Das Gelbaugenpinguin-Reservat in Gore

Ein Beitrag der Autorin Ulla Schmid

Pinguine in Neuseeland

Bei einer organisierten Neuseelandrundreise vor ein paar Jahren hat unsere Reisegruppe das Gelbaugenpinguin-Reservat in Gore, in der Nähe Dunedins auf der Südinsel Neuseelands, besucht. Die Führung durch dieses Reservat war hochinteressant und wir haben sehr viel über Pinguine erfahren.

Dieses Reservat ist Teil einer Schaf-Farm und wird ausschließlich durch veranstaltete Führungen für Touristen finanziert. Gelbaugen-Pinguine (Megadyptes antipodes; Maoriname: Hoiho = der laute Schreier) kommen nur hier an der Südostküste der Südinsel vor; diese Tierart ist also endemisch und dazu eine der seltensten Pinguinarten der Welt. Quer über den Augen dieser Pinguinart verläuft ein gelber Streifen, was diesen Pinguinen zu ihrem Namen verholfen hat. 1986 wurde dieses Reservat zum Zwecke der Aufzucht und des Artenschutzes von Howard McGrouther und Scott Clarke gegründet. Bei der Gründung gab es vier Brutpaare, inzwischen existieren schon ein paar Brutpaare mehr.

Jeder Pinguin ist eine "Persönlichkeit", hat seinen eigenen Ring und bekommt von den Bediensteten des Reservats einen Namen. Hier leben die Pinguine geschützt; keine den Pinguinen gefährliche Tiere können in dieses Reservat eindringen. Die Lebensgeschichte jedes einzelnen wird genau aufgezeichnet.

Im Alter von drei bis vier Jahren sind die Männchen geschlechtsreif, die Weibchen sind das schon ein Jahr früher. Pinguine auf Brautschau und das Hochzeitsritual haben etwas Rührendes an sich. Das Männchen guckt sich ein Weibchen aus, stellt sich vor dieses hin und "singt". Es kann sein, dass das erste Weibchen nichts von ihm wissen will, und so stellt sich das Männchen vor ein anderes Weibchen, um zu "singen". Das kann sich bis zu zehn Mal wiederholen, bis ihn endlich ein Weibchen erhört. Bis zum Tod sind beide Geschlechter fruchtbar und brüten, soweit erwiesen, jedes Jahr. Hier gibt es die "Einehe", wenn die Brutsaison gut gelaufen war. Bei Misserfolgen kann es dann schon mal zur "Scheidung" kommen.

Pinguine legen normalerweise Ende September / Anfang Oktober zwei Eier. Beide Elternteile brüten etwa sechs Wochen lang zu gleichen Teilen. Desgleichen werden die über alle Maßen niedlichen Küken etwa vier Wochen lang von beiden Elternteilen versorgt. Dann sind sie flügge und gehen ihre eigenen Wege. Bereitgestellte Nistkästen schirmen sie von anderen Brutpaaren ab und spenden gleichzeitig Schatten. Aber das Wichtigste: Sie bieten Schutz vor eingeführten Raubtieren, z. B. wildernden Katzen, Frettchen, Hermelinen, Wieseln. Vor der vollständigen Ausrottung im 18./19. Jahrhundert konnten sich die Pinguine nur retten, weil sie sich aufs Meer zurückziehen konnten. Jedes Pinguin-Paar hat sein eigenes Territorium um sein Nest herum und Pinguine können bei Bedrohung sehr aggressiv werden.

Als Jungvögel gelten Küken, die ihre Eltern schon verlassen haben. Man kann sie an ihrem grauen Kopf erkennen und sie haben noch nicht den gelben Streifen um den Kopf, den sie erst ein Jahr nach der Mauser bekommen. Zunächst einmal gehen die jungen Pinguine - und nur die Jungtiere wandern - drei bis vier Monate an der Südostküste Neuseelands auf Wanderschaft und besuchen andere Kolonien.

Natürlich mausern sich alle Pinguine, und die Mauser findet im April/Mai statt, etwa einen Monat nach dem Flüggewerden der Jungen und dauert etwa einen Monat. Dabei werden die alten Federn abgeworfen, damit sich ein neues Federkleid bilden kann. In dieser Zeit können die Pinguine nicht ins Meer, um sich Nahrung zu besorgen. Im Monat vor der Mauser fressen sie sich deswegen einen Vorrat an, um überleben zu können. Die Pinguine verschaffen sich dann mittels einer Art Öl, das sie aus einer Öldrüse in der Nähe ihrer Schwanzregion herstellen, ein wasserabweisendes Gefieder. Dieses Öl wird auf dem ganzen Körper verteilt und diese Prozedur wird jeden Abend wiederholt.

Wenn Gelbaugenpinguine sich untereinander verständigen wollen, so haben sie mehrere Arten von Lautäußerungen. Bei der gegenseitigen Begrüßung von Partnern stoßen sie einen Laut aus, der als trompetenartig bezeichnet wird, wobei dieser Ruf von beiden Partnern gleichzeitig ausgestoßen wird. Die Augen sind die besten Sinnesorgane, dabei verleiht dem Gelbaugenpinguin ein doppeltes Augenlid gutes Sehen sowohl im Wasser als auch an Land. Geruchssinn existiert so gut wie gar nicht, aber dafür können sie recht gut hören.

Bei der Nahrungssuche nach Dorschen, Sardinen, manches Mal nach Tintenfischen, findet ein tägliches Ritual statt, dabei können Pinguine bis zu 123 Metern tauchen. Im Durchschnitt beträgt die Tauchtiefe etwa 50 Meter und die Tauchgänge sind zwischen zwei und fünf Minuten recht kurz; dafür müssen sie dann halt öfter tauchen.

Mit maximal 65 cm Größe sind die Gelbaugenpinguine die drittgrößte Pinguinart der Welt und sie wiegen im Schnitt 5 bis 6 Kilogramm, vor der Mauser 7,5 - 8 Kilogramm. Das Durchschnittsalter beträgt 20 - 25 Jahre; der älteste Pinguin wurde 32 Jahre alt. Nur etwa 14% der Pinguine erlebt das fortpflanzungsfähige Alter, dann entscheiden sie sich nach ihrer Wanderschaft für einen Ort, um dort zu leben, sich zu paaren und zu brüten - und dort sterben sie auch.

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© "Das Gelbaugenpinguin-Reservat in Gore" - ein Textbeitrag von Autorin Ulla Schmid; Bild der Pinguine: pixabay.com, CC0 (Public Domain Lizenz)

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