenabdruck

Erinnern Sie sich noch? Das kleine grüne Kroko bürgte für Qualität, oder zumindest für Trend. Das kennt man ja, ein Logo mit hohem Wiedererkennungswert. So etwas gefällt vielen Endverbrauchern, wie man bei der Erfolgsstory von Schuhen mit einer rennenden Großkatze oder solchen mit einem hüpfendem Beuteltier sieht. Warum auch nicht, schließlich punktete ein anderer Schuhhersteller vor langer Zeit mit Fröschen, Salamandern und Igeln.

Aus neuerer Zeit stammt die Abbildung einer Fischgräte, die als Logo für guten Absatz sorgte. Tierisch gute Werbung eben. Und seit neuestem wider den tierischen Ernst: Es gibt da nämlich eine Firma, die als Logo ein Wolfstrittsiegel verwendet. Näherbringen soll das dem Kunden das Gefühl von Freiheit und Abenteuer, nur ohne Zigarette und Cowboyhut. Outdoor Trend in guter Qualität und so weiter und so fort.

Bis hierher kann man nichts aussetzen, aber nun gibt es ein Gerichtsurteil. Das besagt, dass dieser Pfotenabdruck eines Caniden ein geschütztes Label darstellt und nicht verwendet werden darf. Nicht gleich grinsen bitte, bis hierher ist es ja noch logisch, denn wer will schon gefakte Ware. Aber weiter besagt das Urteil, dass diese oder auch ähnliche Pfotenabdrücke nirgends verwendet werden dürfen. Also kein Abdruck eines Wolfes auf dem Shirt, dem Ohrstecker, dem Schulranzen, den Boots, auf der Tapete, im Schnee.

Pfotenabdrücke liegen einigermaßen im Trend und zieren so einiges, und sie stammen nicht alle von besagter Firma. Das leidige ist eben, dass eine Wolfspfote aussieht wie eine solche und außer in der Farbe kaum variabel ist. Jetzt ist breites Grinsen erlaubt, denn die Folgen der Maßnahme könnten ausufern. Oder Arbeitsplätze schaffen. Denn wenn ein Heer von mit Kameras ausgerüsteten Pfotenschützern in den Städten unterwegs ist, um Hundehalter wegen der öffentlichen Verwendung des Labels dranzukriegen, müssen tausend und abertausend Stellen besetzt werden.

Ein Dackelpfotenabdruck variiert ja nur in der Größe, sonst ist die Ähnlichkeit bestechend und somit juristisch relevant. Schäferhundehalter sollten sich aufs Land zurückziehen und im Schutz der Nacht Gassi gehen. Oder anhand eines mitgeführten Reisigbesens die Spuren beseitigen. Man könnte Ein-Euro-Jobber chartern, um die Abdrücke in den Wolfsgehegen zu verwischen, oder um die lausigen paar Hektar Wald zu betonieren.

In den großen Naturschutzgebieten muss das Ganze aufwendiger gestaltet werden. Hier wäre es vielleicht unter dem Strich kostengünstiger, die Wölfe und ähnliche Caniden nach einem wohlgezielten Schuss mit dem Betäubungsgewehr mit Hundeschuhen zu versehen. Bei größerer Population wären mit Mitteln versetzte Köder zum Einsatz zu bringen. Es würde auf jeden Fall den Arbeitsmarkt entlasten. Da die Firma weltweit vertreibt, könnte das die Not ganzer Länder lindern.

Minderjährige Unbelehrbare, die ihre Shirts selber batiken und sich im Design vertun, könnten zu gemeinnütziger Arbeit herangezogen werden, zum Beispiel im Zoo. Ausländische Mitbürger, die in dieser Hinsicht auffällig werden, müssen nicht mit Ausweisung rechnen, sondern werden zum Wolfsschuhdienst in die Karpaten verpflichtet. Patentanwälte werden die absoluten Spitzenverdiener werden, denn noch ist ein abstreifsicherer Wolfspantoffel nicht auf dem Markt. Hier tun sich Verdienstmöglichkeiten auf wie schon lange nicht mehr, man könnte an die großen Goldrushs denken.

Vom großen Geschäft profitieren wird auch die Medizin, vor allem im Bereich der Hautverpflanzung und dem Laser. Denn keiner kann bis jetzt abschätzen, wie viele Tattoos entfernt werden müssen. Schließlich will keiner im Sommer lange Ärmel tragen, nur damit er nicht am laufenden Band Schadensersatz zahlen muss.

Tierfilmer, die das natürliche Verhalten der Wölfe zum Thema ihrer Arbeit machen, wären in der Ausübung derselben ziemlich eingeschränkt - der Firmenbeauftragten wegen, die mit Argusaugen darüber wachen, dass kein Stück Boden mit Spur erscheint. Am besten die Wölfe nur bis zum Kniegelenk zeigen, damit man allen Schwierigkeiten aus dem Wege geht. Sollte es aber doch einmal passiert sein, werden im Film dann diese kleinen schwarzen Balken die Spur verdecken. Außer natürlich, die Firma wird im Vorspann, im Nachspann und auf in der Landschaft aufgestellten Schildern genannt. Das muss der Filmer entscheiden.

Aber diese kleinen Unbequemlichkeiten in Sachen Kultur sind durchaus in Kauf zu nehmen, rechnet man gegen die beschriebenen Segnungen für das Soziale und die Wirtschaft auf. Die individuelle Freiheit mag ja etwas beschnitten werden dadurch - aber mit Tabus kann man leben, wenn man Arbeit hat. Wer braucht schon unbedingt Wolfspfoten, außer den Wölfen natürlich. Man verzichtet ja auf vieles und darf nicht pingelig sein. Ein selbstgesticktes Dekor auf den Jeans ist schließlich unwichtig.

Bleibt die Frage, was passiert wäre, wenn die Firma mit dem kleinen Krokodil diese tolle Idee gehabt hätte. Wahrscheinlich ist da ein wirtschaftlich noch größerer Aufschwung an uns vorbeigezogen. Denn da hätte man auch massenhaft Taucher einstellen müssen, und die Herstellung von Prothesen wie auch von Särgen hätte gewaltig geboomt. Markenschutz

© "Geschützte Marken - oder wo ist die Grenzmarke?" - ein Beitrag von , 2010. Bildnachweis: pixabay.com, CC0 (Public Domain Lizenz)

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