Zum Welt-Braille-Tag am 04. JanuarZur Erinnerung an den Erfinder Louis Braille |
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Sein Leiden begann, als er vier Jahre alt war und sich ein Auge mit einer Ahle verletzte. Die aufkommende Entzündung griff auch auf das gesunde Auge über und zerstörte so die Sehfähigkeit des aufgeweckten Jungen, der sich mit der Beschränkung nicht abfinden will und einen Weg sucht, das Lesen für Blinde zu ermöglichen. In der Schule für Blinde, die er besuchte, hatte ein Mitschüler ihn auf eine Idee gebracht, als er von geprägten Buchstaben erzählte, die er daheim auf einer Karte erfühlt hatte. Der Lehrer griff diesen Gedanken dankbar auf und ließ Drucke herstellen, die mit erhabener Schrift versehen waren. Der Nachteil dieses Verfahrens lag in der Größe der Lettern, denn sie mussten mindestens 2,5 Millimeter messen, um fühlbar zu sein. Den jungen Louis Braille ließ der Gedanke nicht mehr los, für ihn und seine Leidensgenossen die Literatur zugänglicher zu machen, also nicht auf Vorleser angewiesen zu sein. Mit den Lederstücken, die er in geometrische Formen schnitt, kam er nicht so weit, wie er sich das gedacht hatte - nur eines wusste er mit ziemlicher Sicherheit: Die Antwort lag nicht in der allgemeinen Schrift, sondern in Symbolen, die man variieren konnte.
Im Jahre 1825 hatte der junge Erfinder mit gerade eben 16 Jahren seine Blindenschrift konstruiert. Sie war logisch aufgebaut und einfach zu lernen, aber trotz der Vorteile konnte sie sich erst einmal nicht durchsetzen. Braille tat alles, um seine Schrift bekannt zu machen, er übertrug die Werke Miltons in Blindenschrift, um beweisen zu können, dass man recht schnell damit lesen könne. Doch man wollte oder konnte nicht glauben, was so offensichtlich war - man argwöhnte, er habe die Texte auswendig gelernt. Hinzu kam auch, dass der neue Direktor der Schule die Brailleschrift schlichtweg verbot unter dem Vorwand, die Blinden würden sich durch eine für Sehende nicht lesbare Schrift isolieren. Es ist anzunehmen, dass der Mann gerade das Gegenteil fürchtete... eine nicht erwünschte Emanzipation der Blinden. Zudem war der Direktor selber Erfinder und wollte seine Konstruktion, eine Art Führmaschine für die Hand, eingesetzt wissen. Doch viele Schüler benutzten die Brailleschrift weiter, die von ihrem Erfinder auch durch eine Notenschrift erweitert wurde. Louis spielte selber Orgel und wollte die Grundlage für Blinde schaffen, sich ihren Lebensunterhalt als Berufsmusiker zu verdienen. Der Blindenschrift ging es wie vorher - auch nach vielen im Grunde verblüffend einfachen, notwendigen und doch revolutionären Neuerungen wollte man sie nicht anerkennen. Aber trotz aller Widerstände setzte sie sich endlich durch und wurde 1850 an den französischen Blindenschulen als offizielle Schrift eingeführt, etwas später - im Jahre 1879 - auch in Deutschland, und schließlich in der ganzen Welt. Louis Braille, der so unermüdlich gekämpft hatte, erlebte seinen späten Triumph leider nicht. Er starb mit dreiundvierzig Jahren an der Tuberkulose. Heute gibt es nichts, das nicht auch in Blindenschrift verlegt würde, von klassischer Literatur bis zu Fachbüchern und Lexika. Ein Buch in Braille ist sehr viel umfangreicher als eines in Normalschrift, so kommt zum Beispiel der Duden auf 18 dicke Bände. Um der Besonderheit Rechnung zu tragen, versendet die Deutsche Post AG Blindensendungen portofrei. Was für die Sehenden selbstverständlich war, nämlich den Geist durch das Lesen zu erhellen, hat ein kluger Junge für Blinde ebenso möglich gemacht. © Winfried Brumma, Pressenet
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