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Manche Geschichten kann man nicht erfinden, sie passieren einfach.
Über Jahrzehnte hinweg hat Ulrich Kramer sowohl privat als auch beruflich die Welt bereist und dabei jene Momente gesammelt, die im Gedächtnis bleiben: unerwartete Begegnungen, glückliche Zufälle und Situationen, die sich kaum planen lassen, die aber alles verändern können.
In seinem Kurzgeschichtenband "Yellow Bag und andere verrückte Geschichten" erzählt er nun von diesen Momenten und entführt die Leserschaft in Geschichten voller überraschender Wendungen, hilfsbereiter Menschen und Augenblicke, in denen sich scheinbar zufällige Ereignisse zu einem größeren Bild zusammenfügen.
Diese wahren Erlebnisse zeigen: Wer mit offenen Augen reist, entdeckt überall das Unerwartete – und oft auch ein kleines Stück Glück.
Unsere Leseempfehlung: (Werbelink) "Yellow Bag und andere verrückte Geschichten" enthält kleine, unabhängige Episoden, die sich aber irgendwie zusammenreimen, ein Bild von Zufällen oder auch Fügungen ergeben und so das Vertrauen in ein letztlich doch glückliches Schicksal zulassen. Dazu braucht es Augen, um es zu sehen, Fantasie, um es zu interpretieren, sowie Mut und Zuversicht. Auf diesem Weg sind Begegnungen mit besonderen Menschen wichtig. Sie sind besonders, weil man sie genau in dieser Situation getroffen hat. Es könnten auch Nachbarn von nebenan sein.
Das Taschenbuch enthält 16 authentische Reiseerlebnisse aus aller Welt. Der Erzählband von Ulrich Kramer erschien Anfang Juni 2026 und umfasst 198 Seiten. Als E-Book ist es ebenfalls erschienen.
Manchmal muss etwas Besonderes geschehen, damit man sich aufrafft und Geschichten erzählt, wahre, erfundene oder solche, die man von anderen gehört hat. Auch wenn man viel erlebt hat, mit offenen Augen durch die Welt marschiert ist und zahllose Erinnerungen an Erlebnisse aus erster Hand besitzt, kommt es einem nicht selten so vor, dass das, was man schon oft zum Besten gegeben, und das, was man bisher verborgen gehalten hat, eigentlich gar nicht so wichtig oder einzigartig ist – bis andere einen ermuntern, das noch einmal zu erzählen oder, noch besser, doch endlich einmal aufzuschreiben.
Kommt dann noch eine besondere Situation dazu, wie die einschneidenden Einschränkungen einer Pandemie, dann hat man einen guten Grund, sich aufzuraffen und es anderen nachzutun, die vielleicht noch weniger Spannendes, aber dennoch Geschichten erfolgreich zu Papier bringen. Geschichten wurden immer schon erzählt und gerne gehört, um sich die Zeit zu vertreiben, um Neues und Seltsames zu erfahren und um daraus vielleicht auch etwas für das eigene Leben zu lernen. Wer sie erzählt, teilt sich mit, wer sie hört, versetzt sich in eine andere Welt des Denkens und Geschehens, oft auch in eine andere Zeit. Sie sollen Freude bereiten und können in ihrer Fülle Sinn im Unsinn enthalten.
Ob die Geschehnisse nachahmenswert sind, wird sich zeigen. Oft wird ja nur versucht, einen Augenblick einzufangen, etwas, für den, der es erlebt hat, Einmaliges zu schildern und mitzuteilen. Fast jeder erlebt und hat Geschichten, aber nicht jeder schreibt sie auf. Mancher allerdings hat keine und erlebt auch nichts ... Nie. Manch anderer erlebt laufend Geschichten, glaubt aber nicht oder merkt gar nicht, dass es welche sind, und das Leben zieht vorbei.
