PandoraErzählung von I. E. Schwartz |
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Und dann schickt man vom Himmel dieses wundervolle Weib herunter, diese Schönheit mit den sanften Kuhaugen und dem leeren Köpfchen, als Mitgift diesen verfluchten Krug mit sich führend. Wer bin ich, dass ich nein sage zu den Geschenken der Olympier - wenn auch mein Bruder mich warnte. Aber Prometheus ist nicht ohne Fehler, wie das Beispiel seiner Ruhmestat zeigte. Schon allein, um zu zeigen, dass ich sehr wohl in der Lage bin, meine eigenen Schlüsse zu ziehen, habe ich sie genommen. Zugegebenermaßen hatte ich die ersten Monde andere Dinge im Kopf als dieses Gefäß, denn wer eine solche Frau praktisch ins Bett gelegt bekommt, kümmert sich nicht um Krüge. Mag sie auch etwas einfältig wirken, meine schöne Gottesgabe - als Gespielin ist sie eine Offenbarung. Doch dieser vermaledeite Krug stahl sich in meine Gedanken, immer öfter betrachtete ich ihn und tastete an seinem Siegel herum. Mein Weib schüttelte nur sanft und großäugig den hinreißenden Kopf, wenn ich nach dem Inhalt fragte. Sie weiß wohl wirklich nicht, was darinnen ist, die Schöne. Und dann wurde ich des Rätselns überdrüssig und stahl mich des Nachts hinaus zu dem Raum, wo sie ihre Mitgift aufbewahrt. Mit meinem Dolch ritzte ich das Wachs unter dem Deckelrand so ein, dass man es nicht bemerkt und öffnete den Verschluss ein wenig. Zu meinem Glück klappte ich den Deckel nicht vollends zurück, denn aus dem Inneren fuhr ein fürchterlicher Hauch heraus. Schnell schloss ich den Krug wieder, aber wie eine graue Wolke stand dieser ungute Hauch im Raum, dann verflüchtigte er sich wie ein Windstoß. Ich wusste nicht, was da herausgekommen war - aber ich drückte alles wieder so zurecht, dass niemandem etwas auffallen würde und schlich hinaus.
Aber es ist auch genug - es fing an, mich zu langweilen. Die Menschen sind innerhalb weniger Monde auf weniger als ein Viertel ihrer Zahl geschrumpft. Was übrig blieb, sind solche, die "krank" sind (eines der neuen Worte) oder solche, die ihre Sinne nicht mehr zusammen haben. Außerdem fallen sie einander an wie die Tiere der Wildnis. So beschloss ich, den Krug wieder völlig zu verschließen, damit die Sache auf sich beruhen soll. Doch da höre ich nun Schritte - und mein sanftes Weib steht mit aufgelöstem Haar vor mir und klagt mich mit weit aufgerissenen Kuhaugen an. Sie versucht den Deckel zu heben, wieso auch immer, aber ich lache sie aus, denn der Krug ist leer. Ich sage ihr das, aber sie schüttelt nur den Kopf. Was liegt ihr nur an diesem Gezücht, für das Prometheus so viel wagte?
Mehr über Pandora, die Plagen und die Hoffnung bei Wikipedia © Ilona Elisabeth Schwartz für Pressenet Das Bild "Die Büchse der Pandora" zeigt einen Kupferstich von Jacques Joseph Coinys (Quelle: Wikipedia, Lizenz: gemeinfrei) Lesen Sie auch Oskar (Kurzgeschichte)
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