Codex AlimentariusZur Nutzung von Heilpflanzen |
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Außerdem ist es besser, im Schutze der Nacht hierher zu kommen. Viele Heilkundige stehen im Ruf, mit dem Teufel im Bunde zu sein, und das hat schon manchen das Leben gekostet. Seit alters her haben die kundigen Menschen es verstanden, mit den Gaben der Natur die Krankheiten der Menschen zu heilen oder doch zu lindern, und das hat nichts mit dem Bösen zu tun. Die Frau lacht kurz auf, als sie daran denkt, was der Pfaffe auf der Kanzel gepredigt hat. Von Hexerei hat er gesprochen, von dunklen Umtrieben und noch Schlimmerem - aber doch ist er des Abends zu ihr gekommen seiner Schmerzen wegen. Ihr Sud von Wermut und Minze hat sein allabendliches Unwohlsein besiegt. Die Frauen der kleinen Stadt haben immer nach ihr oder anderen Kräuterkundigen geschickt, wenn es um das Wochenbett und das Gebären ging - aber jetzt ruft man sie selten. Man beobachtet sie missgünstig und mit sehr scharfen Augen, schon mehrere Male wurde sie gehört, was ihre Heilkräuter und ihr Wissen betraf. Sie weiß, dass es um nichts anderes als um Macht geht, dass die Pfaffen nichts dulden wollen, was ihrem Wissen entgegensteht. Und deshalb hat sie sich dumm gestellt und nur von ihren Kräutersuden gesprochen, deren Rezeptur sie von ihrer Mutter hat und die nichts schaden wiewohl sie bei kleinen Beschwerden gut tun. Zwar hat der Bruder Gärtner in der Abtei auch ein großes Wissen, was die Heilkräfte der Pflanzen betrifft - aber er weiß nichts von den Leiden der Armen und vor allem denen der Frauen, die sich ihm gewiss nicht anvertrauen. Jetzt hat sie ihren Beutel voll mit dem Johanniskraut, und als sie die Lichtung verlässt, schaut sie noch einmal zurück, von einer plötzlichen düsteren Ahnung ergriffen. Die widerwillige Duldung wird bald ein Ende haben und es wird ihr verboten sein, die Kräuter zu sammeln. Und wenn das so ist, möge Gott den Kranken helfen, da sie es nicht mehr kann. + + +
Die Zeiten, in denen jeder sorglos "mit Kanonen" auf Spatzen geschossen hat, sprich jeder kleine Husten mit Antibiotika behandelt wurde, sind längst vorbei. Dieser Missbrauch hat eine zunehmende Resistenz der Erreger zur Folge gehabt, was das Etablieren chronischer Beschwerden erleichtert hat. Wenn der Anbau und die Verwendung der natürlichen Heilmittel stark reglementiert oder, wie in Kanada, sogar unter Strafe gestellt würde, hätte der Patient wieder ein gutes Stück seiner neu entdeckten Mündigkeit verloren. Im Allgemeinen ist Kräutermedizin frei von Nebenwirkungen, bzw. sind diese überschau- und kontrollierbar. Zudem können verschiedene Mittel variiert werden, es gibt praktisch in jeder Klimazone der Erde Heilpflanzen, die dort seit Jahrtausenden angewendet wurden. Regelungen, um die Naturmedizin einzuschränken, sind mit Sicherheit nicht leicht durchzusetzen, denn fast jedes Gewürzkraut hat auch heilende Kräfte - wie zum Beispiel Fenchel, Minze oder Petersilie. Wahrscheinlich müsste man im EU-Rat monatelang Pflanzenbücher wälzen, um Zuordnungen zu machen. Wer sich seine eigene Minze oder Zitronen-Melisse im Garten zieht, um einen wohlschmeckenden Tee frisch zubereiten zu können, muss erst einmal nichts befürchten - wenngleich die Pharmalobby das vermutlich nicht sehr gerne sieht. Es muss jedem Menschen selbst überlassen sein, ob er seine Gesundheit der Naturmedizin anvertraut oder sich auf Gedeih und Verderb den chemischen Mitteln und somit auch den mannigfaltigen und vor allem gefährlichen Nebenwirkungen aussetzt, ohne dass es sein müsste. So manche Magenverstimmung verschwindet mit einem Kräutertee, wenn auch der Arzt gerne ein chemisches Präparat verschreibt. Die moderne Chemie und ebenso die Medizin haben beide ihre Berechtigung - doch der gesunde Menschenverstand stellt folgende Regel auf: erst das Kraut, dann die Chemie, dann das Messer. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Dinge entwickeln, doch der amtliche Zugriff auf den Kräutergarten sollte auf jeden Fall unterbleiben. Die Abbildung zeigt den Baldrian, eine Zeichnung von Franz Eugen Köhler (Quelle: Wikipedia, Lizenz: gemeinfrei) Lesen Sie auch Schicksalsdeutung im Supermarkt
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