Tarot für die Tafelrunde

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Wir wissen, dass wir beim Arbeiten mit dem Tarot sehr viel über uns oder die Situation, in der wir uns befinden, erfahren können. Der Tarot kann Beziehungen analysieren, vieles über unser eigenes soziales Umfeld aussagen und sogar Schlüssel für Türen finden, die wir längst für immer verschlossen glaubten. Das alles ist bekannt und wird im günstigen Fall für unsere eigene Weiterentwicklung genutzt.

Aber es gibt noch viel mehr Möglichkeiten, um aus diesem Brunnen zu schöpfen. Warum machen wir nicht einmal eine Tarot-Runde? Man kann zum Beispiel mehrere Freunde einladen, um gemeinsam in diesem uralten Buch zu schmökern. Zuweilen schleicht sich in sonst wie Pech und Schwefel zusammenhaltende Cliquen ein Missklang ein - etwas, das vielleicht nicht direkt benennbar ist. Man könnte beim besten Willen nicht "den Finger darauf legen", aber alle Beteiligten spüren, dass etwas nicht stimmt. Das gilt natürlich auch für Verwandte oder Familienmitglieder.

Ist die sonst gewohnte Harmonie getrübt, wirkt sich das nicht gerade positiv auf die einzelnen Menschen aus. Wer sehr sensibel auf Strömungen und Stimmungen reagiert, leidet sehr darunter. Es ist natürlich vor allem eine Sache des Vertrauens, aber wenn jeder guten Willens ist, besteht die Möglichkeit, die Störungen zu beseitigen - allein dadurch, dass man sie erkennt und die Dinge wieder ordnet.

Das schon vorgestellte Legesystem "Der blinde Fleck" eignet sich hervorragend für eine Gruppensitzung, denn hier ist es möglich, die Ergebnisse mit den Freunden zu diskutieren. Aber vor allem sollte miteinander ein eigenes System zusammengestellt werden. Das könnte so aussehen, dass jeder eine Karte für sich zieht, deren Position mit "so wirke ich auf die anderen" bezeichnet wird, und dass direkt eine weitere Karte gezogen wird, die anzeigt, wie man sich selber sieht. Nun werden reihum die Karten "gelesen" und gedeutet.

Der Wert eines solchen Experimentes liegt vor allem in der Diskussion, denn jeder wird einiges beizusteuern haben und jeder wird noch den einen oder anderen Aspekt hinzufügen. Plötzliche Eingebungen oder spontane Einfälle werden völlig neue Denkansätze und Sichtweisen sozusagen "auf den Tisch" bringen. Wer so etwas schon einmal ausprobiert hat, weiß, dass neben interessanten Erkenntnissen selten so herzlich gelacht wird, was grundsätzlich heilend und entspannend wirkt. Es könnte sogar sein, dass die Karten auf dem Tisch ganz schnell aus dem Fokus verschwinden, weil man miteinander lacht und auf unverkrampfte Weise so einige Altlasten entsorgt - und das ist genau das Ergebnis, auf das man gehofft hatte.

Natürlich kann es auch zu Tränen kommen, denn vieles, was wir nicht so richtig in unser Bewusstsein dringen lassen wollen, lauert irgendwo, weil wir es eben aufbewahrt haben. Eine unwirsche Entgegnung, ein zu grober Spaß, eine vorübergehende kleine "Eiszeit", und vor allem dumme kleine Missverständnisse, das sind Dinge, die wehtun und sich geradezu verkapseln, weil nicht darüber gesprochen wird. Eine Tarotrunde kann solche Dinge lösen, Knoten entwirren und quasi wieder in den vorherigen Stand versetzen - vorausgesetzt, man lässt sich im besten Sinne darauf ein und verzichtet auf Dinge, die absolut nicht an den Tisch gehören, wie Anklagen oder sinnlose Standpunktverteidigung um des Selbstzweckes willen.

Ihrer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, entwickeln Sie gemeinsam ein eigenes System für eine solche Tafel, das auf Ihre Anliegen zugeschnitten ist. Einer der Anwesenden stellt vielleicht ein Problem oder eine Sackgasse, in der er sich befindet, in den Kreis, und der Tarot unterstützt die Ratschläge der anderen. Wie auch immer die Runde gestaltet wird - mit Sicherheit finden alle neue und gute Anregungen, wie man konkret aufeinander zugehen kann, und vielleicht lernt man den einen oder anderen besser und intensiver kennen.

Ein solches Abenteuer, denn das ist es letztendlich, soll kein Partyspaß werden, sondern ein ernsthafter Ansatz, um gemeinsam neue Wege zu finden oder alte wieder gangbar zu machen, Freundschaften zu festigen oder Hilfe zu leisten. Und Ernsthaftigkeit schließt jede Menge Lachen mit Sicherheit nicht aus.

© Ein Beitrag von Eleonore Radtberger für Pressenet

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