Aurora Sea: Nachricht - Zwei Wochen später

Leseprobe aus dem Fantasy Roman von Nadine Stenglein

Sagen-Buch

Tierbuch

Fantasy-Buch

Buch der Autorin Nadine Stenglein

Ich setzte mich auf mein Bett und blätterte in einem Fotoalbum, das Mom einst zusammengestellt hatte.

Inmitten des Albums entdeckte ich ein großes Familienfoto, auf dem meine Eltern so natürlich wirkten, wie sie auch in Wirklichkeit immer gewesen waren. Ich vermisste so viel, tausend Kleinigkeiten. Paps Lachen, seinen Humor, mit dem er meine Mutter oft in den Wahnsinn getrieben hatte, und seine spontanen Ideen.

Mir fehlte Moms warme Stimme, die kleinen Ausflüge, die wir oft unternahmen, und wie wir über Gott und die Welt diskutierten. Wir waren immer füreinander da gewesen, wie eine Bilderbuchfamilie. Zu schön, um wahr zu sein, hatte ich manchmal gedacht.

Langsam blätterte ich weiter. Wenn ich meine Eltern mit einem Wort beschreiben müsste, dann würde ich das Wort Wiege wählen. Denn genau das waren sie immer für mich gewesen. Eine Wiege, in die ich mich betten konnte, und die mich aus allem herausschaukelte. Genauso aber wollte ich auch für sie da sein. Nun konnte ich nichts tun und es machte mich wahnsinnig.

»Willst du mit Georg und mir Krabben essen, Emma?«, rief Tante Mathilda nach oben.

»Danke, aber ich hab keinen Hunger«, erwiderte ich und ließ mich rücklings aufs Bett fallen. Noch immer waren die Suchaktionen nach der Boeing ergebnislos geblieben.

Jeden Tag hatte ich positiven Neuigkeiten entgegengefiebert und mit den Angehörigen gefühlt. Ich schüttelte den Kopf und dachte wieder einmal an die letzten Stunden, die ich mit meinen Eltern verbracht hatte. Sie hatten nicht fliegen wollen, als mich am Vortag der Abreise eine Sommergrippe überraschte. Ich war es, die sie davon abbrachte, den Flug sofort zu stornieren, wusste ich doch, wie lange sie sich schon auf diese Reise nach Atlanta gefreut hatten.

Zudem hatte sich Tante Tilli bereiterklärt, auf mich aufzupassen, und sich sogleich auf den Weg gemacht. Mom hatte mir abends Lieder vorgesungen und Paps mir doch noch seine neueste Idee für sein nächstes Buch verraten. Danach hatten wir gemeinsam »Mensch ärgere Dich nicht« gespielt und waren zusammen eingeschlafen.

Ich wünschte, sie hätten den Wecker am nächsten Morgen nicht gehört oder nicht auf mich.

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Wenige Stunden nach ihrem Abflug war die Passagiermaschine vom Radar der Luftüberwachung verschwunden. Kein Hilferuf des Piloten, nichts. Nur Stille. Alles, was blieb, waren Fragen, die niemand beantworten konnte und Vermutungen, die sicher nicht nur bei mir Albträume auslösten. Die Ungewissheit zeichnete immer schrecklichere Bilder. Nach dem neuesten Ereignis lief ich Gefahr, mich wieder zu sehr in ein Tief hineinzukatapultieren. Ich ahnte, dass mein Jahresurlaub so enden würde.

Ablenkung musste her. Also beschloss ich, nach Tinnum zu gehen, in mein Lieblingscafé, um dort eine Tasse mit heißer, weißer Schokolade und extra viel Sahne zu trinken.

»Wann kommst du zurück?«, wollte Tanta Mathilda wissen und lächelte mir vom Küchentisch aus zu, an dem sie mit Georg bei einem Glas Wein, frischen Krabben und Weißbrot saß.

»Weiß noch nicht. Ich geh mal ins Roxy. Bestimmt sind Mel und Björn auch dort.«

»Na, dann viel Spaß, Deern!«, wünschte Georg, bevor ich das Haus verließ.

»Und Jacke nicht vergessen«, bemerkte Tante Mathilda. Sie sah in mir immer noch das kleine Mädchen, aber ich nahm es ihr nicht übel, meistens jedenfalls.

Artig schnappte ich mir meinen blauen Parka, der im Flur an der Garderobe hing, und machte mich auf den Weg. Der Wind war rau und schnitt mir ins Gesicht, als ich durch die Dünen lief. Von Tante Tillis Anwesen aus war es ungefähr ein halber Kilometer, bis man auf das erste Haus der Ortschaft traf.

Die Kieselsteine des schmalen, schlangenförmigen Weges, der nach Tinnum führte, knirschten unter meinen Schuhen. Ich atmete tief ein und langsam wieder aus und schickte Melanie eine SMS.

Mel und Björn waren seit meiner Ankunft hier auf Sylt an meiner Seite und die besten Freunde, die ich mir vorstellen konnte. Schon bevor ich hierhergezogen war, kannte ich die beiden von Kurzurlauben - wenn auch nur flüchtig.

Bin auf dem Weg ins Roxy. Sehen wir uns da?

Wie gedacht, kam die Antwort prompt. Björn ist krank, aber ich komme - klar. Bis gleich. Freu mich!

Ich schickte ihr einen Smiley. Als ich Tinnum erreichte, piepste erneut mein Handy. Hoffentlich war es nicht Mel, die doch noch absagen wollte, weil ihr vielleicht etwas dazwischengekommen war.

Ich zog das Handy aus der Tasche und warf einen Blick aufs Display. Die SMS kam von einer unbekannten Nummer. Seltsam. Dennoch öffnete ich sie und las.

Hier ist Jamie. Ich bin Passagier der Maschine gewesen, die vor ein paar Tagen über dem Atlantik abgestürzt ist. Brauche deine Hilfe. Bitte! Dies ist KEIN SCHERZ. Kann jetzt nicht mehr schreiben, sie kommen.

Im ersten Moment war ich so entsetzt, dass mir das Handy beinahe aus den Händen gefallen wäre. Erst nach ein paar Sekunden setzte mein rationaler Verstand wieder ein. Das konnte doch nur ein schlechter, absolut niveauloser Scherz sein. Von wegen Hilfe! Ich steckte das Handy wieder ein und marschierte mit einer Portion Wut im Bauch weiter. Wie konnte man nur so dreist sein? ...

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© Bei der Autorin Nadine Stenglein bedanken wir uns für die Leseprobe "Aurora Sea: Nachricht - Zwei Wochen später" und die Abbildung des Buchcovers.

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