Geschichte einer FreundschaftEin guter Kumpel hat mich für immer verlassen |
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Auch wenn wir als Gruppe loszogen, wir beide waren ein besonderes Gespann, verstanden uns immer auf Anhieb. Ich kümmerte mich um ihn, wenn es irgendwo einmal zwickte, spendierte ihm immer mal wieder einen und oft gab es auch ein Extra, denn wir waren ja in gewisser Weise aufeinander angewiesen. Aber nicht deshalb mochte ich ihn, sondern weil wir mit der Zeit eine richtig gute Beziehung aufgebaut hatten - eine, bei der man die leiseste Schwingung des anderen wahrnimmt und deuten kann. Meine Frau war manchmal schon ein wenig eifersüchtig, aber das gibt es ja oft, dass die Frauen dem besten Kumpel misstrauen. Unsere Freundschaft dauerte lange Jahre, was man von einigen Liebschaften nicht behaupten kann. Aber das lag nicht an ihnen, es war einfach nicht der richtige Zeitpunkt. Ich gebe zu, dass mir sehr viel lag an unseren Unternehmungen, bei denen wir nicht unbedingt jemanden dabeihaben mussten. Und das nehmen manche Leute eben übel - solche, die keine Unterschiede akzeptieren können zum Beispiel. Wenn er hin und wieder mal krank war und nicht mitziehen konnte, fühlte ich mich auch nicht sonderlich gut. Es machte dann keinen richtigen Spaß, das Losziehen und Entdecken. Wir beide haben mehr als einmal draußen im Freien übernachtet, wenn es zu spät war, um noch irgendwo unterzukommen oder wenn es etwas klamm in der Kasse war. Aber meist hatten wir ein Zelt dabei, landeten auf irgendeinem Campingplatz und trafen dort nette Leute.
Als er dann anfing zu kränkeln, wollte ich das lange Zeit nicht wahrhaben. Das konnte es nicht geben, dass mein bester Kumpel nicht mehr mitziehen konnte - aber es ging ihm immer öfter nicht gut. Die Diagnosen waren am Anfang noch nicht so besorgniserregend, aber mit der Zeit merkte sogar ich, dass es immer ernster wurde. Man ist immer irgendwie egoistisch, auch und vielleicht, wenn man aufeinander angewiesen ist. Trotzdem tat ich für ihn, was immer in meiner Macht lag - aber mein Freund wurde müde.
Irgendwann stellte ich mich der Realität und akzeptierte die Trennung. Ich hatte fast alles an ihm gemocht, seine Bereitwilligkeit, seine Zuverlässigkeit, sein unauffälliges aber schönes silbergraues Outfit... und ich strich wehmütig mit der Hand über den mittlerweile etwas stumpf gewordenen Lack seines Verdecks, als ich mich endgültig von ihm verabschiedete. Es war nicht nur er, von dem ich Abschied nahm... es war einfach eine verdammt schöne Zeit, die zu Ende ging. © Text und Foto: Winfried Brumma, Pressenet Lesen Sie auch Die Zauberoper
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