Leserbrief: Sterbehilfe - Recht auf einen würdigen Tod?

Thema Sterbehilfe: Recht auf einen würdigen Tod?

Sterbehilfe

Mich hat dieser Text wütend gemacht, da er das Leid, das manche Menschen ertragen, trivialisiert. Dass nicht jeder Suizid selbstbestimmt ist, dass es viele unreife -- vor allem junge -- Menschen gibt, die sich töten, das sehe ich ein. Doch natürlich gibt es auch Menschen, die durch Denken, durch Abwägen den Tod, oder besser: das Nichts wählen.

Da ist zum Einen, dass man sich nicht gezeugt hat. Niemand hat danach gefragt, geboren zu werden. Das Leben ist aufgezwungen.

Zum anderen die harsche, vor allem durch die Naturwissenschaften entzauberte Realität. Wir sind nackte Schimpansen, entstanden durch einen brutalen, blinden und vernunftlosen Prozess, durch die Evolution, die dadurch in Gang gesetzt wurde, dass ein DNS-Molekül vor 4 Mrd. Jahren lernte, sich zu replizieren. Kalte, harte Chemie und Physik, das ist alles. Kein Gott, keine Seele.

Kommen dann noch körperliche Leiden hinzu, so z. B. ... ein niedriger IQ, der einen ständig scheitern lässt im Leben, dann versteht es sich von selbst, dass solch ein Mensch das Recht haben muss, auf humane Art und Weise zu sterben.

Denn für mein Leid bekomme ich, wie gesagt, keinen Preis: da ist kein Gott, keine Gerechtigkeit. Im Gegenteil, mit dem Alter wird es nur schlimmer, das Scheitern immer klarer, immer deutlicher vor Augen. Sowie lauter Krankheiten in Aussicht.

Ein selbstbestimmter, humaner Tod -- durch Barbiturate oder ähnliches -- ist zudem immer humaner als der natürliche Tod. Die Natur wird einen brutal hinrichten, sei es durch einen willkürlich eintretenden Herzinfarkt, Hirnschlag; Krebs, Dahinsiechen usw.

Und: das Zeugen eines Kindes sollte problematisiert werden, nicht der Suizid. Das Zeugen eines Kindes ist im Grunde unerhört, denn niemand kann sein Einverständnis geben. Dieses Spiel, wenn man es so bezeichnen will, läuft unter anderem nur deshalb, weil man die Menschen ins Leben zwingt, statt sie vorher zu fragen, was physisch unmöglich ist.

(Wenn die Menschen jetzt alle übereinstimmen würden, keine Kinder mehr zu zeugen, dann stürben wir in ca. 100 Jahren aus, und damit auch alle Probleme, die der Mensch verursacht. Stattdessen hält man jedoch die Maschine künstlich am Laufen, zögert im Grunde das Unausweichliche hinaus. Denn: eine letzte Generation wird es ja geben, die Erde wird eines Tages kein Leben mehr unterstützen, die Entropie kümmert sich nicht um uns.)

Mit freundlichen Grüßen

Anonym

Hinweis: Leserbriefe bilden nicht die Meinung der Redaktion ab. Die Veröffentlichung, Kürzungen sowie Korrekturen (orthographische bzw. grammatikalische) behält die Redaktion sich vor.

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