Matthias arbeitete in Teheran und war mit Sarah verheiratet, sie hatten ein kleines, gerade einmal einjähriges Töchterchen, Leni, und Sarah war wieder im sechsten Monat schwanger. Weihnachten rückte heran und die beiden überlegten, was sie an den freien Tagen tun sollten und wo sie diese am besten verbringen könnten. Skifahren im iranischen Elbrus-Gebirge kam wegen Sarahs Zustand nicht infrage. Teheran lag in Eis und Schnee, der warme Süden des Iran war wenig attraktiv, Europa war weit und ebenfalls kalt. Es sollte in der Nähe und warm sein und man wollte etwas Neues sehen, ein Land, in dem man noch nicht gewesen war – und ganz wichtig, wo Sarah als Iranerin kein Visum brauchte.
Eine Pauschalreise kam auch nicht in Betracht, denn die beiden wollten auf eigene Faust etwas erleben. Auch sollte es nicht sehr teuer sein, sie hatten ja erst vor Kurzem geheiratet und waren noch im Aufbau. Zumindest Matthias dachte so, Sarah hätte es gerne etwas aufwendiger gehabt. So fiel dann die Wahl auf Pakistan – nicht gerade ein Traumziel für einen Weihnachtsurlaub. Natürlich war das alles noch vor der iranischen Revolution.
Es ging per Flugzeug nach Karatschi und dort in ein mittelklassiges Hotel, das aber schön, gut genug war und günstig in der Stadt lag. Das Wetter war traumhaft, die Stadt hatte mehr zu bieten als gedacht, es gab viel Fremdländisches zu sehen. Bauwerke, Denkmäler, Moscheen, die Ruinen und Gräber der frühislamischen Epoche in Thatta, hundert Kilometer vor der Stadt, waren eindrucksvoll und das Essen in ausgewählten Restaurants schmeckte hervorragend.
Farsi gilt in Pakistan als Bildungssprache, Urdu enthält sehr viele Worte persischen Ursprungs und die Schrift ähnelt der im Iran. Viele ältere Inschriften sind in der persischen Sprache. Deutsche und Iraner waren allseits willkommen und die Leute waren ausgesprochen höflich und nett.
Das Abenteuer ging weiter mit einer Reise per Zug im Schlafwagen in das Industal zu den Ruinen von Mohenjo Daro, einer der ältesten Stadtsiedlungen der Welt, mit einem einzigartigen Museum und hervorragend konservierten Ausgrabungen. Schließlich flogen sie in den Norden nach Lahore, einer Stadt mit herrlichen Moscheen, Palästen und den weltberühmten Shalimar Gardens. Der Aufenthalt in dem wunderschönen, alten Lafayette Hotel war bezaubernd. Alles in allem so weit eine fantastische Reise!
Als sie per Flug zurück in Karatschi waren, wurde für einige Tage als Unterkunft das exklusive Beach Hotel gewählt, das vierzig Kilometer vor Karatschi wunderbar am Strand lag und seinerzeit das beste der Stadt war. Insbesondere war auch das Essen, vor allem sämtliche Seafood-Gerichte, hervorragend. So war die Stimmung auf dem Höhepunkt und alles war rundum bestens.
Der Rückflug in den Iran sollte am späteren Nachmittag erfolgen, also checkten sie nach dem Frühstück aus und gaben das Gepäck zur Aufbewahrung, um noch einige Stunden etwas zu unternehmen. So hatte dann Matthias die glorreiche Idee, in den Hafen zu fahren, die Schiffe und die Seefahrt hatten schon immer eine besondere Anziehungskraft auf ihn gehabt. Sarah fand das gut und sie winkten vor dem Hotel eines der zahlreichen Taxis herbei, stiegen ein und Matthias machte dem Fahrer klar, dass er zum Hafen und anschließend wieder zurück zum Hotel fahren sollte.
Irgendwie klappte die Kommunikation nicht ganz, Matthias regte sich auf, dass der Fahrer den Taxameter nicht einschaltete. Das tat er auch dann nicht, als Matthias darauf bestand. Die Erklärungen des Fahrers verstand Matthias nicht. Wahrscheinlich war es so, dass für die lange Fahrt zum Hafen der Taxameter nicht infrage kam, sondern ein auszumachender Fahrpreis. Aber darauf kam Matthias nicht, es brach ein Streit mit dem Fahrer aus, Matthias ließ anhalten und er und Sarah, die Leni im Arm hielt, stiegen am Straßenrand in Unfrieden aus, ohne zu zahlen. Der Fahrer war zu Recht verärgert und kehrte um.
