Original und Fälschung

Wer bestimmt die Regeln zum perfekten Körper?

Der perfekte Körper

Die Medien machen tiefe Einblicke möglich - der interessierte Betrachter sieht Bilder der Stars und anderer öffentlicher Personen, die wundervoll aussehend abgelichtet sind. Und dann kommt das reale Bild: Da sieht man dann (rot eingekreist, damit es nicht übersehen wird) die beginnende Cellulite einer Sängerin, das schon weit gediehene Doppelkinn eines Schauspielers oder die eine oder andere Hautunreinheit.

Das beruhigt, denn dieses unzulängliche Gefühl beim Betrachten dieser vielen perfekten Körper verschwindet da ein wenig. Schließlich weiß man ja, dass es so etwas wie Fotobearbeitungs-Programme gibt. Allerdings dauert es nicht allzu lange, bis man dann doch wieder neidvoll an schlanke Figuren, durchtrainierte Körper und wirklich optimale Beigaben wie kerngesunde Wallemähnen und Haut aus reiner Seide denkt. Und auch gleich das schlechte Gewissen dazu hat - denn vielleicht könnte man ja auch ... wenn man nur nicht so disziplinlos wäre.

Wer öfter diesen Gedanken nachhängt, läuft große Gefahr, sich aus lauter Frust ein deutliches Übergewicht anzunaschen - denn wie wir wissen, machen Süßigkeiten glücklich.

Man könnte natürlich auch einen 20-minütigen Lauf durch den Park machen anstatt die Strecke "Kühlschrank - Couch" zwei- oder dreimal abzugehen. Könnte man schon - ebenso, wie man jede Woche mit eiserner Disziplin zwei Schönheitstage einlegen könnte. So mit Wachsstreifen, Ganzkörper-Peeling, Hornhautraspel, Haarpackung und Mani- wie auch Pediküre. Leider scheitert das an der Müdigkeit, die einen schlagartig überfällt, wenn man von der Arbeit nach Hause kommt und die Tüten mit dem noch rasch erledigten Einkauf auf den Küchentisch stemmt.

Quengelnde Kleinkinder, die noch aus dem Hort geholt wurden, könnten ebenfalls störend wirken. Alles, was man da noch hinkriegt, ist neidvoll auf die Schönheiten im TV starren und sich für den nächsten Tag so allerhand vorzunehmen.

Um den Frust klein zu halten, der unweigerlich hochkommt, wenn man es - ebenso unweigerlich - wieder nicht schafft, gibt es alternative Übungen. Man kann langsam im Park spazieren gehen und dabei Schuhe tragen, die unter dem Monatslohn einer Sekretärin liegen (Merke: mehr ausgeben als man hat führt zur Faltenbildung). Dann sehe man sich sehr genau die vielen Jogger und Nordic-Walker an. Sie sehen alle nicht glücklich aus. Meist ist der Gesichtsausdruck hochkonzentriert und völlig spaßfrei. Ebenso wie der entrückte Blick der Fitnesstempel-Junkies, die nur noch im Sixpack-Format denken können. Aber wir wollen schließlich nicht so denken und gehen nach Hause, um unser Bad einer Inspektion zu unterziehen. Ein Peeling reicht bei weitem - werfen wir doch die vielen verschiedenen Sorten weg, die seit dem Vorjahr herumliegen und die wir nie benutzen, weil wir keine Zeit haben. Und so viele Fläschchen für die Nägel müssen es auch nicht sein. Rillenfüller - Unterlack - Farblack - Oberlack. Dann vergessen wir noch die Haushaltshandschuhe, weil's mal wieder schnell gehen muss. Und wieso, zum Teufel, muss das glatt sein wie eine Kunsteisfläche?

Wer bestimmt da die Regeln? Verliert man Sympathiepunkte, weil man nur Klarlack auf den Nägeln trägt und sich keine körperfremden Haare auf den Kopf knoten lassen will? Wenn man immer wie ein Filmstar aussehen will und alles kaufen muss, was modemäßig vorgeschrieben ist, kriegt man mit Sicherheit unreine Haut vor lauter Frust. So etwas macht nicht zufrieden und kann nicht wirklich Spaß machen.

Wir empfehlen folgendes: Machen Sie, was Ihnen wirklich Spaß bringt. Teilen Sie sich Ihre Zeit so ein, wie Sie es für richtig halten und pflegen Sie sich so, wie es Ihnen entspricht. Mit Sicherheit macht die gewonnene Entspanntheit einen attraktiven Menschen aus Ihnen. Wir garantieren, dass ein Flirt noch niemals an kleinen Äußerlichkeiten gescheitert ist. Auch nicht an Körpermaßen, die weitab der Photoshop-Norm liegen.

In diesem Sinne - grinsen Sie sich eins, wenn Sie den Feierabend im Kuschelsessel genießen.

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© "Original und Fälschung" - ein Textbeitrag von , 2010. Illustration: Thomas Alwin Müller, littleART

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