Drei Wochen in Nepal

Reise-Notizen von Lothar Seifert

Drei Wochen in Nepal (Reise-Notizen von Lothar Seifert)

Auszug aus den Reise-Notizen von Lothar Seifert, der bereits seit 2007 Nepal, Indien und Kashmir besucht. Die hier beschriebene Nepal-Tour fand im Juli 2011 statt:

Die Berge in Nepal besitzen eine gewisse Anziehungskraft, deshalb wollte ich einmal dorthin einen Abstecher wagen. Nach meiner Ankunft in Kathmandu sagte prompt ein Freund zu mir: "Ich kann dir über einen Bekannten einen Freund vermitteln, der nach einem Hauptstadtbesuch wieder in sein Heimatdorf fährt." So fuhr ich mit einem mir bisher unbekannten Mann, seiner Schwester und zwei Jungen mit einem Überlandbus in dessen Dorf in die Berge. Solche Fahrten sind für Europäer recht ungewöhnlich. Allein die Mengen an Frachtstücken, wie Säcke und Kisten im Gang, die große Anzahl von Menschen im Bus und auf dem Dach des Fahrzeuges, sind gewaltig. Dazu noch jede Menge an Ziegen und Hühnern. 9 Stunden Fahrt, die ich eigentlich für das alte Fahrzeug für technisch unmöglich halten würde.

Der völlig überladene Bus nimmt gewaltige Steigungen in Angriff, bleibt oft im durch den Monsun aufgeweichten Boden stecken, und so muss man sich auch daran gewöhnen, selbst im Sitzen noch mit dem Kopf gegen die Decke zu prallen. Dass die vielen Menschen auf dem Dach des Busses nicht herunterfallen, ist erstaunlich. Der Fahrer genießt meine absolute Hochachtung. Dazu spielt er die vollen 9 Stunden nepalesische Musik, die sich in meinem Kopf einhämmert (muss ich unbedingt kaufen). Nach der Fahrt steht noch ein langer Fußmarsch bei strömendem Regen an. So folgt eine Strapaze der anderen. Während eines Motorradausfluges nach Nagrakot hatte ich mir meine Ferse am Auspuff verbrannt und bin mit einer Zehe in das Rad einer Rikscha gekommen. So konnte ich die gesamte Reise nur mit Badesandaletten machen, was zu gefährlichen Rutschpartien führte.

Im Dunkeln kommen wir im Haus meines Führers an. Hier lebt das Volk der Chhetri. Diese Kaste zählt neben den Bramahnen zu den höhergestellten Volksgruppen und ist mit der indischen Kriegerkaste vergleichbar. Damit stehen sie über den aus Tibet eingewanderten Tamang, den Nevaries, den aus Indien stammenden Tharus oder wie all die vielen Völker Nepals noch heißen mögen. Strom im Haus gibt es wie so oft keinen, für Licht habe ich deshalb immer Kerzen im Gepäck. Der Großvater im Haus begrüßt mich mit einem freundlichen Namaskar, seine Frau verbeugt sich tief zum Namaste. Schnell füllt sich ein kleines Zimmer mit Familienmitgliedern und Nachbarn.

Die Kinder und Erwachsenen kichern ununterbrochen hinter der vorgehaltenen Hand, während sie mich anschauen. Nach dem Verteilen meiner mitgebrachten Schokolade und Salami (mit so vielen Mündern habe ich wirklich nicht gerechnet) singen drei Mädchen ein Lied für mich. Das ist wunderschön und ein unbeschreibliches Glücksgefühl steigt in mir auf. Im Zimmer im Untergeschoss befindet sich ein kleiner Lehmherd, einen Rauchabzug gibt es aber nicht. Die Menschen sitzen bei den Mahlzeiten in Hockstellung auf kleinen Brettchen, während die Hausfrau neben dem Herd kniend mit eine Kelle immer wieder Essen verteilen möchte. Welche Mengen von Dalbath in großer Geschwindigkeit mit der rechten Hand in den Mund geschaufelt werden ist erstaunlich. Dazu haben sie noch eine für mich nicht identifizierbare dunkle Masse auf dem Teller, die offensichtlich Kraft geben soll.

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Lothar Seiferts Nepal-Reise 2011 brachten für ihn einige Veränderungen in seinem Leben. Er sucht auf vielerlei Wegen Helfer und Sponsoren für Schulkinder. Ein Junge und zwei Mädchen, die Unterstützung brauchen, werden - fleißig wie so viele andere nepalesische Kinder auch - ihre Chance zur Ausbildung nutzen.

Den erweiterten Reisebericht sowie zahlreiche Fotos finden Sie hier: Nepal

Lesen Sie auch Lothar Seiferts Beitrag Eine Reise durch Indien, Kashmir und Nepal (2007)

© "Drei Wochen in Nepal" - Textbeitrag und Foto: Lothar Seifert, 2011

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