Da standen sie nun am Wegesrand und schauten sich an, und bevor sie realisiert hatten, wie unsinnig das alles war, kam eine Motorradrikscha des Weges. Matthias hielt sie an. "Can you take us to the harbour?" "Yes, no problem." Also stiegen sie auf, Matthias sagte: "Na siehst du, das ist doch viel schöner mit der Rikscha an der frischen Luft." Und tatsächlich, der laue Fahrtwind brachte angenehme Kühlung und zerzauste die Haare.
Sarah, die Leni hielt, fragte plötzlich: "Hast du die gelbe Tasche?" "Nein, die hast doch du immer gehabt." "Aber ich habe doch jetzt Leni im Arm, die gelbe Tasche musst du haben!" Die gelbe Tasche war nicht da, weg. Man war mit der gelben Tasche ins Taxi eingestiegen und ohne die gelbe Tasche ausgestiegen. Sie musste im Taxi zurückgeblieben sein, in dem Taxi, mit dessen Fahrer es einen blödsinnigen Streit gegeben hatte. Verdammt!
In der gelben Tasche war alles: Windeln und ein Fläschchen für Leni. Die Pässe. Das Buch mit der iranischen Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung für Matthias. Die Brieftasche mit Geld und Kreditkarten usw. Die Flugtickets. Sozusagen das ganze Leben.
"Was machen wir jetzt?", fragte Sarah. Matthias klopfte dem Rikschafahrer auf die Schulter. "Bitte dreh um, zurück zum Beach Hotel!" Sarah brach in Tränen aus. "Wie kommen wir jetzt nach Hause zurück?" Matthias war am Boden zerstört und begriff das Ausmaß der Situation: Wie sollte er in der Millionenstadt mit den Tausenden von Taxis gerade dieses eine wiederfinden, mit dessen Fahrer er einen Streit angefangen hatte, der sich sicherlich mit dem Inhalt der Brieftasche für die ungerechte Behandlung entschädigt hatte und über alle Berge verschwunden war ...?
Es war später Donnerstagvormittag. Der Flug würde um 17:30 Uhr gehen. Morgen, Freitag, war Feiertag. Matthias hatte zum Glück sein Portemonnaie in seiner Hosentasche, darin waren im Gegenwert noch ca. 100 US-Dollar und eine American-Express-Kreditkarte. Das Beach Hotel war schon bezahlt. Das war die Situation.
"Also", sagte Matthias, "ich rufe jetzt die Deutsche Botschaft an." Einen Ersatzpass könne man sofort ausstellen, sie sollten bitte mit drei Passbildern am Samstagvormittag vorbeikommen, so die Auskunft.
"Also", sagte Matthias, "das hätten wir, bei den Deutschen, da klappt es. Jetzt rufen wir die iranische Botschaft an, am besten sprichst du mit denen, Sarah."
Sarah klagte dem Mitarbeiter der iranischen Botschaft unter Tränen ihr Leid.
"Ja, Khanom, wir helfen Ihnen, das ist doch kein Problem, aber heute ist es zu spät, wir haben eine iranische Regierungsdelegation hier und morgen, am Freitag, haben wir geschlossen. Kommen Sie bitte am Samstagvormittag. Das Kind – kein Problem, schreiben wir in Ihren Ersatzpass."
"Brauchen Sie Passbilder?" "Nein, brauchen wir nicht."
Matthias: "Gut, jetzt rufen wir die Iran Air an und teilen mit, dass wir heute nicht fliegen können."
Die: "Okay, wann wollen Sie denn fliegen, nächste Woche, ja, gut, sagen Sie bitte so früh wie möglich Bescheid, wir versuchen unser Bestes."
