Wie die Wiese entstand und andere AbenteuerDie phantastische Welt der Kinderbücher |
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Solche Freunde - die Kinderbücher - hatten wir alle einmal, und meist haben wir sie auch als Erwachsener nicht vergessen und sie unseren eigenen Kindern und Enkeln geschenkt. Und beim Vorlesen sind wir stets in eine bunte Zauberwelt eingetreten, in der es so richtig abenteuerlich war. Denn die Kleinen und ganz Kleinen sehen unsere Welt mit anderen Augen als wir, sie sind völlig offen und vorurteilsfrei. Geschichten von Elfen, Feen und sprechenden Tieren sind für sie einfach Dinge, die anderswo passieren und nicht etwa "gelogen" sind. Kinder können noch mühelos von einer Welt in die andere hüpfen und kleine Wunder einfach annehmen. Ob das nun eine Mäuschen ist, das in einem kleinen Haus wohnt und eine große Katze austrickst, wie in dem Buch von Richard Klatt, das die Illustratorin Silke Declerck mit bezaubernden Bildern ausgestattet hat, oder ob es darum geht, wie sich eine Raupe in einen Schmetterling verwandelt. Kinder haben ein Gespür für das Wunderbare, und sie nehmen es noch ganz selbstverständlich an. Wer Angst hat, dass sprechende Tiere und Zauberer den Realitätssinn stören könnten, dem sei versichert, dass dem nicht so ist. Die kleinen Leser und Hörer kennen den Unterschied genau, sie leben eben nur in mehreren "phantastischen Welten" gleichzeitig. Unsere eigene gehört natürlich auch dazu, denn sie ist voller kleiner Wunder. Kinderbuch-Autoren haben die Gabe, dies für die Kleinen sichtbar zu machen und es ihnen zu vermitteln. "Wieso wächst das Gras?" oder "Wo kommt denn die Wiese her?" könnten Fragen sein, die wir Erwachsenen uns eigentlich nicht stellen und auch keine Antwort parat haben. Natürlich kann man dann Luft holen und eine kleine Biologiestunde abhalten - aber wie viel schöner ist da eine Wunderstunde.
Wer von den Erwachsenen erinnert sich nicht an ein Lieblingsbuch, das ihn Jahre begleitet hat, dessen Bilder sich in die Träume schlichen und das noch lange aufbewahrt wurde, selbst als man schon "viel zu groß" war dafür. Lieblingsgeschichten sind einfach wichtig, das wissen viele Eltern, die ein und dasselbe Märchen hundertmal erzählen oder die gleiche Geschichte vorlesen. Kinder lieben es, sich damit auseinander zu setzen - es ist ein fester Bestandteil ihrer Welt und genau so vertraut wie das Lieblings-Plüschtier, das mit im Bett schläft. In den 1970er-Jahren gab es Pädagogen, die vor Verniedlichungen und allzu "wirklichkeitsfernen" Büchern für die Kleinen warnten, aber trotzdem erfreuten sich Prinzessinnen, Hexen, kluge Tiere und Bären großer Beliebtheit. Es gibt, wie wir eigentlich wissen sollten, keinen abrupten Bruch zwischen der kindlichen und der erwachsenen Wahrnehmung, es ist ein ineinander gleitendes Übergehen, in dem sich die Bilder wandeln. Es ist ein ständiger Prozess, in den man nicht oder nur sehr behutsam eingreifen sollte. Wenn Kinder also verrückt nach kindgerechten Geschichten sind, dann brauchen sie diese auch.
Kinder mögen Wissen, nur mögen sie es nicht trocken, sondern bunt und geheimnisvoll knisternd verpackt. Vielleicht wäre es eine gute Idee für Eltern und Großeltern, beim nächsten Termin, an dem Geschenke angesagt sind, die Süßigkeiten und elektronischen Selbstläufer außen vorzulassen und so eine Wundertüte in Buchform mitzubringen, vielleicht sogar mit den Kindern darin zu schmökern und die Bilder zu betrachten. Gerümpfte Nasen werden einfach nicht beachtet und die Geschichten ausgebreitet, damit der Zauber wirken kann. Bücher von Silke Declerck
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