Angst ist eigentlich ein Freund

Keine Angst haben

Wer keine Angst hat, verfügt auch nicht über ein Warnsystem - so will es unser Artgedächtnis. Aber wer darüber hinaus von immer mehr oder immer intensiveren Ängsten geplagt wird, leidet unter Umständen unter einer Angststörung. Damit ist nicht die "normale" Angst gemeint, die uns vor Gefahren schützen kann, indem sie die Vorsicht aktiviert, sondern Gefühle, die in gewisser Weise irreal scheinen.

Jeder versteht zum Beispiel die Angst vor großer Höhe - schließlich ist es gefährlich, sich viele Meter über dem Erdboden zu befinden. In milder Form dürfte jeder dieses Unbehagen schon einmal mehr oder weniger gespürt haben, vor allem dann, wenn die Situation neu ist. Wenn dieses Unbehagen allerdings stark empfunden wird, sobald nur eine kleine Trittleiter bestiegen werden soll oder der Blick zum Fenster hinaus für Schweißausbrüche sorgt, kann man von einer Angststörung sprechen.

Bekannte und unbekannte Schrecken

Die Angst vor Spinnen ist weit verbreitet, auch die phobische Form davon. Die meisten Menschen verspüren ein leises Unbehagen beim Anblick dieser Krabbeltiere, aber manche Menschen trauen sich kaum noch in einen Keller- oder Lagerraum dieser Tiere wegen. Diese Angst ist im Grunde nicht wirklich nachvollziehbar, da Spinnen keine gefährlichen Tiere sind, vor allem in unseren Breitengraden nicht. Trotzdem wird eine Spinnenphobie eher akzeptiert als seltenere Varianten. Platzangst oder die Angst vor der Dunkelheit gehören ebenfalls zu den bekannteren Vertretern der Angststörungen - aber wer kennt zum Beispiel die Angst vor Hühnern (Alektorophobie) oder sogar vor Gemüse (Lachanophobie)?

Wann wird Angst zur Störung?

Natürlich reagieren Psyche und Körper grundsätzlich bei einer Angst auslösenden Situation, beispielsweise bei einer Prüfung oder direkten Bedrohung. Die Furcht vor Wasser oder Feuer ist durchaus normal und als Reflex zur Selbstbewahrung wichtig, wenn es zu einer Situation kommt, in der man sich diesen Elementen ausgesetzt fühlt. Sind diese Ängste aber grundsätzlich gegenwärtig, also überzogen gesagt: man ängstigt sich nicht bei einer Springflut, sondern allein beim Anblick eines ruhigen Baches oder wenn man eine brennende Kerze sieht und durchaus keinen brennenden Vorhang, kann von einer Phobie oder Angststörung gesprochen werden. Das gilt auch für Menschen, die allein bei Erwähnung des Wortes "Spinne" in Schweiß ausbrechen. Diese Ängste schränken die Freiheit und die Lebensqualität erheblich ein.

Wenn die Ängste zum Gefängnis werden

Wer zum Beispiel fürchterliche Angst vor Insekten hat, wird seinen Aufenthalt in der freien Natur auf ein Minimum beschränken oder völlig vermeiden. Kellerräume oder Dachböden sind unbetretbar, und die eigene Wohnung kann zum Angstkäfig werden. Soziale Kontakte und Interaktion mit dem sozialen Umfeld werden immer schwieriger zu pflegen, und so kommt sehr oft noch Vereinsamung zu der ohnehin schon sehr quälenden Situation hinzu. Viele betroffene Menschen sprechen nicht über ihre Ängste - wohl werden manche Phobien vom Umfeld durchaus toleriert - aber wer will schon sagen, dass er sich maßlos vor der Zahl 13 fürchtet (Triskaidekaphobie)?

Information ist der erste Schritt zur Hilfe

Niemand muss mit seinen Ängsten allein bleiben, denn es gibt immer Menschen, die ebenfalls betroffen sind. Auch wenn es sich nicht um die gleiche Angststörung handelt, sind die Folgen oft ähnlich. Betroffene Menschen, die sich austauschen und informieren können, verlieren die erste Angstfessel, nämlich das Gefühl der Einsamkeit. "Das kann ich ja niemandem erzählen - niemandem geht es so wie mir", ist der Gedanke, der das Suchen nach Hilfe erst einmal verhindert. Aber Plattformen wie "www.paradisi.de" informieren umfassend über Angststörungen und mögliche Behandlungsmethoden. Die Tatsache, dass es eben vielen Menschen "so geht", bedeutet für jeden, der unter Angststörungen leidet, sehr viel - es bedeutet, dass man nicht allein damit ist. Angst soll eigentlich ein Freund sein.

© "Angst ist eigentlich ein Freund" - ein Textbeitrag von , 2014. Bildnachweis: pixabay.com, CC0 (Public Domain Lizenz)

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