Matthias resümierte: "Also, heute läuft nichts mehr, morgen auch nicht und heute Nachmittag machen alle Geschäfte zu. Ich brauche Passbilder, wir brauchen Geld von American Express und wir brauchen ein anderes Hotel, denn das Beach Hotel ist für die nächsten Tage ausgebucht. Weißt du was, Sarah: Du bleibst mit Leni im Garten oder in der Lobby hier im Hotel und ich nehme mir ein Taxi, fahre zu American Express, hole da Geld, gehe zum Fotografen, mache Passbilder und besorge uns ein Hotel in der Stadt. Dann komme ich zurück, hole dich ab und wir fahren zu dem neuen Hotel."
Matthias nahm ein Taxi, fuhr zu American Express, holte den Maximalbetrag von 250 US-Dollar, ließ Passbilder machen und besorgte ein günstig zu den Botschaften gelegenes Hotel, kehrte zurück zum Beach Hotel. Zum Fahrer sagte er: "Bitte warte hier, ich hole meine Frau und das Gepäck und dann fahren wir zurück in die Stadt."
Er fand Sarah und Leni. Sarah hatte sich etwas beruhigt und erzählte, dass sie im Hotel Mitglieder der iranischen Regierungsdelegation getroffen und denen unter Tränen die Geschichte erzählt habe. Es seien auch hochrangige pakistanische Regierungsbeamte dabei gewesen, auch Militärs und der Polizeichef von Karatschi. Dem habe sie die ganze Geschichte erzählt und er habe gesagt: "Khanom, das ist kein Problem! Wir haben in Karatschi an jeder wichtigen Straßenkreuzung einen Polizeiposten. Ich werde jetzt sofort den Befehl geben, dass alle Polizeiposten in Karatschi den Fahrer und das Taxi mit der gelben Tasche, the Yellow Bag, suchen – und finden, das verspreche ich Ihnen! Seien Sie ganz beruhigt, das wird alles gut, kein Problem!"
Und die Iraner hätten dann gesagt: "Sehen Sie, Khanom, wir Iraner haben hier die besten Beziehungen, machen Sie sich keine Sorgen, die Tasche bekommen Sie zurück und bei der Botschaft ist alles geregelt, gehen Sie am Samstag hin. Es kommt alles in Ordnung!"
"Nun gut", sagte Matthias, "dann lass uns jetzt das Gepäck holen und zum anderen Hotel fahren. Besser hätte es ja nicht laufen können und hier können wir jetzt nichts mehr machen." Zusammen mit den Gepäckträgern gingen sie zum wartenden Taxi, dessen Fahrer den Kofferraum öffnete, um das Gepäck einzuladen.
Genau in diesem Moment kam ein anderes Taxi schnell direkt auf sie zugefahren, die Türen flogen auf. "Yellow Bag?", rief einer. Matthias, total perplex, gab zurück: "Yes, where is it?" Die Antwort kam postwendend: "American Embassy, please come." ...
Ulrich Kramer wurde 1942 in Allenstein geboren. Nach einer dramatischen Flucht aus Ostpreußen in den Kriegswirren kam er über Österreich nach Norddeutschland. Nach der Schule absolvierte er eine Lehre, studierte, unternahm diverse Auslandsaufenthalte, besuchte Sprachkurse und promovierte. Anschließend war er in anspruchsvollen Tätigkeiten im In- und Ausland tätig. Da er über gute Kenntnisse in vier Fremdsprachen verfügte, war er danach mehrere Jahrzehnte lang Inhaber und Leiter eines privaten Colleges für Sprachen und Wirtschaft in Süddeutschland. Er unternahm unzählige Reisen weltweit. Später begann er eine Segelausbildung für Hochsee-Yachten, unternahm zahlreiche Törns im Mittelmeer und schließlich eine Weltumseglung. Ein Jahrzehnt lang war er mit seiner Yacht in der Karibik und im Pazifik unterwegs. Aufgrund einer pandemiebedingten Blockade in Neuseeland musste die Yacht jedoch verkauft werden. Heute lebt er in Baden-Baden.
© "Reiseerlebnisse: Yellow Bag und andere verrückte Geschichten": Für die Textauswahl aus seinem ersten Buch danken wir dem Autor Ulrich Kramer sehr herzlich, 06/2026.
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Taschenbücher von Eleonore Radtberger sowie von Ilona E. Schwartz
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