Der Münchner Parkhausmord: Der polygrafische Test

Leseprobe aus dem Sachbuch von Daniel Reinhard

Ein spektakulärer und umstrittener Indizienprozess

Der Münchner Parkhausmord

Über diesen wahren Kriminalfall und das Buch

Im Jahre 2006 wurde die schwerreiche Millionärin Charlotte Böhringer in ihrer Penthousewohnung über ihrem Parkhaus in München erschlagen. Ihr Lieblingsneffe wurde nach einem spektakulären Indizienprozess wegen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Selten hat ein Urteil so viel Unfrieden ausgelöst wie dieses. Bei der Urteilsverkündung kam es zu regelrechten Tumulten im Gerichtssaal: Freunde und Angehörige protestierten lautstark gegen das Urteil.

Bis heute ist ein Unterstützerkreis aus Freunden und Verwandten des Täters von dessen Unschuld überzeugt. Doch eine Seite muss sich irren. Um herauszufinden, wie es zu diesen konträren Standpunkten kommen konnte, hat sich der Autor noch einmal auf intensive Spurensuche begeben und er kommt zum Schluss: Auf beiden Seiten wurden Sachen, die nicht richtig passen, passend gemacht. Nach der Lektüre des Buches weiß der Leser jedes Detail und kann sich ein fundiertes Urteil bilden.

Das Sachbuch "Der Münchner Parkhausmord" wird unter den Genres Kriminalfall, Kriminalität, True Crime oder Justizirrtum im Handel zu finden sein. Die Taschenbuch-Ausgabe umfasst 257 Seiten und wurde im Oktober 2018 veröffentlicht (ISBN 978-3752848205). Als E-Book wird die lesenswerte Publikation von Daniel Reinhard ebenfalls erhältlich sein.

Leseprobe: »Der polygrafische Test«

Um seine Unschuld zu beweisen, unterzog sich Bence Toth im Jahre 2011 einer polygrafischen Untersuchung (Lügendetektortest) »in Form eines Kontrollfrageverfahrens« in der JVA München-Stadelheim. Mit einer polygraphischen Untersuchung werden unterschiedliche Körperreaktionen gemessen wie beispielsweise Atemfrequenz, Puls oder Schweißbildung. Die Testperson wird dabei an ein Gerät angeschlossen. Danach werden ihr unterschiedliche Fragen gestellt, die sie mit »ja« oder »nein« beantworten soll. Mit der nachfolgenden Analyse der Körperreaktionen will man herausfinden, ob die Testperson auf die jeweiligen Fragen wahrheitsgemäß geantwortet oder gelogen hat. Dabei ist zu beachten, dass eine polygraphische Untersuchung nicht direkt Lügen misst, zumal es keine eindeutigen Körpersignale gibt, die anzeigen, dass wir es mit einer Lüge zu tun haben. Eine erhöhte Atemfrequenz, steigender Puls oder gesteigerte Schweißbildung sagen für sich genommen noch nichts darüber aus, ob jemand die Wahrheit sagt oder nicht. Die Körperreaktionen können unterschiedliche Ursachen haben. Deshalb muss man immer mit Vergleichsgrößen arbeiten.

Es gibt insbesondere zwei Verfahren bei polygrafischen Untersuchungen: den Tatwissenstest und den Kontrollfragen- bzw. den Vergleichsfragentest. Der Tatwissenstest fragt das Wissen ab, das nur der Täter besitzen kann. Beim Kontrollfragentest werden üblicherweise 10 Fragen gestellt: 3 Fragen zur Tat, 3 neutrale Fragen und 4 Kontrollfragen. Die Idee dahinter ist, dass unschuldige Testpersonen bei Kontrollfragen, die sozial geächtetes Verhalten abfragen, erregter reagieren, als schuldige Personen bei Fragen zur Tat. Gegenstand der Untersuchung bei Bence Toth war, so die Verteidigung, »ob seine Behauptung, er habe seiner Tante weder die tödlichen Kopfverletzungen beigebracht, noch habe er irgendetwas mit ihrer Tötung zu tun, als wahrheitsgemäß zu beurteilen sei.«

Der Test, der nach Angaben der Verteidigung nach aktuellen wissenschaftlichen Standards durchgeführt wurde, ergab, dass Bence Toth »sämtliche Fragen zu angeblicher Täterschaft 'mit einem außergewöhnlich hohen Wert wahrheitsgemäß verneint'» hatte. Aussagekräftiger wäre meines Erachtens der Test gewesen, wenn er innerhalb eines gerichtlichen Verfahrens durchgeführt worden wäre, zumal dieser Test offenbar unter völliger Kontrolle der Verteidigung vorgenommen wurde. Wichtige Fragen im Zusammenhang mit der Ausführung des Tests wären beispielsweise: Zu welchem Zeitpunkt wird der Test angewendet, welche Fragen werden gestellt und wer führt den Test sowie die Auswertung durch? Zu berücksichtigen ebenso: Falls das Ergebnis positiv für die Testperson ausfällt, kann man es an die »große Glocke hängen«, falls es negativ ist, herrscht großes Stillschweigen.

Für die Verteidigung steht deshalb nach diesem Ergebnis fest, dass Bence Toth »mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit als Täter auszuschließen« ist. Des Weiteren war sie der Auffassung, dass das Ergebnis der Untersuchung indiziell zugunsten von Bence Toth zu werten sei, welche mit den übrigen vorgelegten, neuen Tatsachen und Beweismitteln die Freisprechung von Bence Toth begründen würden. Grundsätzlich ist insbesondere zum Kontrollfragentest zu sagen, dass diesem »Beweismittel« nach der obersten Rechtsprechung in Deutschland überhaupt kein Beweiswert zukommt und folglich als untauglich einzustufen ist. Dies wurde beispielsweise in einem Beschluss vom 31.07.2014 des Bundesverwaltungsgerichts (2 B 20.2014) bestätigt. Es schreibt in diesem Entscheid u. a. Folgendes:

»Für die Bewertung des Kontrollfragentests als ungeeignet ist der Befund tragend, dass zwischen bestimmten kognitiven oder emotionalen Zuständen eines Menschen und spezifischen Reaktionen des vegetativen Nervensystems, die vom Polygraphen während der Befragung kontinuierlich gemessen werden, keine eindeutigen Zusammenhänge zu erkennen sind und dies insbesondere für Reaktionen bei der unwahren Beantwortung von Fragen gilt.« ...

Auf der Webseite des Autors Daniel Reinhard finden Sie mehr Leseproben aus seinem Sachbuch "Der Münchner Parkhausmord", ein lesenswertes Autoren-Interview, weiterführende Informationen zu diesem spektakulären Kriminalfall, beispielsweise Links zu Bürgerinitiativen, Dokumentarfilmen sowie Hinweise zu alternativen Publikationen.

© "Der Münchner Parkhausmord: Der polygrafische Test": Dem Autor Daniel Reinhard danken wir herzlich für diese Leseprobe sowie die Abbildung des Buchcovers, 10/2018.

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