Nell Gwyn - Das Mädchen von der Straße |
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Das Wort Maîtresse bedeutet "Meisterin", und das waren sie auch, die klugen und schönen Frauen, die oftmals größer Hof hielten als die Königinnen. Wer eine solche Karriere ins Auge fasste, musste ebenso klug sein wie hart in gewisser Weise - denn die Favoritin des Königs hatte zwar eine sehr hohe Stellung inne, aber sie konnte auch tief fallen - zum Beispiel Barbara Villiers, die legendäre Lady Castlemaine, ihres Zeichens langjährige Geliebte Karl II. von England, die ebenso für ihre Launenhaftigkeit bekannt war wie für ihre Prachtentfaltung. Meist kamen die "offiziellen" Mätressen aus dem niederen Adel, was sich sehr schnell ändern konnte, wenn sie sich dauerhaft in ihrer Stellung hielten. Eine kluge Frau wurde sehr viel reicher und mit höherem Titel aus der Gunst des Königs entlassen, vor allem, wenn sie Kinder von ihm hatte. Karl II., der von seinen Untertanen seines ausschweifenden Liebeslebens wegen auch "The Merry Monarch" genannt wurde, war seinen Geliebten meist über Jahre treu, wenn er der Vater ihrer Kinder war. Seine Mätressen haben einen festen Platz in der Geschichte und sind noch heute zu bewundern in einer Gemäldeserie des zeitgenössischen Malers Sir Peter Lely.
Im Gegensatz zu ihren Nebenbuhlerinnen verlangte die einstige Prostituierte kaum etwas - eine Stellung am Hof bedeutete ihr nichts. Nell muss eine warmherzige und intelligente Frau gewesen sein, denn sie ersparte Karl vieles an Peinlichkeit. Seine Mätressen vergaßen zuweilen, dass ihre Stellung nicht felsenfest, sondern eher labil war, so hielten die hysterischen Anfälle der Louise de Kérouaille den Hof in Atem und sorgten für Klatsch über die Landesgrenzen hinaus. Das Volk liebte Nell Gwyn ihrer Einfachheit wegen und weil sie nicht vorgab, mehr zu sein als sie war. Noch heute sind ihre Aussprüche legendär - so wurde einmal ihre Kutsche mit Unrat beworfen, weil man sie für das Gefährt der katholischen Madame de Kérouaille hielt. Mrs. Gwyn steckte den Kopf aus ihrer Kutsche und meinte: "Seid anständig, Leute - ich bin die protestantische Hure."
Als Karl II. starb, wurde ihr der Zugang zu ihm untersagt, ebenso wie ihr die Erlaubnis verwehrt wurde, Trauer um ihn zu tragen. Nell starb noch, bevor sie die Vierzig erreichte, und für ihr Begräbnis verfügte sie all den Pomp und die Pracht, die sie im Leben eher vermieden hatte - fast vierhundert Pfund kostete die Beerdigung; für diese Zeit war das eine riesige Summe. Eine Anekdote aus ihrem Leben macht deutlich, wofür sie stand, die kleine Nell aus der Drury Lane: Als ihr Kutscher einmal einen Mann verprügeln wollte, weil der sie eine Hure genannt hatte, hielt Nell Gwyn ihn mit folgenden Worten ab: "Nun, eigentlich ist es ja eine treffende Bemerkung." Was Wunder, dass man sie liebte. © Winfried Brumma, Pressenet
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