Lasset die Kindlein zu mir kommen

Das Diktat der Kirche

Beichten und Wiedergutmachen

Seit rund zweitausend Jahren leben viele Menschen auf dieser Erde unter dem Diktat der römisch-katholischen Kirche. Was abenteuerlich begann, entwickelte sich rasant zu einem immensen Machtapparat mit wechselndem Fokus, was die "Lehre" betraf.

In den vielen Konzilen, die im Laufe der Geschichte abgehalten wurden, gab es Debatten mit Inhalten, für deren Protokolle jeder Kabarettist richtig viel Geld zahlen würde, hätte er mit einem solchen Programm doch Lachsalven, von denen er sonst nur träumen kann.

Fragen nach der Genealogie des Christus, nach seinem Geldbeutel, erbitterte Streitereien, die das Armutsgelübde betreffen - nicht jeder Kirchenfürst hielt es mit der Mäßigkeit, es kam nur darauf an, das auch entschuldigen zu können. Kaum den Arenen der römischen Kaiser entronnen, bauten die Diener Gottes ihre eigenen Folterhäuser und bedienten sich der ausgeklügeltsten Apparate und Raffinessen in Sachen Quälerei.

Das Wort "Im Namen Gottes" geriet zu einem gefürchteten Logo, das als blutrotes Etikett für ungezählte Morde, Ungerechtigkeiten und alle vorstellbaren Verbrechen diente. Zieht man die damaligen Zeiten in Betracht, ist verständlich, weshalb sich niemand wunderte über die klaffende Distanz, die zwischen dem - zwar im Sinne des Klerus umfrisierten, aber dennoch konträren - Gehalt der Heiligen Schrift und dem Tun der Kirchenmänner herrschte.

Die wenigsten Menschen im damaligen Europa konnten lesen, und das Hebräische und Griechische, in dem die Bibel abgefasst war, schon gar nicht - das blieb den Priestern vorbehalten. Jeder Gläubige war auf das angewiesen, das er von den Priestern hörte, er konnte den Wahrheitsgehalt nicht nachprüfen.

Durch Einsatz eines Mönchs aus Eisleben änderten sich die Dinge. Dieser gewisse Martin Luther fand den Unterschied seinerseits auch zu beträchtlich und wollte die Wurzeln aufzeigen - er geißelte öffentlich das Krämertum und die Hurerei der Kirche, die mit Ablassbriefen teuflisch viel Geld verdiente, und machte sich zu einem der gefürchtetsten Männer seiner Zeit. Nebenbei bemerkt hielt er auch nichts vom Zölibat, denn das kam so in der Schrift überhaupt nicht vor.

Als Luther nun daranging, die Heilige Schrift in das Deutsche zu übersetzen, wurde er sozusagen vogelfrei. Er lud sich da ein großes Stück Arbeit auf und vollendete es aber mit Fleiß und Hingabe. Was immer man über den Reformator Luther denken mag, er revolutionierte die ganze Welt - nicht nur die Religion. Nebenbei schuf er ein allgemein gültiges Schriftdeutsch für seine Arbeit - vorher gab es das in diesem Sinne nicht.

Nun war die Bibel ein gefährliches Buch geworden - und zu manchen Zeiten stand der Besitz derselben unter Strafe. Denn wer lesen konnte, war nun in der Lage, sich "selber zu bedienen" und nicht mehr auf andere angewiesen. Zum Leidwesen der Kirche machte die Erfindung des Buchdrucks das Verbreiten einfacher und man fürchtete umstürzlerische Bewegungen. Die Glaubenskriege jener Zeit sind ein dunkles Kapitel der Menschheitsgeschichte und forderten hohen Tribut an Menschenleben. Aber ob nun lutherische oder römische - die Daumenschrauben waren bei allen Fraktionen in Gebrauch.

Es kamen die Scheiterhaufen, die ganz Europa in ein höllisches Licht tauchten, und der Teufels- und Hexenwahn entvölkerte das Land genauso nachhaltig wie die Pest. Hier hatte sich die Frage nach dem "Warum machten die Menschen das mit?" noch nicht gestellt. Zu einer Zeit, in der selbst Könige vor Priestern knieten, war eine Rebellion gegen die Kirche bei der Bevölkerung nicht einmal im Ansatz denkbar, denn man hatte sehr gute Arbeit geleistet und eine Art geistigen Kerker geschaffen, dem ein einfacher Mensch nicht entrinnen konnte.

Die Zeit der Aufklärung kam und die Naturgesetze rückten in den Vordergrund, doch hatte die Kirche noch keinen Handbreit Boden verloren. Als die Neuzeit anbrach, überlebte die Institution weiter, und als die Kirche dem Nationalsozialismus nicht den Rücken zudrehte, überlebte sie unbegreiflicherweise wiederum. Die Menschen sahen bunt gewandete Männer, die sich in Weihrauchschwaden bewegten und erkannten nicht, dass es keinen Unterschied gab zu den heidnischen Tempeln der Antike.

Prunkgewänder und einlullende Rauchschwaden damals wie jetzt. Die Christen hörten alte Männer hasserfüllten Unsinn reden und reagierten nicht. - Die Christen sahen auch zu in der jüngsten Zeit, als die letzten Päpste die Institution wieder in das finsterste Mittelalter zurückgebeamt haben, und die Gläubigen sagen nicht: "Halt!" Die Kirchenfürsten bilden Exorzisten aus, wie seit den Tagen der Scheiterhaufen, und niemand fragt, wann die erste Hexe oder der erste Hexer brennen wird. Man wird es in der Bild-Zeitung ja lesen können.

Die Kirche verbietet die Verhütung, um Leben zu retten und hortet Schätze, während Kinder verhungern. Niemand sagt dazu viel, die Macht der Gewöhnung übertrifft zuweilen sogar die Macht des Vatikans. Die dubiosen Geldgeschäfte des Miniaturstaates in Rom verursachen sogar bei Christen nur noch ein Schulterzucken - oder vor allem bei denen. Viele der Verbrechen sind in der Vergangenheit geschehen und sind nicht rückgängig zu machen.

Während der ganzen Zeit seit des Zweiten Weltkrieges hat man Kinder und Erwachsene in den Beichtstühlen zum Popanz gemacht, meist wegen lächerlichster Verfehlungen. Wer seinen Lehrer belog, musste zehn Ave Maria beten, während Priester Atombomben segneten und Standortpfarrer das Töten als gottgefälliges Tun predigten. Warum sich die gesamte Christenheit da nicht an den Kopf fasste, ist ein Mirakel - aber jetzt wissen wir, dass Talarträger unsere Kinder missbrauchten und quälten, wo sie ihrer habhaft werden konnten. Das waren keine Ausnahmen, das war die Regel.

Wer jetzt nicht aufsteht und endlich "Halt!" sagt - oder besser noch: brüllt - gibt sein Einverständnis ab. Wer jetzt noch glaubt, dass diese Dinge dem Vatikan nicht bekannt waren, braucht einen Eimer eiskaltes Wasser über den Kopf - das beschleunigt das Aufwachen.

Lasset die Kindlein zu mir kommen - wie viele Kindlein sollen noch in die Fänge dieser Patres geraten? Kirche

© "Lasset die Kindlein zu mir kommen" - ein Textbeitrag von , 2010.

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