Sucht oder Suche - das soziale Leben im Netz

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Internetsucht

Internetsucht ist ein Wort, das keiner so gerne hören möchte und von dem viele denken, dass es das überhaupt nicht gibt. Selbsthilfegruppen, Suchtberatungen, verzweifelte Eltern oder Lebenspartner könnten da sehr viele Geschichten erzählen, und die sind einigermaßen alarmierend.

Dass das Internet wahrscheinlich unverzichtbar geworden ist, wird nicht bezweifelt - es verbindet Menschen und informiert auf vielfältige Weise. Interessante Links zu Zeitgeschehen und Dingen, die gerade heiß diskutiert werden, vergrößern Dank der interessierten Nutzer das Nachrichtenspektrum doch sehr. Die Meldungen in den gängigen Medien sind nicht immer ungefiltert, und so macht das Internet es möglich, sich weitaus umfassender zu informieren. Das ist nur eines der Vorteile - die globale Vernetzung der Menschen bietet weitaus mehr. Sie bringt Menschen zusammen, die sich unter normalen Umständen niemals treffen würden und gibt ihnen die Möglichkeit, miteinander zu kommunizieren und sich auszutauschen - über Kontinente hinweg.

Allerdings betrifft die Internetsucht wohl kaum Menschen, die es auf die beschriebene Weise nutzen oder aber ihr Geld damit verdienen, sondern solche, die entweder immer mehr Zeit mit Online-Spielen oder aber in verschiedenen "Sozialen Netzwerken" verbringen. Gegen beides ist normalerweise nichts einzuwenden, jeder Mensch kann sich so entspannen, wie er mag und es schadet niemandem - auffällig wird es dann, wenn diese Art der Beschäftigung das reale Leben verdrängt oder zu einem bloßen Kontext macht.

Wer sich auf den verschiedenen Communities umsieht, erlebt da so manches, das befremdend bis alarmierend wirkt: Beziehungen werden öffentlich beendet oder begonnen, Streitigkeiten und Gefühle jeder Art gepostet - für jeden sichtbar. Vorgefertigte Statusmeldungen sind da sehr praktisch: "ist in einer Beziehung mit xyz" kann morgen schon lauten: "es ist kompliziert". Auf der Webseite kann man auch gleich lesen, wieso das so ist. Es findet eine Verlagerung statt - das direkt Erlebte wird sofort in das Internet verschoben und dadurch entweder weniger real - oder erst dann als Realität erlebt. Der erste Fall bedeutet, dass man zwar nicht ableugnet, aber dafür von sich schiebt, was direkt belastend wäre. Man hat den Streit, das Verlassenwerden oder sonst eine persönliche Schwierigkeit "woandershin" geräumt und so erst einmal eine Distanz geschaffen.

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Mit den verknüpften Kontakten kann der Fall ausdiskutiert werden, aber das geschieht unter der Regie desjenigen, der es öffentlich macht. Niemand hat mitbekommen, was wirklich passiert ist und nimmt die absolut subjektive Wahrnehmung als gültige Realität. So wird eine ziemlich dicke Isolationsschicht geschaffen, die mit der Zeit unverzichtbar wird. Ohne diese, mit einem oder mehreren Menschen, denen man in die Augen sehen kann, bzw. muss, ist es immer weniger möglich, Gefühle oder Probleme direkt auszudrücken oder zu bewältigen. Eltern leben es vor, Jugendliche machen es ebenso und verpassen jede Übung für das real existierende soziale Leben und die feinen Variationen des Menschlichen und Zwischenmenschlichen.

Ein weiterer Fall bezeichnet Menschen, welche die Realität gegen das Zweitleben im Internet ausgetauscht haben. Man sitzt beispielsweise im Café und löffelt ein Eis - in früheren Zeiten hätte man sich entspannt um den Schokoladenbecher gekümmert oder die Tüten mit den Einkäufen im Auge behalten. Das tritt allerdings zurück hinter der Notwendigkeit, mit seinem Smartphone den Eisbecher zu fotografieren und auf der Lieblingsseite zu posten. Dazu kommt dann der Satz: "Bin gerade Eis essen - lecker lecker." Hier ist nicht die Rede von einem launigen Urlaubs-Post, der von einem Strand-Café am Mittelmeer aus losgeschickt wird - das wäre ja tatsächlich etwas Besonderes. Wir sprechen hier vom Café um die Ecke, wo man hektisch nach dem Smartphone sucht, die Eisbecher oder den Espresso auf dem Tisch arrangiert und sich jede Gemütlichkeit nimmt. Ist es nicht auf der Seite der Foto-Community, dann ist es nicht wirklich passiert.

Das Mitteilungsbedürfnis der Menschen ist scheinbar so angewachsen, dass man der Internetseite anvertraut, was man früher kaum dem engsten Freund gesagt hätte - und kaum noch etwas tun kann, ohne es öffentlich zu dokumentieren. "Ich poste, also bin ich - nehmt mich wahr", das scheint eine der Botschaften zu sein, die hinter dem Erlebnisexhibitionismus steht. Und weil man nicht immer die Zeit hat, die man braucht, oder nicht so recht weiß, wie man den Hunger nach Äußerung befriedigen und ausformulieren kann, gibt es ganze Seiten mit ernsten oder lustigen Sprüchen, die sich posten lassen.

Man muss also immer weniger tun, um Aufmerksamkeit zu haben, muss sich tatsächlich kaum noch wirklich äußern. Es geht mit einem Klick. Und vor allem ist es völlig ungefährlich - denn niemand sieht einem in die Augen und fragt wirklich nach, oder prüft das, was gesagt wurde - gleichgültig wie es nun tatsächlich aussieht.

Gefährlich wird es dann, wenn diese Art der Kommunikation langsam aber sicher zur einzig möglichen wird. Und diese Gefahr ist nicht zu unterschätzen. Wer nur auf diese Weise mit anderen Menschen kommuniziert, verliert die Fähigkeit in der Realität, was bedeutet, dass er sich - will er nicht komplett vereinsamen - immer wieder vernetzen muss.

Auf lange Sicht bedeutet das nichts Gutes - Menschen die versuchen die Realität zweigleisig zu leben, werden wahrscheinlich den Bezug dazu verlieren, weil sie die bequemere Ebene mit der Zeit vorziehen werden. Für die Gesellschaft, wie wir sie kennen, und für auch das "miteinander umgehen", wird das auf längere Sicht Folgen für das soziale Gefüge haben.

© Text und Foto zu "Internetsucht - das soziale Leben im Netz":

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