Buch von Bascha Mika: Die Feigheit der Frauen

Eine Streitschrift wider den Selbstbetrug

(Februar 2011)   Das hatten wir doch schon einmal, denkt Frau, und wundert sich heute genauso, wie sie sich damals gewundert hat. Denn das Buch der ehemaligen taz-Chefredakteurin Bascha Mika ist aktuell im Gespräch und verteilt großzügig Schelte für die Frauen, die selber schuld an allem sind - ihrer Feigheit wegen. Weil sie, anstatt sämtliche Männer aus den Chefsesseln zu kicken - indem sie einfach zeigen, was sie so drauf haben - lieber samt- und rehäugig auf Männerfang gehen. Oder vielleicht auch katzenäugig ... so hat sich schließlich schon manche, die auf Vamp mit leichtem Verruchtheitsfaktor gemacht hat, dann doch als gestandene Hausfrau und Mutter zu erkennen gegeben.

Haben Frauen dann den ersten Baustein für die künftige Bilderbuchfamilie - statistisch gesehen mit etwa eineinhalb Kindern - igeln sie sich im Komfort des gemütlichen Heimes ein und sind für die Chefetagen nicht mehr abrufbar. Sie verbringen ihr Leben in der von der Autorin so genannten "Komfortzone". Später verbringen sie ihre Zeit dann damit, das statistische "halbe Kind" zu stützen, damit es nicht umfällt, und kämpfen einen Endloskrieg mit der Schwiegermutter - bis sie dann irgendwann selber eine sind und die Stafette weiterreichen. Und überhaupt, so moniert Mika, hätten die meisten jungen Frauen sowieso nie vor, Ernährerin einer Familie zu werden. Sie gehören lieber zu dem Teil, der "ernährt" wird.

Starker Tobak, möchte man da sagen - denn hier wird den Frauen ja Feigheit vorgeworfen. Feigheit vor einer Karriere. Frauen, die abends vor dem Fernseher einschlafen - nach Job, Kind(ern) und Haushalt - wird diese Sicht der Dinge vielleicht etwas überraschen. Auch diejenigen, die schlechter bezahlt werden als ihre männlichen Kollegen, werden wohl die Brauen heben. Der Vorwurf, der ihnen gilt, ist der, dass sie sich überhaupt für ein Leben mit Familie entscheiden. Also lieber mit 'ner Tasse Latte macchiato auf der Veranda lümmeln und mit Freundinnen rumkichern. Nun ja, diese Frauen gibt es halt wirklich ... aber die meisten dieser Luxusgeschöpfe leben in Werbespots und Glanzkatalogen für schönes Wohnen.

Das Gros der Frauen sieht über die wenigen real existierenden Damen dieser Art großzügig hinweg - oder nimmt sie nicht wirklich wahr. Ist wahrscheinlich zu eingespannt mit der Brutpflege. Wie auch immer, vor einigen Jahren gab es schon einmal eine gedruckte Anklage gegen die Frauen. Es geht um das Buch Esther Vilars, das den interessanten Titel "Der dressierte Mann" trug und vor allem davon ausging, dass die Weibchen die Zügel allesamt und natürlich auch sonders fest in den zarten, manikürten Händen halten. Und dass sie mit ihrem Gejammer die Männer hemmungslos konditionieren. Schließlich lautete ein besonders beliebter Ausspruch Vilars, dass man nicht mehr als eine oder zwei Stunden täglich für den Haushalt erübrigen muss ... alles andere sei bloßes Getue.

Schon damals wunderten sich die Hausfrauen, die gerade die dritte Wäschewanne füllten und mit Fieberthermometer zwischen Kinderzimmer und Küche pendelten. Diejenigen Genossinnen, die versuchten, mittels Abdeckstift die Spuren der letzten Dressur zu verstecken, wunderten sich natürlich auch. Aber wahrscheinlich schlugen ihre Männer sie nur, weil sie dafür dressiert worden waren und einfach auf tief sitzende Wünsche ihrer Frauen eingingen.

Tatsächlich gibt es bei beiden Büchern Realitäten. Es gibt Frauen, die nicht einmal im Traum daran denken, selber eine Karriere zu machen - und es gibt auch Frauen, die über ihre Männer den Wunsch nach höherer sozialer Stellung und Ansehen verwirklichen wollen. Auch gibt es mit Sicherheit jede Menge Tricks, die Frauen anwenden, um ihren Willen zu bekommen ... aber das tun auch Männer und Kinder. Es ist einfach menschlich und mehr eine Frage des Beziehungsgefüges und der Psychologie als der des Geschlechtes.

Beide Autorinnen haben, wie leider auch ein Großteil der intellektuellen Feministinnen, die Frauen übersehen, die - durch welche Umstände auch immer - nicht in den Genuss einer hervorragenden Ausbildung gekommen sind. Frauen, die von vornherein keine sehr großen Chancen hatten, sich zu etablieren. Und vor allem übersieht Mika die Mechanismen, die tatsächlich noch immer elitär funktionieren.

Mangelnde Bildung hat nicht zwangsweise etwas mit Intelligenz zu tun, und mit Sicherheit wird in den Sozialwohnungen unserer Welt unglaublich viel Potenzial verschwendet, weil man die "Boxenaufteilung" der Rennen nicht so einfach aushebeln kann. Nur "wollen" reicht nun einmal nicht. Außerdem, selbst wenn man selber nicht unbedingt das Modell der Elternfamilie für sich haben will, so muss man diejenigen akzeptieren, die diese Wahl treffen. Und das Bild der Pralinen knabbernden Salonschlange mit wohlhabendem Ehemann ... das ist kaum mehr als ein Klischee. Es stört die Frauen nicht wirklich bei ihrem Kampf um mehr Gerechtigkeit, oder? Frauen

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© "Bascha Mika: Die Feigheit der Frauen" - ein Buchtipp von , 2011.

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