Kochbuch von Eckart Witzigmann: Küche zum kleinen Preis

Wirklich "Ein Lichtblick für jeden Tag"?

(Mai 2011)   Das Neueste auf dem Büchermarkt, respektive in Sachen Kochbuch, ist ein Werk von Eckart Witzigmann: "Witzigmann & Freunde". Der Meister selbst hat nebst anderen Kollegen ein Buch herausgebracht, dessen ursprüngliche Idee eine "alltagstaugliche Kochanleitung" für mittellose Senioren war. Das klingt erst einmal gar nicht schlecht, vor allem dann, wenn man weiß, wie viele Senioren in der Republik ein äußerst knappes Budget haben.

Dann wird es allerdings etwas schwierig, denn in dem Werk wurden Kochrezepte für Gerichte zwischen 3 und 10 Euro zusammengetragen. Die Differenz gibt da doch sehr zu denken, denn zwischen den genannten Zahlen liegen Welten. Wie mittlerweile jedem bekannt, leben sehr viele alte Menschen in Deutschland unterhalb der Armutsgrenze. Die äußerst knappe Rente reicht meist nicht aus, um vernünftig leben zu können, viele müssen aufstockende Leistungen beantragen. Das aber tun bei weitem nicht alle bedürftigen Senioren, sie scheuen den Gang zu den Behörden. Im Klartext bedeutet es, dass nach Abzug von Miete und Strom kaum zweihundert Euro bleiben. Das wären pro Tag etwa sechs Euro. Davon müssen drei Mahlzeiten sowie alles andere, wie zum Beispiel Toilettenartikel oder Kleidung, finanziert werden.

Selbst wenn die meisten Gerichte im Kochbuch Witzigmanns unter drei Euro lägen, so wären sie kaum erschwinglich. Beziehen die alten Leute Zahlungen, sieht es zwar etwas besser, aber deswegen noch lange nicht gut aus. Drei bis zehn Euro täglich ist oft alles, was den Alten zur Verfügung steht. Davon können die Wenigsten drei Mahlzeiten mit Getränken auf den Tisch bringen - sie sparen ein, wo immer sie können.

Das Buch mag gut gemeint sein, schließlich geht ein Teil des Verkaufspreises an die zitierten "bedürftigen Senioren", doch zeigt sich die ganze Angelegenheit in einem recht zynischen Licht. Empfehlungen wie "Filets vom Bachsaibling in Rieslingcrème-Sauce" muten ein wenig sonderbar an, wenn man weiß, wie viele Alte sich warme Mahlzeiten verkneifen müssen. Der Gang zur "Tafel" ist etwas, das ein Mensch - der zwar auf ein arbeitsreiches Leben zurückschaut, aber im Alter bedürftig ist - eher scheut. Zudem ist man im Alter nicht immer in der Lage, dort stundenlang anzustehen, weil man eine zu hohe Nummernkarte gezogen hat. Dort gibt es Gemüse, Kartoffeln und manchmal auch Brot, wenn man Glück hat - raffinierte Sößchen und zarter Flussfisch kommen im Speiseplan der Senioren eher selten vor.

Die Alten, die sich mühsam durch die Straßen der Städte schleppen und alle paar Tage einmal den Weg zum Discounter schaffen, einsam in meist nicht gerade gut geheizten Wohnungen leben, weil sie die Nachzahlungen für die im Alter so notwendige Wärme scheuen, diese werden nicht einmal wissen, dass es dieses Buch gibt. Und im Falle dass doch, winkten sie wahrscheinlich ab. Denn es gehört zu einer Welt, zu der sie keinen Zugang mehr haben, von der sie weit abgerückt sind. Leisten könnten sie es sich sowieso nicht - denn die 12,80 Euro bedeuten für viele der Betroffenen eine Überlebensgarantie für mehrere Tage, inklusive Essen und allem anderem. Daran ändert auch der im Kaufpreis enthaltene Obolus für die Armen nichts. Wäre man selber ein wenig zynisch, könnte man vielleicht sagen, dass der Name des Autors hier Programm sein dürfte. Das sollte der Einzelne für sich entscheiden.

© "Kochbuch von Eckart Witzigmann: Küche zum kleinen Preis" - ein Textbeitrag von , 2011.

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