Atomkraft: Sofort abschalten!

Japan und der Super-GAU

Atomkraftwerk AKW

(März 2011)   Die Menschen hatten es schon fast vergessen, die Katastrophe von Tschernobyl im April 1986 und alles was damit zusammenhing.

Außer in Harrisburg, USA 1979, hatte es keine größeren Unfälle in einem Reaktor gegeben. Und in Harrisburg war vieles vertuscht worden, obwohl die Anwohner die sonderbarsten Dinge berichteten, wie zum Beispiel das Massensterben von Singvögeln, die ein Händler in Volieren in seiner Garage hielt - ohne erkennbaren Grund lagen sie alle tot auf den Käfigböden. Trotz dieser und ähnlicher Vorfälle behaupteten die Betreiber des Atomkraftwerkes, dass es nur einen unbedeutenden kleinen Zwischenfall gegeben und zu keinem Zeitpunkt Gefahr für die Bevölkerung bestanden hätte.

Mit Sicherheit gab es auf der ganzen Welt mehrere "unbedeutende kleine Störungen", die aber meist nie bekannt wurden. Die Atomkraft hatte von Anfang an ein schlechtes Image - zwar sollte sie das Etikett der sauberen und sicheren Energiegewinnung tragen - doch die Gegner hatten sich schnell formiert. Man hat ihnen alles Mögliche vorgeworfen, von Panikmache bis Anarchie ... doch die unbelehrbaren Demonstranten gegen die schöne neue Zukunft mit sauberem Strom sollten recht behalten. Als in Russland der Meiler bei der Stadt Tschernobyl kollabierte, wurde die Öffentlichkeit nicht informiert und ebenso wenig die Zivilbevölkerung der Umgebung. Als der Westen erfuhr, was geschehen war, litt die Bevölkerung im relevanten Gebiet bereits unsäglich.

Die aufgeschreckten Wissenschaftler wussten, was die Menschen nicht sofort realisierten - nämlich, dass ein Reaktorunfall niemals nur die engste Umgebung, nicht einmal nur das betreffende Land betriff. Die Wolke des langsamen Todes verflüchtigt sich nicht einfach und verbleibt auch nicht da, wo sie entsteht, der Wind hilft ihr auf die Reise zu gehen - wohin, unterliegt dem Wirken der Elemente. Aber auch wenn sie zerstreut und in das Unendliche auseinandergefächert wird, so verliert sie nicht ihre Wirkung. Damals wurden in Skandinavien, vor allem in Finnland, besorgniserregende Werte festgestellt, und man warnte sogar in Deutschland vor dem Verzehr wild wachsender Pilze und vor allem dem Genuss von Wild. Tatsächlich ist durchaus nicht sicher, ob sich dies nicht auch noch Jahre nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl empfiehlt - denn die Halbwertzahlen sind angenommene Werte rein mathematischer Natur und keineswegs belegt.

Eine Atomkatastrophe ist kein Ereignis, das geschieht und dann irgendwann vorbei ist, wie etwa ein Erdbeben oder eine Dürre. Denn wie die Menschheit durch die Schrecken von Hiroshima und Nagasaki gelernt hat, betrifft es die kommenden Generationen ebenso. Der auf unbestimmte Zeit verseuchte Boden birgt Krankheit und Tod, die er weitergibt. In Russland bestellten die Bauern ihre Felder wie vorher auch, sie hatten keine andere Wahl - und die Auswirkungen sind mittlerweile dokumentiert. Krebserkrankungen, Missbildungen bei Menschen und Tieren treten immer noch auf - denn das geschädigte Erbgut ist nicht reparabel.

Jetzt bedroht eine Katastrophe, die weitaus größer sein wird als die in Russland, unsere Erde. Das in diesen Tagen durch Erdbeben und Flutwellen fürchterlich geschlagene japanische Land ist in großer Gefahr, denn gleich mehrere Reaktoren stehen vor der Schmelze. Die Erdbeben haben zu schlimmen Funktionsstörungen geführt, die Wasserkühlung ist ausgefallen und die Kerne sind eine Zeitbombe der apokalyptischen Art. Das stark erdbebengefährdete kleine Land mit seiner sehr hohen Bevölkerungsdichte ist hoch technisiert, und die Verantwortlichen gingen davon aus, dass die Reaktoren sicher seien. Das waren sie vielleicht sogar, doch haben die Beben die von den Erbauern einkalkulierte Stärke weit überschritten.

So gesehen wäre es fast zu erwarten gewesen, dass gerade Japan der nächste Schauplatz eines GAUs oder vielleicht sogar Super-GAUs sei - tatsächlich könnte so etwas in jedem Land der Welt passieren. Die Ereignisse, die eine Kettenreaktion bilden, welche zu einem Unfall führt, können nicht vorhergesehen werden. Menschliches oder technisches Versagen oder eine Mischung aus beiden ... niemand kann so etwas ausschließen, wie die Protokolle von Tschernobyl belegen.

Wenn wir davon ausgehen, dass auch hierzulande nicht alle Störungen bekannt werden, und dass es nicht immer stimmen muss, dass "keinerlei Emissionen ausgetreten" sind, weil wieder einmal ein Reaktor mehrere Tage wegen "Wartungsarbeiten" abgeschaltet wird, können wir uns vorstellen, wie die Verantwortlichen im Falle eines GAUs reagieren. Es wäre auf jeden Fall für die im nächsten Umkreis lebenden Menschen zu spät, um zu flüchten. Das ist keine Schwarzseherei, das ist eine logische Folgerung, die aus dem resultiert, was wir aus der Historie der energetisch genutzten Atomkraft wissen - und was wir vor allem darüber wissen, wie die Regierungen damit umgehen.

In Japan ist die Bevölkerung insoweit vorbereitet, dass sie weiß, was geschehen könnte, wenn es nicht gelingt, die Situation unter Kontrolle zu bringen. Daran gedacht, dass so etwas geschehen kann, hat vermutlich niemand. Wir werden sehen, wie die Regierung Japans und wie die Welt damit umgeht.

Erstaunlicherweise wird in Deutschland jetzt heiß diskutiert, ob der Ausstieg aus der Atomkraft nicht doch vorgezogen werden sollte - ist es tatsächlich so, dass Macht die Weitsicht dermaßen einschränkt? Muss die Politik ein akutes Beispiel vor Augen haben, um daran erinnert zu werden, wie schwer beherrschbar die Kernenergie ist? Sollte Japan die Situation nicht in den Griff bekommen, sollte das reichen, um den sofortigen Ausstieg zu initiieren - denn betroffen wird die ganze Welt sein.

© Text zu "Atomkraft: Sofort abschalten!": , 2011. Bildnachweis: pixabay.com, CC0 (Public Domain Lizenz)

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