Die Fürther Diebes- und Räuberbande |
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Ein leises Quietschen, leise schabende Geräusche, ein sachter Hall wie von weichen Tritten - dann Stille. Eine gute halbe Stunde später öffnet sich die Hintertür einer Gastwirtschaft und vier Gestalten huschen hinein. Im Innern steht eine Frau mit einem matten Talglicht und weist schweigend mit dem Kopf zur Stiege. Die vier bilden eine Kette und schaffen mehrere schwere Bündel die steile Treppe hinauf. Als die Bündel verstaut sind, gehen die Männer mit den dunklen Umhängen und den geschwärzten Gesichtern ihres Weges - in den Gassen vor der Wirtschaft trennen sie sich. Am nächsten Morgen wird sich wohl ein Fürther Tuchhändler die Haare raufen, wenn er sein Lager in der Seitengasse sieht. Aber dann wird keine Spur zu finden sein - niemand, der irgendetwas gehört hätte. Was die Gastwirtschaft betrifft, so sind die Bündel in der nächsten Nacht unterwegs mit einem Fuhrwerk, das mit Apfelweinfässern beladen die Stadt verlässt. Alles ist vonstatten gegangen, ohne dass ein Wort gesprochen wurde - eingespielt wie eine gute Theatertruppe gehen die Männer ihrem Handwerk nach. Sie gehören zur berüchtigten Fürther Bande, die im ganzen Landkreis operiert. Niemand kennt die genaue Zahl ihrer Mitglieder, die meisten haben einander nie bei Tageslicht gesehen. Um der größtmöglichen Sicherheit willen spricht man sich einander niemals mit den wahren Namen an. Zur Bande gehören viele Gruppen, die unabhängig voneinander operieren, und zwar an verschiedenen Orten. So wie in dieser Nacht in Fürth geschieht gleiches oder ähnliches in Augsburg oder Nürnberg. Bis ins Thüringische und Oberpfälzische hinein reicht der Einfluss der Bande.
Wo es Papiere braucht, wie Frachtbriefe oder andere Dokumente, hilft ein im Sold stehender Drucker aus. Einer der Köpfe der Bruderschaft ist ein Mann namens Franz Troglauer, ein überaus findiger Kopf mit großem Organisationstalent. Dieser hat sich einen gewissen Ruhm erworben durch einen berühmt gewordenen Fischzug beim Bamberger Weihbischof. Erbeutet wurden von dem hohen geistlichen Herrn 12000 Gulden und, zur allgemeinen Belustigung, der Bischofs-Stab. Sonst ist man auf weniger große Beute aus. Lebensmittel, Gebrauchs- und Luxusgüter wie Stoffe und Schmuck. Ein weit verzweigtes Hehler- und Zubringernetz sorgt für die Verteilung und den Verkauf. Die Behörden kämpfen gegen eine Hydra mit unzähligen Köpfen. Da es keine eigentliche Bande mit einem Hauptmann gibt, sondern nur einzelne, effizient zuschlagende Gruppen, ist die Organisation nicht wirklich greifbar. Damit hat man keine Erfahrung, und so fischen die Ermittler im Trüben. Wohl sind einzelne Namen bekannt, wie Troglauer oder ein anderer Kopf: Jakob Meusel. Doch das nützt nicht viel, man kommt gegen die unzähligen Augen und Ohren der Organisation nicht an. Doch im Jahre 1798 wird ein entscheidender Durchbruch erzielt. Mehr durch Zufall wird ein Mitglied der Bande in einem fränkischen Ort festgenommen. Der Mann heißt Philipp Schreier und erweist sich als Instrument zum Zerschlagen des Banditenringes. Unter Druck, und aus Angst vor der Todesstrafe, erzählt der unglückliche Mensch alles, was er über die Bande weiß. Noch heute existiert das sehr umfangreiche Verhörprotokoll. Schreiers Festnahme ist ein absoluter Glücksfall für die Exekutive und der Anfang vom Ende der Fürther Bande. Die von Schreier genannten Namen ermöglichen erstmals eine organisierte Suche nach bestimmten Personen. Bisher war das nicht möglich, nun aber werden Steckbriefe gedruckt und überall hin versandt. Diese Art der Fahndung hat endlich den bisher versagten Erfolg. Über hundert Bandenmitglieder bleiben im Fahndungsnetz hängen. Die meisten Verhafteten kommen auf die Festung Wülzburg und werden dort verhört. Dem Bruder des berühmten Troglauer gelingt die Flucht von dort, die aber in Bamberg endet. Nach den umfassenden Verhören werden die meisten Frauen auf freien Fuß gesetzt, viele Männer zu Zuchthausstrafen verurteilt. Der legendäre Franz Troglauer allerdings kann erst im Jahre 1800 dingfest gemacht werden. Er wird im Mai 1801 gehängt. Auf diese Weise wurde eine Organisation zerschlagen, die zu dieser Zeit ihresgleichen suchte. Solche organisatorischen Leistungen waren zu einer Zeit, in der viele Menschen des Lesens und Schreibens unkundig waren, bemerkenswert. Frei nacherzählt von Ilona Elisabeth Schwartz, © Pressenet Lesen Sie auch Drachenweihnacht
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