Antiquitätenmarder ... noch lebe ich!

Leseprobe aus dem Thriller von Thomas Schmidt

Lesetipp: Der Tod im Cocktailglas

Das Buch:

Handlungsort Berlin, 1990. Tom Brinkmann kommt einem Fassadenkletterer auf die Spur. Es handelt sich um den Antiquitätenhändler Evers, der mit seinen Komplizen Bürger ausfindig macht, die wertvolle Antiquitäten besitzen. Zielperson ist zunächst Frau von Jarzebowski, in die sich Brinkmann verliebt hat. Dass die Dame homosexuelle Neigungen besitzt, hat für ihn kaum Bedeutung.

Während einer Nacht- und Nebelaktion werden die ersten Kunstgegenstände geraubt. Brinkmann übt Selbstjustiz. Er versucht, Frau von Jarzebowski zu schützen, zumal ihre Neigung von den Antiquitätenmardern ausgenutzt wird. Mit seinem Partner, Benno Straßburger, wird Evers aufgespürt. In dessen Besitz befindet sich ein großer Teil des Diebesgutes, das ihm abgejagt wird.

Sachdienliche Hinweise aus der Unterwelt führen dazu, dass Evers kurze Zeit später verhaftet wird. Dann ist Brinkmann auf sich allein gestellt, dennoch - für seine Herzensdame riskiert er Kopf und Kragen. Er macht den Anführer der Antiquitätenmarder ausfindig und begibt sich in tödliche Gefahr ...

Leseprobe aus dem Kapitel "Der Tod im Cocktailglas":

Straßburger stand ganz gegen seine Gewohnheiten schon acht Uhr morgens vor meiner Tür. Über geschäftliche und organisatorische Belange sprach er heute nicht. Ich fragte nach dem Grund, doch ich bekam keine Antwort. Schließlich hatte er seinen Schützling Spangenberg gefeuert und ihm dennoch zehntausend DM überlassen, trotz des Unsinns, den er verzapfte. "Ich mach mir Sorgen um Spangenberg. Hätte ich ihn nur nicht entlassen. Hab vorigen Mittwoch bei ihm geläutet, ihn aber nicht angetroffen. Ich fahr noch mal zu ihm, denn ich hab kein gutes Gefühl."

Ich begleitete Straßburger. Der Schlüssel von Spangenbergs Wohnung befand sich wie gewöhnlich in seinem Versteck. Dies sprach zunächst dagegen, dass Kalle anwesend war. Vielleicht hatte er auch seinen Zweitschlüssel benutzt und das Original hinter der Flurgarderobe vergessen. Ich fingerte es hervor. Straßburger riss mir den Schlüssel aus der Hand und öffnete die Tür. Gestank schlug uns entgegen. Spangenberg lag tot auf der Couch. Vermutlich war er an jenem Mittwoch gestorben. Er starrte an die Decke. Sein Gesichtsausdruck sprach Bände. Es war der eines Grüblers. Ich hatte das Gefühl, als wäre Kalle im Nirgendwo. Dabei übersah ich alles, was der Zahn der Zeit und die Sommerschwüle in seinem Gesicht angerichtet hatte. Straßburger brannte sich eine Zigarette an, die er im Nu aufgeraucht hatte. "Das ist nur 'n chemischer Vorgang!", sagte er. Das war alles, was er zum Tod Spangenbergs zu sagen hatte.

Die Ursache war klar. Spangenberg hatte sich ein Rauschgiftcocktail gemixt, mit dem er sich gewollt oder ungewollt umbrachte. Straßburger hatte in null Komma nichts das Wohnzimmer auf den Kopf gestellt, um nach dem restlichen Zaster zu suchen. Wegen des angehäuften Sperrmülls gestaltete sich dies besonders schwierig. Das Chaos in Spangenbergs Wohnung war nun größer als vorher. Da Straßburger die Eigenheiten Spangenbergs kannte, durchsuchte er die unmöglichsten Stellen und fand tatsächlich noch zweitausend DM. Dann machte er sich über Kalle her. Er drehte ihn auf die Seite und fuhr mit seiner schmutzigen Hand zwischen Polster und Lehne hin und her, um festzustellen, ob dazwischen nicht etwa der Rest des Geldes versteckt sei.

Zum Schluss schickte er sich an, Spangenberg von der Couch zu werfen, um die Sitzfläche nach oben kippen zu können. Das ging mir entschieden gegen den Strich. Da machte sich plötzlich ein Geräusch breit, das wie leises Stöhnen klang. Es war Spangenberg oder besser gesagt, der chemische Vorgang in ihm. Straßburger wurde blass wie das Gesicht Spangenbergs. Er fasste sich mit der rechten Hand an den Hals, als wäre er dem Ersticken nahe. Erst wollte er Spangenbergs Leiche fleddern, dann kam die Mimose in ihm durch und nun hatte er wohl einen Fluch aus dem Jenseits vernommen. Von Entsetzen gepackt stürzte er ins Treppenhaus. Ich war der Meinung, dass ihm sein momentaner Zustand recht geschah. Gestraft hatten ihn die guten Geister, die ihn verlassen hatten. Ich lief zur nächsten Telefonzelle und rief die Polizei.

Da kein Abschiedsbrief von Kalle existierte, ging man davon aus, dass er sich versehentlich umbrachte. Man nagelte uns etwa zwei Stunden auf dem Revier fest. Der wichtigere Zeuge von uns beiden war natürlich Straßburger, da er sich bislang in enger Beziehung zu Spangenbergs Mutter befand. Er versuchte, sie noch am gleichen Abend vom Ableben ihres Sohnes telefonisch zu informieren - ohne Erfolg. Dies gelang erst am Donnerstag früh gegen fünf Uhr. Frau Spangenberg war wenig beeindruckt. Sie reagierte sogar brüsk auf den frühmorgendlichen Anruf und gab lediglich an, eine stressige Nacht hinter sich zu haben ...

Das Buch "Antiquitätenmarder ... noch lebe ich!" ist in zwei Versionen erschienen: als Taschenbuch in Normaldruck (ISBN 3845902124), sowie auch in Großdruck (ISBN 3845902132).

© "Antiquitätenmarder noch lebe ich!" - Leseprobe sowie Abbildung des Buchcovers mit freundlicher Genehmigung des Autors. Eine weitere Leseprobe von Thomas Schmidt: Leidgenossen zwischen Krummer Lanke, Reichstag und Gedächtniskirche

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