HammerhartErzählung von I. E. Schwartz |
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Dann habe ich dieses Wirtshaus hier gefunden. Wahrscheinlich ist es eine Art Dorfkneipe, denn alles hier drinnen ist aus Holz gemacht. Sogar die Humpen mit Bier sehen aus wie kleine Fässer, was irgendwie ein ganz guter Gag ist. Als ich mich an den Kerl wandte, der hinter der Theke herumhantiert, hatte ich ein etwas mulmiges Gefühl, denn der sah aus wie der Präsident einer besonders üblen Rockergruppe. Lederweste auf nackter Haut, lange und wirre Haare plus dem Rauschebart. Ich habe nach Kaffee gefragt, aber da glotzte mich der Waldschrat nur an und brummelte irgendetwas in das Gestrüpp, das er um die Lippen trägt. Dann stieg mir der Duft in die Nase, der von dem großen Kessel herüberweht. Das Gefäß hängt über dem Feuer und etwas verdammt Gutes brodelt darin. Der Haarige folgte meinem Blick und schöpfte mir eine großzügige Kelle voll in eines dieser kleinen Fässer, aus denen alle hier trinken. Ich verzog mich damit in eine Ecke, und hier sitze ich nun und umklammere den Humpen mit den Händen. Das heiße Zeug schmeckt verboten gut, es ist eine Art Glühwein - aber was für eine. Ich genieße diesen Punsch in kleinen Schlucken und sehe mich um. Nachher werde ich den Keeper nach dem Telefon fragen - aber erst einmal wärme ich mich auf. Der Laden hier sieht gut aus, auf mittelalterlich oder so in der Art hergerichtet. Die Gäste sehen entsprechend aus, fast alle haben lange Haare und Bärte, tragen Lederkluft. Frauen gibt es auch, recht hübsche sogar. Mich beachtet keiner, und das ist mir auch sehr recht. Wo ich genau bin hier, weiß ich nicht, aber das spielt erst eine Rolle, wenn ich meine kältestarren Glieder wieder richtig gebrauchen kann. Für einen Novemberabend war der so plötzlich aufkommende Nebel viel zu eisig und zu dicht. Mein Wagen kann nicht allzu weit von hier sein, höchstens fünf Minuten Luftlinie.
Da kommt eine der Frauen zu ihm nach vorne, lehnt sich an die Treseneinfassung und meint lächelnd: "Hey, was ist passiert - hast du mal wieder jemandem gezeigt, wo der Hammer hängt?" Im Hintergrund kichern die anderen Gäste und ich habe das Gefühl, das jeder hier den Kerl kennt. Der dreht nicht mal den Kopf, sondern knallt den Krug vor die Nase des Wirts auf das Holz. Der versteht das Signal und schenkt eilig nach. Die Schöne, die übrigens recht drall ist, sagt dann noch: "Dein Umhang ist ziemlich hinüber, ist ja hammermäßig."
Da mischt sich die kurvige Dame wieder ein und sagt: "Komm schon, wir wissen doch alle, dass du einen Hammer hast." Jetzt kreischen alle vor Lachen, und der riesige Kerl gerät in ein Zucken, das auf mich wirkt wie ein epileptischer Anfall. Erst denke ich, gleich wird er zum Amokläufer werden, der Große - dann sehe ich, dass er lacht. Er schüttelt sich geradezu vor Gelächter und haut der Drallen dabei auf den Hintern. Eine weniger gut gebaute Frau hätte dieser "Tätschler" wohl auf die Bretter geschickt, aber diese hier verliert nicht einmal das Gleichgewicht. Dann haut Muskelberg dem weißhaarigen Einäugigen ebenso liebevoll auf die Schulter, und der Greis steht wie aus Blei gegossen. Was sind das hier für Leute... und vor allem, wo bin ich hier? Und als der Riese, vom Lachen erschöpft, noch einmal den Humpen ansetzt, sagt die Frau lachend zu ihm: "Hast uns foppen wollen, was? Ich dachte schon, du hättest deinen Humor verloren, Thor." © Text: Ilona Elisabeth Schwartz für Pressenet Die Abbildung des Thor ist ein Detail aus einem Gemälde von Marten Eskil Winge aus dem Jahr 1872 (Quelle: Wikipedia, Lizenz: gemeinfrei) Lesen Sie auch Mehr Respekt vor der Natur
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